Die Wasserbilanz im Jahr 2020

Eindrücke der hydrographischen Besonderheiten im Jahr 2020
Foto: BMLRT / Abteilung I/3 - Wasserhaushalt

Bis auf den relativ kühlen Mai, zeigen alle Monate des Jahres 2020 eine positive Anomalie der Lufttemperatur. Damit bestätigt sich einmal mehr der durch den Klimawandel verursachte Trend zu immer höheren Temperaturen. Die österreichweite Jahresniederschlagssumme liegt etwas über dem Erwartungswert, die Abflussfracht der Donau hingegen, erreichte mit 90 Prozent den vieljährigen Mittelwert nicht.

Der Trend zu höheren Lufttemperaturen setzt sich fort.

Obwohl im heurigen Sommer längere Hitzeperioden ausblieben, liegt der Mittelwert der Lufttemperatur 2020 circa + 1,3 °C über dem Vergleichswert der Periode 1981‑2010. Alle Monate ­ mit Ausnahme im Mai – erreichten überdurchschnittliche Temperaturen. Die höchste Abweichung hatte der Februar, mit + 4 °C über dem Mittelwert war es fast schon frühlingshaft warm.

Wenig Schnee im Osten und ein trockener Frühling.

Im Winter 2019/2020 bildete sich im östlichen und südlichen Flach- und Hügelland keine Schneedecke. Nach dem trockenen Jänner brachten anhaltende Tiefdruckgebiete, die vom Atlantik nach Mitteleuropa zogen, im Februar feuchte und milde Luft nach Österreich. Im Westen und nördlich des Alpenhauptkammes gab es viel Regen, trocken und schneearm blieb es im Süden und Osten. Wenig Regen dann auch im März und April 2020. Auf Grund der anhaltenden Trockenheit summierte sich österreichweit in den ersten vier Monate des Jahres ein Niederschlagsdefizit von circa einem Drittel bezogen auf den Normalwert. Vielen landwirtschaftlichen Kulturen fehlte die für das Anwachsen notwendige Bodenfeuchte. Vor allem im Osten Österreichs musste bereits im Frühjahr bewässert werden um Ernteschäden zu verhindern. Lokale Wasserversorger meldeten rückgängige Quellschüttungen und geringe Grundwasserstände. Erst im letzten Mai-Drittel stellte sich die die Wetterlage um, unbeständige Wetterlagen mit kühlen Luftmassen aus Nordwest beendeten die extreme Trockenheit der Vormonate.

Ein Sommer ohne Hitzeperioden, aber mit vielen lokalen Unwettern.

Tiefdruckgebieten über Mitteleuropa im Juni und Juli brachten durchschnittlich viel Niederschlag aber auch viele lokale Unwetter. Der August war um einiges wärmer als im vieljährigen Mittel, aber vor allem am Monatsbeginn und am Ende unbeständig und sehr nass. Feuchter war es in den vergangenen zwanzig Jahren nur im Hochwasserjahr 2002.

Spätsommer im September und ein goldener Herbst erst im November.

Der September hatte zwei Gesichter. An vielen Tagen war es spätsommerlich warm. Nur in den letzten Tagen kühlte es massiv ab und es gab den ersten Schnee bis in die Täler. Wenige Tage mit ausgesprochenem Wanderwetter bot der Oktober, er war der niederschlagsreichste seit 17 Jahren. Vor allem in den Bergen war es relativ kühl, im Osten hingegen um 0,5 bis 1,5 °C wärmer als im Mittel. Auf den niederschlagsreichen Oktober folgte ein warmer und in allen Regionen zu trockener November.

Enorm viel Schnee im Südwesten zum Winterbeginn 2020/2021

Anfang Dezember verursachte eine markante Tiefdruckentwicklung über dem Mittelmeerraum, eine starke Anströmung von feuchter Luft an die Alpensüdseite. Während es im nördlich des Alpenhauptkammes bis in den Nordosten Österreichs relativ trocken blieb, summierten sich in den ersten neun Tagen des Monats in Osttirol und Oberkärnten enorme Regen- und Schneemengen. Viele Wetterstationen verzeichneten neue Dezemberrekorde. In Osttirol wurde der Vergleichswert an den Messstellen um das 5 bis 8fache überschritten.

Die Anomalien der Niederschlagssummen in den Monaten des Jahres waren sehr unterschiedlich. Der Jänner und die Frühlingsmonate gestalteten sich auffallend niederschlagsarm. Überdurchschnittlich viel Niederschlag gab es im Sommer, vor allem im Juni und August. Auf dem ausgesprochen feuchten Oktober folgte ein niederschlagsarmer November. In keinem November der Referenzperiode 1981-2010 regnete es weniger als im November 2020.

Die österreichweit gerechnete Jahresniederschlagssumme 2020 entspricht - mit einer Anomalie von +5% über dem vieljährigen Mittelwert - einem mittleren Jahreswert. Regional betrachtet war es mit +20 % in Osttirol und +10% in Wien, am feuchtesten, in allen übrigen Gebieten entsprach die Jahressumme mit Abweichungen von weniger als +/-10 % dem vieljährigen Vergleichswert.

Die Wasserbilanz 2020 unserer Gewässer.

Die Abflusssituation an den Gewässern im Winter zeigte nur im Westen am Rhein, am Inn und an der Salzach, sowie an der Mur im mittleren Verhältnisse. Die größeren Gewässer in Kärnten profitierten noch von den Niederschlägen im November des Vorjahres. Im frühlingshaften Februar gab es nur höhere Abflüsse im Westen und Norden, im Südosten hingegen kommen Gewässer sehr früh im Jahr in eine Niederwassersituation. Auch die Schneeschmelze in den alpinen Lagen war wenig ausgeprägt und hielt die Abflüsse im Westen zu Beginn des trockenen Frühlings maximal auf mittlerem Niveau.

Anhaltende Niederwassersituation und Sorge um den Neusiedler See.

Grund zur Sorge bereitete die anhaltende, hydrologische Trockenheit in den Gebieten im Norden, Süden und Osten Österreichs. Starke Auswirkungen hat der fehlende Niederschlag im Frühjahr 2020 auf den Wasserstand des Neusiedler See, hier wurden Ende Mai die niedersten seit 1966 aufgezeichneten Wasserstände um 10 bis 25 cm unterschritten. Erst der niederschlagsreiche Oktober minderte die Sorge vor einer großen Trockenheit und weiter fallenden Wasserstände am Neusiedler See.

Mit Starkregen, Hagel und Sturm beginnt der Sommer 2020.

Tiefdruckgebiete über Mitteleuropa brachten im Sommer immer wieder feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum vorwiegend in den Nordosten Österreichs. Lokal jedoch bildeten sich viele Starkregenereignisse mit Überschwemmungen in Siedlungsgebieten und Bodenerosion an landwirtschaftlichen Kulturen. Am häufigsten waren davon das niederösterreichische Wein- und Industrieviertel, aber auch Bezirke in Tirol, in Salzburg, in der Steiermark und im oberen Drautal in Kärnten betroffen.

Seit langem wieder höhere Wasserstände im Osten und ein Hochwasser an der March.

Die Abflussbilanz an den Gewässern Österreichs erreichte im Oktober 2020 durchwegs überdurchschnittliche Oktober-Monatssummen. Gewichtet nach Einzugsgebieten lag die auf die Fläche Österreichs bezogene Abflussfracht im Oktober um annähernd +50 % über dem vieljährigen Mittelwert. An der österreichischen Grenzstrecke der March ereignete sich ein Hochwasser mit einer Auftrittswahrscheinlichkeit von einmal in 10 Jahren.

Die österreichweit gemittelte Abflussbilanz 2020 blieb circa – 5 Prozent unter dem Mittelwert der Vergleichsperiode 1981‑2010. Die Abflussfracht an der österreichischen Donau hingegen zeigt ein Defizit von etwas über -10 Prozent, was einem Wasservolumen von -7,2 km³ entspricht. Vor allem im Herbst und Dezember 2020 gab es ‑ hervorgerufen durch die Anströmung feuchter Luft aus dem Mittelmeerraum ‑ wesentlich mehr Niederschlag im Südwesten des Alpenhauptkammes.

Die Grundwasserspeicher im Jahr 2020

Die Grundwassersituation 2020 ist vor allem durch den niederschlagsarmen Frühling geprägt. In den meisten Grundwasserkörpern nördlich der Alpen von Oberösterreich nach Osten und im Südosten Österreichs wurden ab März 2020 unterdurchschnittliche Grundwasserstände gemessen. Erst nach den Niederschlägen im August und Oktober entspannte sich die Situation und Grundwasserkörper begannen sich zu füllen. Am größten waren die Defizite im Grundwasservolumen ab April bis Juni im Bereich der Welser Heide und im südlichen Linzer Feld. Im südlichen Wiener Becken und im Seewinkel blieben die Grundwasserstände unter dem Erwartungswert.