Wachauer Marille g.U.

 Wachauer Marille

Anbautradition mit lokalen Sorten seit circa 1890.

Registernummer: 7

Offenlegungsdatum

Erstmals 1509 in der Wachau nachgewiesen (Starhembergisches Archiv, Eferding).

Titel

Wachauer Marille g.U.

Kurzdarstellung oder Behauptung

Die unverwechselbare Qualität der Wachauer Marille ist ein Ergebnis des regionalen Klimas und Bodens, der traditionell verwendeten Sorten, sowie der über 100 Jahre alten Anbautradition. Das besondere Klima wirkt sich unmittelbar auf die Ausbildung der Geschmacks-, Aroma- und Inhaltsstoffe der Früchte aus.
Produziert nach der Spezifikation für die Eintragung als Geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) gemäß EU Verordnung
VO (EWG) Nr. 2081/92: VO (EG) Nr. 1107/96, L 148/1/96 v. 21.6.1996

Geändert durch: VO (EU) Nr. 265/2013, C 140/18/2012, L 82/34/2013 v. 22.3.2013

Produktbezeichnung, Produktklasse

Marille (=Aprikose), Obst

Name der Region

Wachau, Niederösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Verein „Wachauer Marille g.U.“ 

c/o Franz Reisinger

A-3620 Spitz, Mitterndorf 1

Name des Antragstellers für den Titel

Arbeitsausschuss zur Förderung des Marillenanbaues in den Gebieten Wachau - Krems - Mautern

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Wachauer Marillenbauern

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Verein „Wachauer Marille g.U.“ 

c/o Franz Reisinger

A-3620 Spitz, Mitterndorf 1

Beschreibung

Geschichte:

Als Urheimat der Marille gilt China. Chinesen kannten Marillensorten schon 3000 bis 2000 vor Christus. Die Sorten gelangten über Chinesisch-Turkestan nach Westen, nach Mittel- und Vorderasien, Armenien, Syrien, Griechenland, Italien und die übrigen Länder des Mittelmeeres und ganz Europa.

Der Ausbreitungsweg in Westeuropa dürfte über Italien, Spanien, Frankreich erfolgt sein, während die Donauländer nach neueren Forschungen die Marille über den Pontus und den Donauweg erhielten.
Die erst nach der Mitte des 1. Jahrhunderts nach Italien eingeführte Marille tauchte bereits zu gleicher Zeit, wenn nicht früher, auch an der mittleren Donau auf.
Im Donauraum der Wachau wurde schon zu römischer Zeit nachweislich Obstbau betrieben wurde, wie Eugippius in seiner Gedenkschrift über den Heiligen Severin bezeugt, die allgemein unter dem Namen „Vita S. Sverini“ bekannt ist.

Die Kapitularien Karl des Großen aus dem Jahre 802 enthalten eine Liste mit all den kultivierten Obstarten, Marillen werden aber nicht erwähnt, da sie vom 3. bis zum 16. Jahrhundert als Pfirsiche angesehen wurden.
Der österreichische Ausdruck „Marille“ für Aprikose geht vermutlich auf die italienische Bezeichnung „armellino“ zurück, die sich von der wissenschaftlichen Bezeichnung „armeniaca“ (= aus Armenien stammend) ableitet.

Der bisher älteste Nachweis für den Ausdruck Marille im Donaugebiet findet sich in einer Briefsammlung des Starhembergischen Archives in Eferding bei Linz. In einem Brief vom 23. Juli 1509 taucht der Name „Maryln“ auf. Meister Ortulf vom Baierland (zwischen 1390 bis 1439) nennt in seinem Arzneibuch die Frucht „Amarellen“.
Für das Gebiet von Arnsdorf (Wachau) findet sich die älteste namentliche Nennung dieser Frucht im Archiv des Hochstiftes Sankt Peter in Salzburg. Am 15. April 1679 berichtet der „Löß-Commissary“ (Lesmeister) des Stiftes über die Bäume, die damals in Oberarnsdorf in den Weingärten des Petersstiftes standen und führt dabei an: „Nuß, Pfersich, Mariln, Mandeln“.

Die Donau als Handelsweg war auch für den Obsttransport von großer Wichtigkeit. Aus der Wachau kommende Obstplätten erreichten in einem Tag die Hauptstadt Wien. Mit Obst beladene Zillen fuhren vereinzelt noch bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg.

Der Anbau von lokalen Marillensorten in der berühmten Weinbauregion der Wachau wurde durch die Verwüstung von Weingärten durch die Reblaus um 1890 verstärkt.
Seither ist der Marillenanbau ein traditionell wichtiger Erwerbszweig dieser Region.

Auf der Produktionsfläche stehen derzeit circa 100.000 Marillenbäume.

Gebiet/Region:

Die Region Wachau-Mautern-Krems liegt am südlichen Rand des Waldviertels, im Bundesland Niederösterreich. Sie erstreckt sich entlang der Donau bis zum nördlichen Teil des Dunkelsteinerwaldes. In dem engen Donautal wird auf Steinterrassen Weinbau betrieben. Auf den Flächen neben der Donau werden Marillen und anderes Obst kultiviert.

Mit dem Namen „Wachauer Marille g.U.“ dürfen nur Marillen gemäß der Spezifikation der Wachauer Marille g.U.

(VO (EWG) Nr. 2081/92:  VO (EG) Nr. 1107/96, L 148/1/96 v. 21.6.1996

Geändert durch: VO (EU) Nr. 265/2013, C140/18/2012, L 82/34/2013 v. 22.3.2013)

bezeichnet werden, die aus den Gemeinden Aggsbach-Markt, Albrechtsberg, Bergern im Dunkelsteinerwald, Droß, Dürnstein, Furth, Gedersdorf, Krems, Maria Laach, Mautern, Mühldorf, Paudorf, Rohrendorf, Rossatz-Arnsdorf, Senftenberg, Spitz, Stratzing, Weinzierl am Wald, Weißenkirchen, Schönbühel-Aggsbach, Emmersdorf stammen und eine entsprechende Zertifizierung aufweisen.

Klima und Bodenverhältnisse:

Die Ausläufer des warmen pannonischen Klimas kommen von Osten bis in die Wachau. Aus dem Westen gelangen die Ausläufer der gemäßigten, atlantischen Luft. Zu diesen beiden kommen noch die kühlen, oft feuchteren Luftmassen aus dem Norden, die durch die Wachauer Gräben in das Donautal gleiten. Einer der größeren Gräben ist der Spitzer Graben. Das Zusammenspiel dieser drei Klimaeinflüsse sorgt für eine ständige Luftzirkulation.

Durchschnittliche Jahrestemperatur: 8,8 Grad Celsius, Durchschnittlicher Jahresniederschlag: 470 Millimeter

Boden: An den Steilhängen meist verwitterte Urgesteinsböden, die sich in tieferen Lagen mit Löss mischen. Im Tal teilweise auch sandige Böden.

Wachauer Marille g.U.

Die Marille (Prunus armeniaca), auch Aprikose genannt, gehört wie die Pflaume zur Untergattung Prunophora (Prunus im engeren Sinne), der zu den Rosengewächsen zählenden Gattung Prunus.

Marillenbäume:

Die Erziehung und Pflege der Bäume zielt auf die Produktion von qualitativ hochwertigen Marillen unter Berücksichtigung einer nachhaltigen Landbewirtschaftung hin.

Die Heranzucht des Pflanzenmaterials erfolgt entweder in Baumschulen oder durch die Marillenbauern selbst. Teilweise wird Reisermaterial von den Marillenbauern an die Baumschulen abgegeben, diese führen jedoch auch selbst Selektionsarbeiten durch und vermehren bodenständige Sorten. Pflanzung als einjähriger Okulant oder als zweijähriger Baum.

Als Pflanzunterlagen kommen speziell an die regionalen Bodenverhältnisse angepasste Marillensämlinge, Myrobalane und verschiedene andere geeignete Prunus-Arten zum Einsatz. Als Erziehungsform ist die Rundkronenerziehung (Pyramiden- oder Hohlkrone) verbreitet, auch Längskronen kommen vor. Die Pflanzung erfolgt entweder im Herbst oder im Frühjahr.

Die Marille reagiert stark auf Bodenmüdigkeit; Wurzelschimmel kann ein Problem sein. Für Nachpflanzungen Marille auf Marille müssen entweder die Unterlagen gewechselt oder eine Erholungsphase für den Boden mit Gründüngung von etwa bis zu 5 Jahren eingelegt werden. Der Pflanzschnitt erfolgt im Frühjahr beim Knospenschwellen. Leichter Auslichtungsschnitt und Fruchtholzschnitt sind günstig. Dürre Zweige und Äste werden jedoch den ganzen Sommer über oder nach der Ernte herausgeschnitten. Nachdem Wundheilung und Rindenabsterbeerscheinungen auf Grund ungünstiger Winterwitterungen ein Problem darstellen, ist eine sorgfältige Wundpflege erforderlich.

Grasmulch wird zunehmend zur Bodenpflege eingesetzt. Bei den Kernnährstoffen wird ein Gehalt von 15-20 mg Phosphor, 25-30 mg Kali und 15 mg Magnesium auf 100 Gramm Boden angestrebt. Die Stickstoffversorgung erfolgt hauptsächlich durch Blattdüngung nach der Blüte und nach der Ernte. Nach der Ernte wird teilweise auch ein Borblattdünger eingesetzt.

Blüten und Früchte:

Je nach Witterung stehen die Marillenbäume zwischen März und Mitte April in voller Blüte.

Es handelt sich um Früchte der Formenkreise „Kegelmarillen“, „Ovalmarillen“ (oder „Rosenmarillen) und „Ananasmarillen“, welche traditionell im Zeitraum von 1900 bis 1960 von den Wachauer Marillenanbauern und ansässigen Marillenbaumschulen selektioniert und ausgepflanzt wurden.

Die vorwiegend angebaute Sorte ist die regionaltypische Sorte „Klosterneuburger“ (Formenkreis Kegelmarille).

„Kegelmarillen“: Die Frucht ist mittelgroß, das mittlere Fruchtgewicht bei durchschnittlichem Fruchtbehang liegt bei 45 bis 60 g, das spezifische Gewicht liegt meist über 1,0. Die Form ist kegelförmig oder zugespitzt. Die Fruchtschale ist von honiggelber Grundfarbe, bis zur Hälfte oder darüberhinausgehend gerötet, oft auch bräunlich bis rötlich gepunktet. Hauptkennzeichen: Kegelförmige, einseitige Form, stark gerötet. Das Fruchtfleisch ist gleichmäßig orange bis rötlichorange, fest und saftig und wird nicht mehlig.

„Ovalmarillen“ (oder „Rosenmarillen“): Die Frucht ist mittelgroß bis groß, das mittlere Fruchtgewicht bei durchschnittlichem Fruchtbehang liegt bei 40 bis 65 g, das spezifische Gewicht liegt meist unter 1,0. Die Form ist oval oder hochrundlich, mittelrundbackig. Die Fruchtschale orangegelb gefärbt, leicht wollig behaart, sonnseitig stets bis Hälfte der Frucht gerötet, oft rot punktiert. Hauptkennzeichen: Ovale Form und orangegelbe Grundfarbe mit schön rotem Anflug der Früchte.

„Ananasmarillen“: Die Größe der Frucht schwankt zwischen der der Knödelmarille und der Großen gemeinen Marille, das mittlere Fruchtgewicht bei durchschnittlichem Fruchtbehang liegt bei 30 bis 70 g, spezifisches Gewicht um 1,0. Die Form ist hochrundlich. Die Fruchtschale ist wollig behaart, mittelgelb, oft schwach gerötet oder rot punktiert. Hauptkennzeichen: Marillengelbe rundliche Früchte, ohne Röte oder schwach gerötet.

Die Wachauer Marille g.U. besitzt einen hohen Pektin-, Säure- und Zuckergehalt.
Der Pektingehalt der Wachauer Qualitätsmarille hat einen besonders guten Einfluss auf die Verarbeitungseigenschaften bei der Bereitung von Marmeladen.

Ernte:

Die Ernte erfolgt per Hand ab Mitte Juli bis Mitte August und ist sehr arbeitsaufwendig, wodurch eine Begrenzung der Anbaufläche je Betrieb bedingt ist. Die folgeartige Reifung der Früchte erfordert ein oftmaliges Durchernten bis zu etwa 5 Mal je nach Jahr, wobei immer nur die baumreifen beziehungsweise vollreifen Früchte je nach Vermarktungsform (Direktverkauf oder Handel) gepflückt werden.

Es wird mit einem traditionellen Pflückkorb geerntet, dem Wachauer Marillenzistel, dessen unteres Ende ganz charakteristisch spitz zuläuft. Die Handhabung im Astgewirr der Bäume wird durch diese Form erleichtert, außerdem mildert sie den Druck auf die unten im Korb liegenden Marillen.

Geschmack:

Das einzigartige Aroma und der unverwechselbare Geschmack der Wachauer Marille ist ein Ergebnis des regionalen Klimas und Bodens, der verwendeten Sorten sowie der über 100 Jahre alten Anbautradition. Insbesondere wirkt sich das Klima unmittelbar auf die Ausbildung der Geschmacks-, Aroma- und Inhaltsstoffe der Früchte aus.

Zucker und Säuregehalt der Wachauer Marille g.U.:
Das Zusammenspiel von hohen Zucker- und Säurewerten bedingt die einzigartigen aromatischen wie geschmacklichen Eigenschaften.

Ernährung:

Marillen weisen eine Vielzahl an wichtigen Inhaltstoffen mit hohem Wert für den menschlichen Körper auf. Marillen enthalten die höchsten Provitamin A (Carotin) Werte aller Obstarten. Weiters sind hohe Werte bei Vitamin B1, B2, C und Mineralstoffe erwähnenswert.

Qualitätssicherung und Qualitätskennzeichnung:

Mit der g.U. (geschützten Ursprungsbezeichnung) ist eine gesetzlich vorgeschriebene Zertifizierung für die g.U. Produkte als auch eine gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung für g.U. Produkte gegeben. Damit ist für jeden Konsumenten die Unterscheidungsmöglichkeit zu anderen Marillen möglich.

Verwertung:

Eine Weiterverarbeitung der frischen Wachauer Marillen g.U. erfolgt zu Marmelade, Nektar, Destillat, Likör, Marillenknödel, etc …

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

Die unverwechselbare Qualität der Wachauer Qualitätsmarille ist ein Ergebnis des regionalen Klimas und Bodens sowie der über 100 Jahre alten Anbautradition (Sortenselektion und Sortenzusammensetzung sowie der verwendeten Veredelungsunterlagen). Das Zusammentreffen mehrerer Klimate (Pannonisches und Waldviertler Klima, unmittelbare Nähe der Donau) mit speziell zur Reifezeit der Marillen großen Unterschieden zwischen den Tag- und Nachttemperaturen, wirkt sich unmittelbar auf die Ausbildung der Geschmacks-, Aroma- und Inhaltsstoffe der Früchte aus. Neben der großen wirtschaftlichen Bedeutung hat der Marillenanbau in der Wachau auch eine enorme touristische Bedeutung, da im Frühling das Landschaftsbild vollkommen von den blühenden Marillenbäumen geprägt wird.

Vermarktung:

Erfolg hauptsächlich über die Direktvermarktung, kleinere Mengen gehen in den Handel.

Schutz:

Die Beschreibung der Spezifikation für die Registrierung als gU liegt im Österreichischen Patentamt auf. (Nationales Aktenzeichen: 1233-GR/95)

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Niederösterreich, Region, Wachau, Marille, Wachauer Marille g.U.

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller zitierten Internetreferenzen erfolgte am 27.09.2021.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Verein Wachauer Marille g.U.
Mitterndorf 1
3620 Spitz an der Donau
E-Mail: office@wachauermarille.at
Homepage: www.wachauermarille.at

Autoren

Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus, Karl Bachinger, Obmann Franz Reisinger