Ländle Alpschwein

Ländle Alpschwein
Foto: Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH / Matthias Weissengruber

Die Erzeugung von Ländle Alpschwein ist das Ergebnis Traditionellen Wissens über Schweinezucht und Tierhaltung im alpinen Gebiet Vorarlbergs.

Registernummer: 134

Offenlegungsdatum

Haltung von Schweinen in den Vorarlberger Alpen vermutlich seit etwa 15 vor Christus.

Titel

Ländle Alpschwein

Kurzdarstellung oder Behauptung

Die Erzeugung von Ländle Alpschwein ist das Ergebnis traditionellen Wissens über Schweinezucht und Tierhaltung im alpinen Gebiet Vorarlbergs.
Das spezielle Fütterungsschema resultiert in magerem Schweinefleisch mit außergewöhnlichem Aroma, Saftigkeit und Zartheit.
Es wird in traditioneller
, extensiver Schweinehaltung in der alpinen Region Vorarlbergs gehalten und trägt damit zur Aufrechterhaltung der Kulturlandschaft bei.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Schweinefleisch, Frischfleisch

Name der Region

Ländle, Vorarlberg, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Martin Wagner
Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Bewirtschafter/-innen der Vorarlberger Sennalpen, die die Richtlinien der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH einhalten.

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Schweine sind eines der ältesten Nutztiere in der Landwirtschaft. Circa im 8. Jahrtausend vor Christus wurden die Schweine - unabhängig voneinander - in verschiedenen Gebieten Asiens domestiziert, von wo aus sie nach Europa kamen.

Im Mittelalter waren die Schweine sehr beliebt, da sie nicht nur Fleisch und Speck lieferten, sondern auch anderes nutzbares Material wie Bindegewebe, Fettgewebe, Sehnen, Bänder und Innereien. Die Schweine wurden in Wäldern von Schweinehirten gehütet und mit Eicheln und Bucheckern gemästet.

Man bewertete einen Wald oft weniger nach Eignung und Wert zur Holzgewinnung, sondern danach, wie viele Schweine darin Futter finden konnten. Da ausgedehnte Waldweiden die alleinige Futtergrundlage darstellten, ging die Leistungs- und Formentwicklung nur sehr langsam voran.

Im 17. und 18. Jahrhundert führten Seuchen, der 30-jährige Krieg und die Verringerung von Waldweideflächen (verursacht durch Überweidung und die darauffolgende Einschränkung der Weiderechte) zur Abnahme des Schweinebestandes und Fleischverbrauchs.

Bis ins 18. Jahrhundert mussten die Schweine ihr Futter in den Wäldern suchen und bekamen nur Hausabfälle. Die Schweine sahen Wildschweinen ähnlich.

Verbesserungen in der Landwirtschaft führten zu höheren Erträgen und folglich zu einer besseren Fütterung der Tiere. Zusätzlich begann die gezielte Rassenzucht in England. Der globale Handel brachte Rassen aus Asien und anderen Ländern nach Europa. 1770 führte die Kreuzung von einheimischen Schweinen mit asiatischen und neapolitanischen Züchtungen zur ersten modernen Schweinerasse, die den Namen Leicester erhielt.

1804 berichtete Ignaz von Halloy von der Bedeutung der Schweinezucht in Österreich. Die Landwirte hielten Sauen als Haupthaustiere.

Geschichte der Schweinehaltung in der Region:
Die Haltung von Alpschweinen ist in Vorarlberg eng mit der Käserei verbunden. Es kann daher angenommen werden, dass - mit der Entstehung der Alpkäserei auf den heutigen Sennalpen im Bregenzerwald - um circa 15 vor Christus die alpine Schweinehaltung in Vorarlberg begann.
Die Schweine wurden schon damals gemeinsam mit dem Milchvieh auf die Alpen aufgetrieben, um die bei der Käseerzeugung
anfallende Molke nicht im Tal entsorgen zu müssen, sondern als Futterbasis für die Mast der Schweine verwenden zu können.

Im Jahr 2001 wurde die Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH gegründet. Sie ist die zentrale Stelle für Marketing und Qualitätssicherung landwirtschaftlicher Produkte aus Vorarlberg. Ziel ist es, die heimischen Produkte bekannter zu machen, deren Qualität zu steigern und die Wertschöpfung zu erhöhen.

Auf den insgesamt ca. 130 Sennalpen in Vorarlberg sind während des Sommers etwa 1.000 Schweine gealpt, davon werden ca. 600 nach den Richtlinien der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH gehalten. Dieses Fleisch ist auch am Ländle Siegel erkennbar.

Gebiet/Region:

Vorarlberg (im lokalen Dialekt: „Ländle“) ist das westlichste Bundesland Österreichs. Es ist begrenzt durch den Bodensee und den Rhein im Westen, durch die Gebirgszüge Arlberg und Verwallgruppe im Osten, die Gebirgszüge des Rätikons und der Silvretta im Süden und das deutsche Allgäu im Norden. Vorarlberg grenzt an Bayern (Deutschland), Graubünden und Sankt Gallen (Schweiz), das Fürstentum Liechtenstein und das Bundesland Tirol.

Boden- und Klimaverhältnisse:

Die Böden variieren zwischen Pseudogley- und Gleyböden. Es gibt Böden auf Karbonatgestein, kalkhaltige Braunerde und lehmige Böden, ähnlich den braunlehmigen Böden.

Das Klima ist, auf Grund der Westwinde vom Bodensee, stark atlantisch geprägt. Temperaturgegensätze sind durch die große Wasserfläche des Bodensees gemäßigt. Die Winter sind mild und schneereich, die Sommer eher kühl. Häufig treten Föhnwinde im Rheintal und im Walgau auf. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei circa 10 Grad Celsius. Der Herbst ist geprägt durch stabiles, trockenes Wetter mit niedrigen Nachttemperaturen. Die jährlichen Niederschlagsmengen sind hoch (1500 bis 2000 Millimeter).

Lebensraum:

Trotz der räumlichen Enge findet man in Vorarlberg vielfältige Landschaftsformen.
Der große Anteil an Wiesen und Weiden (19,83 Prozent) sowie Almen und Bergmähdern (Wiesen an steilen Hängen) (32,15 Prozent) ermöglicht eine hoch entwickelte Almwirtschaft.
Rund 53.000 der 105.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche werden in Vorarlberg alpwirtschaftlich genutzt.

Im Sommer werden Alpschweine auf den meisten der etwa 130 Sennalpen gehalten, davon sind etwa 25 Sennalpen in die Richtlinien des Ländle Alpschweins eingebunden. Die Sennalpen liegen auf einer Seehöhe zwischen 900 und 1.800 Meter.

Ländle Alpschwein:

Ländle Alpschweine müssen in Österreich, wenn möglich in Vorarlberg, geboren sein. Wenn in Vorarlberg keine Schweine für die Bestoßung der Almen verfügbar sind, werden die Tiere meist aus den Bundesländern Nieder- und Oberösterreich zugekauft. Die anschließende Mästung und Schlachtung der Tiere erfolgt ausschließlich in der Region Ländle.

Erzeugungsverfahren:

Zucht/Mast:
Alpschweine, die nach den Richtlinien der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH gehalten werden, können mit dem Ländle Siegel vermarktet werden. Teilnehmende Alpen werden auf die Einhaltung der Richtlinien kontrolliert. Die folgenden Erläuterungen beziehen sich ausschließlich auf Ländle Alpschweine mit Siegel. Alpen, die nicht am Markenprogramm teilnehmen, müssen sich nicht an diese Regelungen, sondern an die gesetzlichen Bestimmungen halten.

Ländle Alpschwein wird in Österreich geboren und anschließend im Alter von rund 3 Monaten (mit rund 30 Kilogramm) auf den Vorarlberger Sennalpen gehalten.

Das Ländle Alpschwein wird garantiert in Vorarlberg gemästet und geschlachtet und wächst bei genügend Auslauf und Freiraum in gesunder und artgerechter Umgebung auf.

Ländle Alpschwein verbringt zumindest 70 Tage in Ställen auf den Sennalpen der Region.
Ländle Alpschweinen ist dabei ein ständiger Auslauf
ins Freigelände bzw. zu einer befestigten Auslauffläche zu gewähren, die pro Alpschwein mindestens 1 Quadratmeter und im Gesamten mindestens 10 Quadratmeter betragen muss. Ein ausreichender Schutz vor Witterungseinflüssen im Freiauslauf muss gegeben sein.

Die Alpschweine dürfen nicht angebunden oder in Einzelständen, sondern nur in Gruppen bei genügend Platz gehalten werden. Einstreu muss stets vorhanden sein. Hierfür wird entsprechend strukturiertes Material, wie zum Beispiel Stroh, bereitgestellt.
Die Haltung der Tiere auf Vollspalten- und Volllochböden ist nicht zulässig.

Fütterung:
Die Fütterung der Schweine erfolgt mit Molke und Raufuttergabe. Die Verwendung von antibiotischen Leistungsförderern und Hormonen ist verboten. Ebenso werden keine gentechnisch veränderten Futtermittel an die Alpschweine verfüttert.

Transport und Schlachtung:
Die Schweine werden im Alter von rund 6 bis 7 Monaten mit einem Lebendgewicht von 130 Kilogramm geschlachtet. Das Schlachtkörpergewicht beträgt zwischen 80 und 102 Kilogramm, mindestens jedoch 80 Kilogramm.

Die Schlachtung der Tiere erfolgt im September, zum Großteil in einem EU-zertifizierten Schlachthof in Dornbirn.
Andere Schlachtstätten sind möglich, soweit diese der Ländle
Qualitätsprodukte Marketing GmbH bekannt sind und über eine Veterinärzulassung verfügen.

Der Transport zum Schlachthof erfolgt durch eine Sammelabholung. Kurze Transportwege garantieren eine stressfreie Schlachtung der Tiere und somit die höchste Fleischqualität.

Nach der Schlachtung werden die Schlachtkörper durch Veterinäre amtlich kontrolliert und nach SEUROP-Klassifizierung beurteilt sowie der pH-Wert gemessen.

Fleischbeschreibung:
Das Fleisch vom Ländle Alpschwein ist rot bis rosa, mager, aromatisch und charakterisiert durch Saftigkeit und Zartheit.

Etwa 50 Prozent des Schweinefleisches erreicht in der SEUROP-Klassifizierung die Fleischklasse „S“ und 50 Prozent „E“.
Der Muskelfleischanteil beträgt circa 56 Prozent.

Qualitätskontrolle:
Die Alpschweine werden täglich durch den Bauern auf ihren Zustand in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden geprüft.
Die Kontrolle im Alpbereich sowie in den Schlachtstätten erfolgt extern einmal jährlich im Auftrag der Ländle
Qualitätsprodukte Marketing GmbH.

Qualitätskennzeichnung:
Alle Ländle Alpschwein-Produkte sind mit dem Ländle Siegel versehen, welches für die heimische Produktion und Verarbeitung der Produkte in Vorarlberg steht und die Einhaltung der strengen Qualitätsrichtlinien garantiert.

Vermarktung:

Fleisch vom Ländle Alpschwein mit Siegel wird direkt nach der Alpsaison über Handelspartner aus dem Vorarlberger Lebensmitteleinzelhandel und vereinzelte Metzger vermarktet. Viele teilnehmende Alpen verkaufen zudem einen Teil direkt. Der Verkaufszeitraum beträgt drei bis vier Wochen, veredelte Produkte (Wurst- und Speckwaren) werden auch über diesen Zeitraum hinaus bzw. zu einem späteren Zeitpunkt verkauft.

Die Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH unterstützt den Verkauf durch umfangreiche Marketing-Aktivitäten.

Ursprungsnachweis:

Die Schweine werden, gemäß der österreichischen Tierkennzeichnungs- und Registrierungsverordnung 2007, mit offiziellen Marken (Ohrmarken) gekennzeichnet und registriert.

Zusammenhang zwischen dem geografischen Gebiet und Traditionellem Wissen

  • Dank der Haltungsweise kann Schweinefleisch mit charakteristischen Merkmalen bezüglich Zusammensetzung und Marmorierung erzeugt werden. Das Fleisch besitzt ein einzigartiges Aroma und einen einzigartigen Geschmack, welche in direkter Beziehung zur aufgenommenen Molke stehen.
  • Die Aufzucht des Ländle Alpschweins ist das Ergebnis traditionellen Wissens, das von Generation zu Generation weitergegeben wird: Wissen und Erfahrung der Tierhalter. Hinzu kommt die Berücksichtigung der Konsumentenwünsche in Bezug auf hohe Tierwohlstandards, die bei den Richtlinien Berücksichtigung finden.

Verwertung:

Das Ländle Alpschwein Fleisch wird als Frischfleisch und verarbeitet verkauft.
Spezialitäten vom Ländle Alpschwein sind Schulter- und Schinkenspeck
, der Bauchspeck, in luftgetrockneter oder geräucherter Variation sowie das Schweinsfilet.

Schutz:

Wort-Bildmarke: Ländle Produkte – inkludiert auch die Wort-Bildmarke Ländle Alpschwein – (Österreichisches Patentamt, Register Nummer 219 535, im Jahr 2004)

Wort-Bildmarke: Ländle Qualität – Luag druf (Österreichisches Patentamt, Register Nummer 210 540, im Jahr 2003)

Wort-Bildmarke: Ländle Qualität – i luag druf (Unionsmarke, Register Nummer 15632912, im Jahr 2016)

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, traditionelles Wissen, Österreich, Region, Vorarlberg, Ländle, Schwein, Edelschwein, Ländle Alpschwein

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 14.10.2021.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH
Montfortstraße 11/7
6900 Bregenz

www.laendle.at

Autoren

Daniela Trenker M.A., Mag.a Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus, Benjamin Hehle MSc, Martin Wagner