Wenig Regen im ersten Halbjahr 2021

Trockenrisse im Boden
Foto: BMLRT / R. Godina

Auf die mittlere Niederschlagsumme in den ersten sechs Monaten eines Jahres fehlen 2021 circa 25 Prozent. Die Folge davon sind sinkende Grundwasserstände und geringe Abflüsse in den Gewässern.

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) überprüft laufend nicht nur die Qualität unserer Gewässer, sondern seit 125 Jahren auch die Wassermengen. Gerade in Zeiten des Klimawandels haben diese Messungen eine hohe Bedeutung. Aktuelle Auswertungen der hydrographischen Aufzeichnungen des BMLRT zeigen, dass die Niederschlagssumme im ersten Halbjahr 2021 in fast allen Regionen Österreichs unterdurchschnittlich war. Nur im Jänner und im kühlen Mai wurde der vieljährige Mittelwert erreicht, beziehungsweise überschritten. In allen anderen Monaten fehlte auf den vieljährigen Mittelwert 40 bis 55 Prozent an Niederschlag. Die österreichweit mittlere Niederschlagssumme von Jänner bis Juni beträgt circa 38,6 km³ Wasser. Im heurigen Jahr betrug die Niederschlagssumme im ersten Halbjahr circa 29,9 km³, das heißt, es gibt ein Defizit von circa 9 km³ Wasser in der Wasserbilanz. Das ist immerhin fast zehn Prozent der mittleren österreichischen Jahres-Niederschlagsbilanz.

Mit Ausnahme von Osttirol und Kärnten - wo es im Winter überdurchschnittlich viel Niederschlag gab ‑ blieb die Niederschlagssumme in den ersten sechs Monaten 2021 in ganz Österreich deutlich unter dem vieljährigen Mittelwert. In den vergangenen 60 Jahren war es nur im Trockenjahr 2003 von Jänner bis Juni ähnlich niederschlagsarm wie im Jahr 2021.

Fehlender Niederschlag reduziert den Wasserstand in Flüssen und Seen

Nach einer von Februar bis April andauernden, niederschlagsarmen Periode, brachten niederschlagsreiche Witterungsphasen im Mai endlich den für die Landwirtschaft in der Vegetationsphase so wichtigen Niederschlag. Zwar entsprach in fast allen Regionen die Mai-Niederschlagssumme dem vieljährigen Mittel, es reichte aber nicht um die Wasserbilanz im heurigen Jahr auszugleichen. Auf den feucht-kühlen Mai folgte ein mit Ausnahme des oberösterreichischen Mühlviertels in ganz Österreich trockener und warmer Juni. Auf das Juni-Mittel der Niederschlagssumme fehlen 2021 abermals mehr als 50 Prozent an Niederschlag.

Die Abflüsse der Gewässer nördlich des Alpenhauptkammes, von Salzburg ostwärts bis ins niederösterreichische Weinviertel, in der Südsteiermark und im ganzen Burgenland lagen Anfang Juli 2021 im Niederwasserbereich. Der Abfluss an den größeren Gewässern aus den Alpen und an der Donau profitierte von der im Juni aktivierte Schneeschmelze aus den alpinen Lagen.

Trotzdem blieb die Abflussfracht der Donau bis Wien im ersten Halbjahr 2021 etwas weniger als minus 20 Prozent unter dem Durchschnitt. In absoluten Zahlen betrug die Abflussfracht vom Jänner bis Juni 2021 circa 26,4 km³, bei einem vieljährigen Mittelwert von circa 32,2 km³ in den ersten sechs Monaten eines Jahres.

Der geringe Niederschlag im Osten Österreichs wirkt sich auch auf den Wasserstand des Neusiedler Sees aus. Abgesehen von windbedingten Verschiebungen des Wasservolumens und der dadurch ausgelösten raschen Wasserstandsänderungen am Pegel Neusiedl reduzierten sich die Tagesmittelwerte des Wasserstandes von Anfang bis Ende Juni 2021 von 115,42 auf circa 115,25 m über Adria und lagen Anfang Juli circa 25 cm unter dem vieljährigen Mittelwert. Ausgedrückt in Wasservolumen fehlen zu Sommerbeginn 2021 etwas mehr als 55 Millionen Wasser auf den mittleren Wasserstand des Neusiedler Sees.

Überwiegend niedrige bis sehr niedrige Grundwasserstände

Die Kombination von Schneemangel im Flach- und Hügelland und wenig Niederschlag über längere Zeit wirkt sich selbstverständlich auch auf das Grundwasservolumen aus. Von den 180 Grundwassermessstellen, die in der eHYD-Übersicht (www.ehyd.gv.at) angezeigt werden, befinden sich Anfang Juli 2021 die Hälfte im sehr niedrigen und niedrigen Bereich. Davon betroffen sind die Grundwassergebiete nördlich des Alpenhauptkammes von Vorarlberg bis in den Osten Österreichs, an der Mur im südsteirischen Leibnitz, sowie im gesamten Burgenland. Höhere Grundwasserstände gibt es nur in den Grundwassergebieten in Osttirol und in Kärnten.