Zivildienst in Österreich

Zivildiener und Angestellte eines Rettungsdienstes kümmern sich um einen Kranken auf einer Liege
Foto: ASBÖ / Lipinsky

Rund vierzig Prozent der jungen Österreicher entscheiden sich, anstelle des Grundwehrdienstes Zivildienst zu leisten. Welche Einsatzbereiche es dabei gibt, welche Zahlen zum Zivildienst bekannt sind und wie junge Männer sowie die Gesellschaft vom Zivildienst profitieren, erklärt dieser Artikel.

Allgemeines zum Zivildienst

In Österreich gibt es für männliche österreichische Staatsbürger die Wehrpflicht. Anstelle des Grundwehrdienstes können junge Männer aber auch Zivildienst leisten, wenn sie es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, Waffengewalt gegen Menschen anzuwenden.

Zivildienstleistende werden in Bereichen eingesetzt, die der zivilen Landesverteidigung oder dem allgemeinen Besten dienen. Der Einsatz soll die Zivildienstleistenden ähnlich belasten wie der Wehrdienst die Wehrpflichtigen. Die Tätigkeiten dürfen aber nicht in der Anwendung von Gewalt gegen Menschen bestehen.

Als Wehrersatzdienst kann der Zivildienst nur von männlichen österreichischen Staatsbürgern geleistet werden, die bei der Stellung als tauglich eingestuft worden sind. Wer statt des Wehrdienstes einen Zivildienst leisten möchte, muss rechtzeitig eine Zivildiensterklärung abgeben. Der Zivildienst dauert neun Monate und muss am Stück absolviert werden. Bis zum 35. Geburtstag können Männer zum (ordentlichen) Zivildienst zugewiesen werden.

Statistiken rund um den Zivildienst

Allgemeine Zahlen zum Zivildienst

In den letzten Jahren haben sich rund 40 Prozent der Stellungspflichtigen für den Zivildienst entschieden. Rund 16.000 Männer entschieden sich 2019 übrigens für den Grundwehrdienst und etwa 10.000 junge Männer waren untauglich.

In welchen Bereichen Zivildienstleistende eingesetzt werden

Die Zivildienstleistenden kommen in rund 1.600 Zivildienst-Einrichtungen zum Einsatz (Stand 2019). Der größte Teil von ihnen leistet seinen Dienst für die Gesellschaft im Rettungswesen (rund 40 Prozent), gefolgt von der Sozial- und Behindertenhilfe (30 Prozent) und der Altenbetreuung (10 Prozent). Außerdem werden Zivildienstleistende in der landwirtschaftlichen Betriebshilfe, in Krankenhäusern, im Zivil- und Katastrophenschutz, in der Flüchtlingsbetreuung und in Kindergärten eingesetzt. Insgesamt kann der gemeldete Bedarf an Zivildienstleistenden zu rund 90 Prozent gedeckt werden.

Positive Effekte des Zivildienstes

Wie junge Männer selbst vom Zivildienst profitieren

In Umfragen geben viele junge Männer an, dass ihr Zivildienst eine positive Auswirkung auf ihre Fähigkeiten und Kompetenzen hatte. Besonders häufig geben die Zivildienstleistenden dabei Teamfähigkeit, Selbstmotivation und Belastbarkeit an. Aber auch Verständnis und Einfühlungsvermögen für kranke und ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen werden oft genannt, ebenso wie Kommunikation und Umgang mit benachteiligten Gruppen. Die im Zivildienst erworbenen Fähigkeiten werden ihnen auch in der Ausbildung und im beruflichen Werdegang von Nutzen sein, sind die meisten jungen Männer überzeugt. Einige Zivildienstleistende gaben auch an, sich nun besser in die Gesellschaft integriert und gebraucht zu fühlen.

Zivildienst ist wichtig für die österreichischen Regionen und die ganze Gesellschaft

Dass die jungen Männer durch den Zivildienst bestimmte Fähigkeiten entwickeln, ist aber nicht nur für sie selbst wichtig. Die gesamte Gesellschaft profitiert von den erhöhten Kompetenzen im Sozial- und Gesundheitsbereich und dem gesteigerten Verständnis für benachteiligte Gruppen, denn die jungen Männer engagieren sich auch nach ihrem Zivildienst häufig weiter in ihren Einsatzorganisationen. Alle Regionen in Österreich sind auf den Zivildienst angewiesen, jede Stadt und jedes Dorf braucht Zivildienstleistende.

Mehr Informationen zum Zivildienst

Weil Zivildienst also Regionaldienst ist, fällt er in den Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus. Die Zivildienstserviceagentur (ZISA) wickelt den Zivildienst operativ ab. Informationen und Kontaktadressen gibt es unter www.zivildienst.gv.at.