Hydrographische Charakteristik des Jahres 2017

Titelfoto des Hydrographischen Jahrbuchs von Österreich 2017
Foto: BMLRT / P. Plappart

Obwohl es im Jänner, April und September kühler als normal war, lag der Jahresmittelwert der Lufttemperatur 0,8 °C über dem Mittelwert. Trotz einer leicht überdurchschnittlichen Jahresniederschlagssumme blieb die österreichweit gemittelte Abflussbilanz unter dem Vergleichswert. Auch die Grundwasserstände lagen in vielen Regionen unter dem Durchschnitt.

Warm, wenig Schnee und etwas mehr Niederschlag als im Mittel des Vergleichszeitraums.

Der Jahresmittelwert der Lufttemperatur 2017 lag um 0,8 °C über jenem der Vergleichsreihe 1981 bis 2010. Im Jahresverlauf waren die Monate Jänner, April und September kühler als zu erwarten gewesen wäre, während die Monate Februar, März und Juni als besonders warm einzustufen waren.

Die Jahresniederschlagshöhe von 1099 mm überschritt den Mittelwert aus 1981 bis 2010 mit acht Prozent nur wenig. Werden die einzelnen Monate betrachtet, waren der April und der September als feucht, hingegen der Mai und der Juni als relativ niederschlagsarm einzustufen. Die Anzahl der Tage mit Niederschlag lag neun Tage  über dem Vergleichswert.

Der Winter 2016/2017 kann als relativ schneearm bezeichnet werden, mit Ausnahme des Jänners, der eine überdurchschnittliche Anzahl an Tagen mit Schneebedeckung und Neuschneesumme aufwies.

An allen zwölf österreichischen Gletschern, an denen die Massenbilanz erhoben wurde, war diese 2016/2017 stark negativ.

Anhaltende Niederwassersituation im Nordosten Österreichs

Bezogen auf das gesamte Bundesgebiet lag das Jahresmittel des Abflusses im Jahr 2017 bei 91 Prozent des langjährigen Mittelwertes der Vergleichsreihe 1981 bis 2010. Der mittlere Jahresabfluss betrug in der Mehrzahl der österreichischen Flussgebiete zwischen 90 und 100 Prozent des langjährigen Vergleichswertes. Einige Fließgewässer am nördlichen Alpenrand, zum Beispiel die Bregenzerach in Kennelbach in Vorarlberg oder die Ybbs in Opponitz in Niederösterreich, wiesen mit 114 beziehungsweise 108 Prozent überdurchschnittliche Verhältnisse auf. Im Gegensatz dazu wurden deutlich unterdurchschnittliche Jahresmittel im Nordosten, im Südosten und Süden Österreichs beobachtet. Besonders gering war der Abfluss im Waldviertel und im Raabgebiet mit nur etwas mehr als der Hälfte des vieljährigen Mittelwertes. Im Waldviertel herrschten damit bereits das vierte Jahr in Folge unterdurchschnittliche Abflussverhältnisse.

Trockenheit, Unwetter und Hochwasser im Sommer.

Im Jahresverlauf wurden zahlreiche lokale und regionale Hochwasserereignisse registriert. Erste Ereignisse gab es bereits Ende Jänner, Anfang Februar, im März und Ende April. Von Mai bis Juli war es oft ausgesprochen heiß und trocken, so dass im Juni und Juli eine ausgeprägte Trockenheit im Nordosten und Südosten Österreichs herrschte. An vielen Fließgewässern kam es zu einem deutlichen Rückgang der Wasserführung. Dieser wurde nur kurzzeitig durch unwetterbedingte Abflussspitzen unterbrochen. Markante Hochwasser- und Starkregenereignisse wurden in den Monaten Juni bis September beobachtet, die Jahreshöchstabflüsse der meisten Fließgewässer wurden in diesen Monaten registriert. Besonders viele Ereignisse mit Hochwasserspitzen seltener Auftrittswahrscheinlichkeit wurden an hydrographischen Messstellen im August dokumentiert. Als Beispiele seien am 6. August die Pegel Pöls/Pölsbach mit HQ50 und Kobenz/Kobenzbach mit HQ70 bis 100 im steirischen Murgebiet und kleine Bäche in Kärnten mit >HQ100 genannt oder am 10./11. August der Pegel Krößbach/Ruetz in Tirol mit HQ30. Einzelne Ereignisse gab es 2017 aber auch im November in Vorarlberg und im Dezember im Süden Kärntens. Starke Niederschläge, die dort zu dieser Jahreszeit nichts Ungewöhnliches sind, führten an der Vellach zu Hochwasserscheiteln von HQ40 in Miklauzhof und HQ120 in Bad Eisenkappel am Ebriachbach.

Wassertemperatur der Oberflächengewässer

Der insgesamt eher warme Winter begann zunächst mit einem sehr kalten Jänner. Daher waren im Jahr 2017 die Minima der Wassertemperaturen bundesweit im Jänner. Im April gab es einen massiven Kaltlufteinbruch, der auch im gesamten Bundesgebiet bei den Wassertemperaturen zu beobachten war. Der Sommer startete schon früh im Mai und so wurden die Jahresmaxima an einigen Stationen bereits im Juni erreicht. Die Mehrheit der beobachteten Pegelstationen erreichte die Jahresmaxima erst im August. Anfang September sanken die Wassertemperaturen stark unter die Monatsmittelwerte, der restliche milde Herbst brachte sie wieder in den Normalbereich.

Quellschüttung an mehr als der Hälfte der Messstellen unter dem Mittelwert.

An der Hälfte der 96 beobachteten Quellen lagen die Schüttungen 2017 unter dem Mittel, an 40 über dem Mittel und an sechs Quellen kann aufgrund zu kurzer Beobachtungsdauer oder Datenausfällen keine Aussage getroffen werden. Die Jahresmaxima traten 2017 an 17 Quellen im Juli, an 15 Messstellen im August und an 24 Messstellen im September. Die Jahresminima wurden an zwei Dritteln der beobachteten Quellen in den Monaten Jänner bis März verzeichnet.

Grundwasser in vielen Regionen unter dem langjährigen Durchschnitt.

Die Jahresmittelwerte 2017 der Grundwasserstände lagen zum überwiegenden Teil im langjährigen Durchschnitt oder darunter. Teilweise lagen die Werte auch unter dem bisher niedrigsten Jahresmittel, besonders im Norden und Osten des Bundesgebietes sowie in Osttirol und im Westen Kärntens. Es gab aber auch über ganz Österreich verteilt Gebiete, in denen der mittlere Grundwasserstand 2017 über dem langjährigen Mittel lag.

Außer in Bereichen des Oberen Drautals, des Krappfelds und des Rosentals lag das Jahresmittel der Grundwassertemperatur 2017 zum größten Teil über dem Mittel, vielfach auch über dem bisherigen Maximum.

Weitere Informationen zur hydrographischen Charakteristik des Jahres 2017 finden sie im Hydrographischen Jahrbuch von Österreich 2017.

Downloads

Weiterführende Informationen