Naturwaldreservate

Naturwaldreservat
Foto: BMLRT / Alexander Starsich

Die Naturwaldreservate dienen der Erforschung der Waldentwicklung unter menschlich unbeeinflussten Bedingungen und zur Weiterentwicklung eines naturnahen Waldbaus.

Na­tur­wald­re­ser­va­te - Pro­gramm

Die Na­tur­wald­re­ser­va­te (NWR) sind Wald­flä­chen, die für die na­tür­li­che Ent­wick­lung des Öko­sys­tems Wald be­stimmt sind und in denen jede un­mit­tel­ba­re Be­ein­flus­sung un­ter­bleibt.
Die Na­tur­wald­re­ser­va­te sind ein Bei­trag zur Er­hal­tung und na­tür­li­chen Ent­wick­lung der bio­lo­gi­schen Viel­falt.

Grundlage des Na­tur­wald­re­ser­va­te - Pro­gramms

Mit der Un­ter­zeich­nung der Re­so­lu­ti­on H2 der Mi­nis­ter­kon­fe­renz zum Schutz der Wäl­der in Eu­ro­pa 1993 in Hel­sin­ki hat sich Ös­ter­reich ver­pflich­tet, ein Netz­werk von Na­tur­wald­re­ser­va­ten ein­zu­rich­ten.

Ziel im Sinne die­ser Re­so­lu­ti­on ist die Er­hal­tung und Ver­bes­se­rung der bio­lo­gi­schen Viel­falt des Wal­des als Grund­vor­aus­set­zung für sein nach­hal­ti­ges Be­ste­hen und die Er­fül­lung sei­ner Funk­tio­nen.

Eine Ver­pflich­tung zur Ein­rich­tung eines re­prä­sen­ta­ti­ven Net­zes von Na­tur­wald­re­ser­va­ten ist auch im Berg­wald­pro­to­koll zur Al­pen­kon­ven­ti­on 1991 im Ar­ti­kel 10 ent­hal­ten.

Aktuell (Stand Februar 2021) sind im Na­tur­wald­re­ser­va­te- Programm 191 Re­ser­va­te mit einer Ge­samt­flä­che von rd. 8.600 ha eingerichtet und ver­trag­lich ab­ge­si­chert.

Haupt­zie­le des Na­tur­wald­re­ser­va­te-Pro­gram­mes

Das Ziel des Na­tur­wald­re­ser­va­te-Pro­gram­mes ist die Schaf­fung von einem re­prä­sen­ta­ti­ven Na­tur­wald­re­ser­vat pro Wald­ge­sell­schaft und Wuchs­ge­biet. In Ös­ter­reich gibt es ins­ge­samt 118 Wald­ge­sell­schaf­ten, die in 9 Hauptwuchsgebiete und in 22 Wuchs­ge­bie­ten untergliedert sind.

In ers­ter Linie soll damit die bio­lo­gi­sche Viel­falt (Bio­di­ver­si­tät) des Wal­des er­hal­ten bzw. ver­bes­sert wer­den.

Diese Viel­falt ist eine un­ab­ding­ba­re Grund­vor­aus­set­zung für das nach­hal­ti­ge Be­ste­hen ge­sun­der Wäl­der, die ihre Funk­tio­nen er­fül­len kön­nen, ins­be­son­de­re die Si­che­rung un­se­res Le­bens­rau­mes.
Die Er­hal­tung bzw. Wie­der(Wei­ter)-Ent­wick­lung der na­tür­li­chen Wald­ge­sell­schaf­ten soll ge­för­dert wer­den.

Das “Österreichische Pro­gramm Naturwaldreservate“ soll die Ab­lei­tung von neuen Er­kennt­nis­sen für For­schung und Lehre (Grund­la­gen­for­schung) für eine öko­lo­gisch ori­en­tier­te, na­tur­na­he Wald­be­wirt­schaf­tung brin­gen.

Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur des Na­tur­wald­re­ser­vate­-Pro­gramms

Die Gesamtkonzeption wie Pla­nung, Einrich­tung und Betreuung von Na­tur­wald­re­ser­va­ten wird vom Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) durchgeführt.

Das Institut für Waldbiodiversität und Naturschutz, Abteilung Naturwaldreservate, ist unter der Leitung von Dr. Georg Frank für die fachliche Abwicklung wie auch die wissenschaftliche Betreuung des Naturwaldreservate-Programmes verantwortlich.

Die ad­mi­nis­tra­ti­ven und fi­nan­zi­el­len Angelegenheiten er­folgen durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Landwirtschaft, Regionen und Tou­ris­mus, Ab­tei­lung III 3.

Die Wald­be­sit­zer sind als Vertragspartner durch die Mel­de­pflicht über die durchgeführten halbjährlichen Begehungen der Waldflächen und die Meldepflicht bei außergewöhnlichen Ereignissen regelmäßig mit der Pro­jekt­ko­or­di­na­ti­on in Kon­takt.

Na­tur­wald­re­ser­va­te-Ver­trag

Der Na­tur­wald­re­ser­va­te-Muster-Ver­trag wurde mit der Land­wirt­schafts­kam­mer Ös­ter­reich, „Land&Forst Betriebe Österreich“, der Ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­fors­te-AG und dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fi­nan­zen ver­han­delt und ver­ein­bart.

Beim Ös­ter­rei­chi­schen Na­tur­wald­re­ser­va­te-Pro­gramm han­delt es sich um Ver­trags­wald­schutz, wobei die Wald­ei­gen­tü­mer die Flä­chen frei­wil­lig zur Ver­fü­gung stel­len.

Der Bund schließt mit  Wald­ei­gen­tü­mern pri­vat­recht­li­che Ver­träge über die Dauer von 20 Jah­ren, in denen sich die Vertragspartner ver­pflich­ten, in­ner­halb des Re­ser­vats alle Nut­zun­gen und Wirt­schafts­maß­nah­men (ausgenommen die Jagd), zu un­ter­las­sen.

Um die Waldflächen zu dokumentieren und auch für die Zukunft vergleichbar zu machen werden vom Bundesforschungs- und Aus­bil­dungs­zen­trum für Wald, Na­tur­ge­fah­ren und Land­schaft (BFW) Gut­ach­ten aus­ge­ar­bei­tet. In diesen Gutachten wird unter anderem auch die Höhe des jährlichen Entgelts des jeweiligen Naturwaldreservates festgelegt.

Das Ent­gelt setzt sich aus dem „Nut­zungs­ent­gang“, der nach dem Wirt­schafts­wert der Wald­flä­che berechnet wird, und aus dem „So­ckel­be­trag“, der sich nach der Größe des Reservates richtet, und für die ver­trags­ge­mä­ßen Pflich­ten und Dul­dun­gen bezahlt wird, zusammen.

Die Be­zah­lung er­folgt derzeit aus­schließ­lich aus nationalen Bud­get­mit­teln des  Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Landwirtschaft, Regionen und Tou­ris­mus, Ab­tei­lung III 3,

An­sprech­per­sonen: MR Dipl.- Ing.  Michael Keller und ADir. Ingin. Bri­git­te Jelinek.

Aus­blick

Zurzeit ist schon ein großer Teil der Waldgesellschaften Österreichs in den Naturwaldreservaten des Bundes erfasst. Es ist geplant, die noch fehlenden Flächen in Zusammenarbeit mit Forstbehörden, Waldbesitzern und Interessensvertretungen aufzufinden und vertraglich zu fixieren.

Um das Österreichische Naturwaldreservate-Programm mit den noch fehlenden Waldgesellschaften zu ergänzen, wird in den nächsten Jahren intensiv versucht, den Ausbau des bestehenden Netzes, auch aus Mitteln der „Ländlichen Entwicklung“ und des „Waldfonds“, voranzutreiben.

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