Zahlen und Fakten zum Zivildienst in Österreich

Zivildiener und Angestellte eines Rettungsdienstes kümmern sich um einen Kranken auf einer Liege
Foto: ASBÖ / Lipinsky

Der Zivildienst ist unverzichtbar für unsere Gesellschaft. Einen guten Überblick zum Zivildienst geben die hier grafisch und visuell aufbereiteten Zahlen und Fakten, zum Beispiel zu Einsatzgebieten, Zuweisungen und historischer Entwicklung.

Auszug aus der Broschüre "Zahlen und Fakten 2021" (2. Ausgabe, Redaktionsschluss: November 2021)
Zu einigen Bereichen gibt es inzwischen bereits neue Zahlen aus dem Jahr 2021.

Der Zivildienst ist unverzichtbar. Zivildienstleistende erbringen Leistungen für gemeinnützige Einrichtungen und stärken damit unser Sozial- und Gesundheitssystem. Sie unterstützen Menschen, die sich in Notlagen befinden oder auf fremde Hilfe angewiesen sind, und sammeln dabei selbst wichtige Erfahrungen und Kompetenzen. Der Zivildienst ist auch Regionaldienst. Viele Zivildienstleistende engagieren sich nach dem Zivildienst ehrenamtlich in Einrichtungen ihrer Region. In Krisenzeiten stellt der außerordentliche Zivildienst eine wichtige Ressource dar. In Österreich besteht für männliche österreichische Staatsbürger die Wehrpflicht. Der Zivildienst ist ein Wehrersatzdienst. Voraussetzungen zur Ableistung eines Zivildienstes sind die Tauglichkeit, die bei der Stellung befunden wurde, sowie die rechtzeitige Abgabe der Zivildiensterklärung. Das Recht, diesen Wehrersatzdienst wahrzunehmen, haben jene jungen Männer, die es aus Gewissensgründen ablehnen, Waffengewalt gegen Menschen anzuwenden.

Bei der Stellung beim Militärkommando wird die Eignung zum Wehrdienst ermittelt. Mit der Zivildiensterklärung wird bekannt gegeben, die Wehrpflicht aus Gewissensgründen nicht erfüllen zu können. Nach Abgabe der Zivildiensterklärung wird ein Bescheid über die Feststellung der Zivildienstpflicht zugesandt. Die Zivildienstserviceagentur spricht über die Zuweisung zu einer Zivildienst-Einrichtung nach Maßgabe freier Plätze, persönlicher Eignung und Erfordernisse des Zivildienstes ab. Die Dauer des ordentlichen Zivildienstes beträgt neun Monate. Zu diesem sind alle Zivildienstpflichtigen verpflichtet, die das 35. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die Pflicht, außerordentlichen Zivildienst zu leisten, erlischt mit der Vollendung des 50. Lebensjahres. Der Erfolg des Zivildienstes basiert in erster Linie auf dem Engagement der Zivildienstleistenden während ihres Dienstes. Wichtig ist aber auch die gute Zusammenarbeit der Zivildienstserviceagentur mit den beteiligten Institutionen – dies sind die Trägerorganisationen und die Ämter der Landesregierungen samt dazugehörigen Bezirksverwaltungsbehörden. Hervorzuheben ist auch die gute Zusammenarbeit mit den Militärkommanden und dem Heerespersonalamt. Als Anerkennungspreis für besondere Leistungen im Zivildienst wurde der „Zivildiener des Jahres“ mit Landessiegern und einem Bundessieger ins Leben gerufen.

Organisiert und verwaltet wird der Zivildienst von der Zivildienstserviceagentur (ZISA), einer Dienststelle des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus. Zuvor war die ZISA im Innenministerium angesiedelt. Zu den Kernbereichen der ZISA zählen vor allem die Feststellung der Zivildienstpflicht, Zuweisung der Zivildienstpflichtigen zu den Einrichtungen und die Auszahlung der Beträge an Zivildienstleistende und Einrichtungen. Information, Service und Kundenorientiertheit für eine möglichst wunschgemäße Ableistung des Zivildienstes für die Zivildienstpflichtigen und Trägerorganisationen stehen bei der ZISA im Mittelpunkt. Weitere Informationen unter www.zivildienst.gv.at.

Grafik Verhältnis Zivildienst zu Wehrdienst 2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Verhältnis Zivildienst zu Wehrdienst 2020

Der Zivildienst erfreut sich in Österreich stetig wachsender Beliebtheit. Im Jahr 2020 betrug das Verhältnis Zivildienst zu Wehrdienst schon 48,6 % für den Zivildienst und 51,4 % für den Wehrdienst.

Zeittafel Zivildienst in Österreich

1955 Einführung der allgemeinen Wehrpflicht mit Dauer von neun Monaten für männliche österreichische Staatsbürger als Basis der militärischen Landesverteidigung.
1955–1975 Wenn ein Wehrpflichtiger den Dienst mit der Waffe ablehnte, konnte er unter Berufung auf Gewissensgründe einen Antrag stellen, um vom Waffendienst freigestellt zu werden. Wurde dem Antrag stattgegeben, so hatte der Wehrpflichtige einen Dienst ohne Waffe innerhalb des Bundesheeres zu leisten. Zwischen 1956 und 1974 wurden von insgesamt 3.277 Anträgen
3.266 genehmigt, was gerade einmal 0,45 % der Wehrpflichtigen betraf. Der „ordentliche Präsenzdienst ohne Waffe“ dauerte zwölf Monate und war um drei Monate länger als der Dienst mit der Waffe.
1971 1971 wurde die Etablierung eines Zivildienstes erstmals in ein Regierungsprogramm geschrieben, im Jahr darauf eine Regierungsvorlage zum Zivildienstgesetz eingebracht.
1975 Am 6. März 1974 erfolgte der Beschluss des Zivildienstgesetzes, das mit 1. Jänner 1975 in Kraft trat. Die mit dem Zivildienst verbundenen Belastungen und die Besoldung des Zivildienstpflichtigen sollten so weit wie möglich jenen des Wehrdienstes entsprechen. Im Jahr 1975 leisteten 344 Männer den Wehrersatzdienst.
1975–1991 Wehrdienstverweigerer mussten ihre Gewissensvorbehalte vor einer Kommission glaubwürdig begründen.
1986 1986 erfolgte die Wiederverlautbarung als Bundesgesetz über den Zivildienst (Zivildienstgesetz 1986–ZDG).
1991 Mit der Novelle des Zivildienstgesetzes 1991 kam die Abschaffung der „Gewissensprüfung“ vor einer Kommission. Seitdem reicht eine formelle Erklärung aus, um zum Zivildienst zugelassen zu werden.
1992 Seit 1992 ist ein Auslandsdienst (Gedenkdienst, Sozialdienst oder Friedensdienst) als Ersatz für den ordentlichen Zivildienst möglich. Der Auslandsdienst dauerte zwölf Monate. Am 1. September 1992 trat der erste österreichische Gedenkdiener seinen Dienst im Museum Auschwitz-Birkenau an.
1997 Verlängerung des Zivildienstes auf zwölf Monate.
2002–2005 Vom 1. April 2002 bis zum 30. September 2005 war die Zivildienstverwaltungs- Ges.m.b.H im Auftrag des Innenministeriums für die Zuweisung von Zivildienstpflichtigen zuständig.
2004 Auf Empfehlungen der Bundesheerreformkommission wurde der Wehrdienst auf sechs Monate verkürzt.
2005 Mit der ZDG-Novelle 2005 wurde die Zivildienstserviceagentur (ZISA) als zuständige Bundesbehörde für den Vollzug des Zivildienstgesetzes eingerichtet. Berufungsbehörde war weiterhin das Innenministerium.
2006 Mit der Kürzung des Präsenzdienstes auf sechs Monate wurde auch die Dauer des Zivildienstes reduziert und zwar mit Jänner 2006 auf die bis heute gültigen neun Monate.
2008 Seit 2008 werden die „Zivildiener des Jahres“ für herausragende Leistungen im Rahmen des Zivildienstes ausgezeichnet. Dabei werden Landessieger und ein Bundessieger gekürt.
2010 Durch die ZDG-Novelle 2010 können Zivildienstpflichtige unter gewissen Umständen (etwa für die Ausübung der Jagd) eine Ausnahmegenehmigung vom Waffenverbot erhalten. Wenn Zivildienstpflichtige nach Ableistung des Zivildienstes eine Laufbahn etwa bei der Polizei oder Justizwache anstreben, ist das Erlöschen der Zivildienstpflicht möglich.
2013 2013 konnten die Stimmberechtigten in Österreich bei einer Volksbefragung abstimmen, ob sie „die Einführung eines Berufsheeres und eines bezahlten freiwilligen Sozialjahres“ oder „die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht und des Zivildienstes“ befürworten. Die  Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht und die gleichzeitige Aufrechterhaltung des Zivildienstes wurden von 59,7 % der Stimmberechtigten favorisiert.
2013 Seit 2013 wird – wenn bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sind – die Leistung eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ), Freiwilligen Umweltschutzjahres (FUJ) oder eines Gedenk-, Friedens- und Sozialdienstes im Ausland als Ersatz für den Zivildienst angerechnet.
2016 2016 wurden durch Novellen des Zivildienstgesetzes und des Freiwilligengesetzes die Freiwilligendienste im In- und Ausland im Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz gebündelt.
Jänner 2020 Die Angelegenheiten des Zivildienstes sind mit Inkrafttreten der Novelle des Bundesministeriengesetzes Nr. 8/2020 in das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) übergeleitet worden.
März 2020 Während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 wurde erstmals in der Geschichte des Zivildienstes der außerordentliche Zivildienst ausgerufen. Anfang April 2020 traten rund 3.500 außerordentliche Zivildienstleistende den Dienst an. Davon waren rund 2.000 ehemalige Zivildienstleistende, die sich freiwillig zum außerordentlichen Zivildienst gemeldet hatten, sowie rund 1.500 Männer, die nach Ableistung des regulären Zivildienstes für drei Monate zum außerordentlichen Zivildienst verpflichtet wurden. Im Mai 2020 begannen rund 1.000 weitere Zivildienstleistende, die sich freiwillig gemeldet hatten, den Dienst. Die außerordentlichen Zivildienstleistenden unterstützten vor allem den Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich. Mit 31. Juli 2020 endete der außerordentliche Zivildienst.
2021 Einführung der Teiltauglichkeit ab Jänner 2021.

 

Grafik Allgemeine Entwicklung des Zivildienstes 2000-2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Allgemeine Entwicklung des Zivildienstes 2000–2020

Im Jahr 2020, das von der Covid-19-Pandemie geprägt war, wurden 14.093 ordentliche Zivildienstleistende zugewiesen. Der Rekordbedarf der Einrichtungen, der mit 16.500 so hoch wie nie zuvor in der Geschichte des Zivildienstes war, konnte zu rund 85 % gedeckt werden. Insgesamt gab es rund 1.600 Einrichtungen mit rund 3.000 untergeordneten Einsatzstellen (etwa Bezirksstellen).

Grafik Zivildiensterklärungen 2017-2020 nach Bundesländern - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Zivildiensterklärungen – Vergleich der Jahre 2017–2020 nach Bundesländern

Die Zahl der anerkannten Zivildienstpflichtigen ist von 13.827 (Jahr 2017) auf 11.460 (Jahr 2020) zurückgegangen. Der Grund für den Rückgang ist in den geburtenschwachen Jahrgängen und in der damit verbundenen Verringerung der Anzahl der tauglichen Wehrpflichtigen zu sehen. Gab es im Jahr 2010 noch 39.571 taugliche Wehrpflichtige, waren es im Jahr 2020 nur mehr 23.565, also um rund 40 % weniger als noch im Jahr 2010.

Grafik Zivildiensterklärungen, Bedarf und Zuweisungen 1995-2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Zivildiensterklärungen, Bedarf und Zuweisungen 1995–2020

Die Einrichtungen meldeten 2020 einen Rekordbedarf von 16.500, so hoch wie noch nie in der Geschichte des Zivildienstes. Trotz geburtenschwacher Jahrgänge, der großen Zahl an Untauglichen, der alternativen Freiwilligendienste und dem vorübergehenden Aussetzen der Stellungen infolge des ersten Lockdowns aufgrund der Covid-19-Pandemie konnte der Rekordbedarf zu rund 85 % erfüllt werden.

Grafik Zuweisungen zum Zivildienst 1975-2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Zuweisungen zum Zivildienst 1995–2020

1980 wurden bereits über 3.000 Männer zum Zivildienst zugewiesen. Mit Abschaffung der „Gewissensprüfung“ Anfang der 90er-Jahre stieg die Anzahl der Zivildienstleistenden von 1990 (2.428) bis 1993 auf mehr als das Doppelte (5.450) an. Von 2010 bis 2020 sank die Anzahl der tauglichen Wehrpflichtigen aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge. Gab es im Jahr 2010 noch 39.571 taugliche Wehrpflichtige, waren es im Jahr 2020 nur mehr 23.565, also um rund 40 % weniger als noch im Jahr 2010. Im Jahr 2020 konnten 14.093 ordentliche Zivildienstleistende zugewiesen werden.

Zuweisungen zum ordentlichen Zivildienst nach Dienstleistungssparten 2017–2020

Jährlich leisten rund 14.000 junge Männer den neunmonatigen Dienst ab. Im Jahr 2020 wurden 14.093 ordentliche Zivildienstleistende den Trägerorganisationen zugewiesen. Die meisten Zivildienstleistenden waren im Rettungswesen eingesetzt (40,7 %), gefolgt von der Sozial- und Behindertenhilfe (27,9 %) und der Altenbetreuung (10,8 %). Außerdem leisteten Zivildienstleistende unter anderem in Krankenhäusern, im Katastrophenschutz, in Kindergärten, in der landwirtschaftlichen Betriebshilfe und in Flüchtlingseinrichtungen ihren Dienst für die Gesellschaft. Die größte Trägerorganisation ist das Österreichische Rote Kreuz, gefolgt vom Arbeiter-Samariterbund. Weitere große Träger sind die Lebenshilfe, Caritas, Diakonie, die Johanniter und auch die Feuerwehrverbände. Österreichweit erfolgten im Jahr 2020 die meisten Zuweisungen in Wien (3.327), gefolgt von Oberösterreich (2.639) und Niederösterreich (2.338). Die Zuweisungen der Zivildienstpflichtigen in den Bundesländern und Regionen stellt einen wichtigen Faktor zur Stärkung des ländlichen Raums und zum Ausgleich des Stadt-Land-Gefälles dar.

Grafik Zuweisungen zum ordentlichen Zivildienst nach Dienstleistungsparten 2017-2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen
Grafik Einsatzgebiete der Zivildiener 2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Einsatzgebiete der Zivildiener 2020

Im Jahr 2020 wurden 14.093 ordentliche Zivildienstleistende zugewiesen. Der Einsatz der Zivildienstleistenden kam vor allem jenen Menschen zu Gute, die sich in Notlagen befanden oder auf Hilfe und Unterstützung angewiesen waren. Der größte Teil der Zivildienstleistenden war im Rettungswesen eingesetzt (40,7 %), gefolgt von der Sozial- und Behindertenhilfe (27,9 %) und der Altenbetreuung (10,8 %). Außerdem waren Zivildienstleistende u.a. in Krankenanstalten, im Zivil- und Katastrophenschutz, in der Kinderbetreuung, Flüchtlingsbetreuung, Jugendarbeit, als Schülerlotsen, in der landwirtschaftlichen Betriebshilfe, in inländischen Gedenkstätten und im Bereich Umweltschutz eingesetzt.

Grafik Zuweisungen Zivildienstpflichtiger nach Bundesländern - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Zuweisungen Zivildienstpflichtiger nach Bundesländern 2020

Fast ein Viertel der ordentlichen Zivildienstleistenden wurden 2020 in Wien zugewiesen. Damit lag Wien an der Spitze der Zuweisungsstatistik, gefolgt von Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark.

Anerkannte Zivildienst-Einrichtungen nach Kategorien und Bundesländern 2020

Ende 2020 waren rund 1.600 Zivildienst-Einrichtungen mit rund 3.000 Einsatzstellen anerkannt. In den letzten Jahren sind vor allem Einrichtungen im Bereich der Kinderbetreuung hinzugekommen. Mit der steigenden Zahl der Trägerorganisationen wuchs auch der gemeldete Bedarf an Zivildienstleistenden auf zuletzt 16.500. Trotz dieses Rekordniveaus konnte der Bedarf der Einrichtungen zu rund 85 % gedeckt werden.

Grafik Anzahl der bescheidmäßig anerkannten Zivildienst-Einrichtungen 2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen