Hochwasser im September 2014, nicht außergewöhnlich, aber mit großer Auswirkung auf die Ernte

Hochwasser an der Raab im September 2014 - Ernteschäden
Foto: BMLRT / Reinhold Godina

Für die Ernte von Kürbis, Mais und Wein zum ungünstigsten Zeitpunkt brachte ein Adriatief viel Niederschlag im Süden und Osten Österreichs.

Ein Adriatief entsteht und führt zu einer Hochwassersituation

Ein Tiefdruckgebiet über Südschweden steuert am 10. September 2014 eine Kaltfront in den Süden bis an die Alpen. Der Durchgang dieser Kaltfront brachte vereinzelt Gewitter mit lokal starkem Niederschlag. Diese Niederschlagsfront wurde zunächst  von einem Hoch in Nordosteuropa geblockt, blieb relativ stationär, allerdings mit weniger Niederschlag als vorhergesagt. In weiterer Folge verlagerte sich am Donnerstag und Freitag (11. und 12. September 2014) ein Höhentief von Osteuropa zu den Alpen und sorgte in Kombination mit einem Adriatief für einen feuchten Witterungsabschnitt.

Diese meteorologische Situation beeinflusste bis zum Wochenende (13. und 14. September 2014) das Wettergeschehen und brachte vor allem im Süden und Südosten Österreichs starke Niederschläge, die am 13. und 14. September eine Hochwassersituation in Kärnten (Lavant, Glan, Gurk und Vellach), in der West- und Südoststeiermark (Sulm, untere Mur, Raab), im südlichen Burgenland zur Folge hatten. In Niederösterreich waren einige Gewässern im Weinviertel (Zaya, Thaya, Pulkau) und im Industrieviertel betroffen.

Ein niederschlagsreicher Sommer und hohe Seewasserstände

Am Sonntag, dem 14. September 2014 entspannte sich die Lage in den Hochwassergebieten in der Steiermark und im südlichen Burgenland. Die schon im August 2014 im nördlichen Burgenland gefallenen Niederschläge führten zu einem deutlich überdurchschnittlichen Wasserstand am Neusiedler See und zu einem weiteren Anstieg der ohnehin schon hohen Grundwasserständen im Seewinkel. Derzeit befindet sich der Wasserstand des Neusiedler Sees auf einem für die Jahreszeit extrem hohen Niveau (siehe dazu Bild 2 der Bildergalerie). Angespannt bleibt die Situation im Seewinkel - nördliches Burgenland – wo das Wasser auf Grund der hohen Grundwasserstände nur langsam versickern kann und die Lacken und kleinen Seen bereits gefüllt sind.

Dauerregen in Kombination mit konvektiven Gewitterzellen

Von Südosten kommend breiteten sich die Niederschläge von Unterkärnten über die West-und Oststeiermark, bis nach Niederösterreich und in das nordöstliche Burgenland aus. Flächendeckend fielen vom 11. bis 14. September in diesen Gebieten circa 40 bis 100 mm Niederschlag. Die größten 3-Tagessummen wurden mit circa 150 mm im Bereich östliche Karawanken, Koralm und Weststeiermark beobachtet (siehe Bild 3 der Bildergalerie). Im Seewinkel des Burgenlandes wurden mit circa 120 mm ebenfalls große Niederschlagssummen registriert, die – zeitlich etwas versetzt – hauptsächlich im Verlauf des 13. September fielen.

Die Hochwassersituation, hydrologisch betrachtet.

In Kärnten war das Einzugsgebiet der Lavant am stärksten betroffen. Dort wurden am 13. September durchwegs Abflüsse der Jährlichkeit HQ5 überschritten, während im gleichen Zeitraum an der Gurk, Glan und Vellach Abflüsse der Jährlichkeit HQ1-5 erreicht wurden. Ebenfalls auf hohem Niveau (HW1-5) befinden sich die Wasserstände der Kärntner Seen, die auch ohne Niederschläge noch einige Zeit hoch bleiben werden.

In der Weststeiermark fielen vom 11. bis 13. September bis über 100 mm Niederschlag, wobei der Donnerstag und der Samstag die beiden niederschlagreichsten Tage waren. Die Gewässer der Weststeiermark führten Abflüsse der Jährlichkeit HQ1-10.

In Leibnitz/Sulm und in weiterer Folge an der unteren Mur stiegen die Abflüsse dann auf Jährlichkeiten HQ5-10 an, obwohl die Mur (siehe Bild 4) oberhalb der weststeirischen Zuflüsse lediglich Abflüsse der Jährlichkeit HQ1 führte.

Die hohe Vorbefeuchtung bringt flächigen Abfluss und eine rasche Abflussreaktion, vor allem an kleinen Gewässern.

Im Einzugsgebiet der Raab wurden zwar keine außerordentlich hohen Niederschlagssummen beobachtet. Allerdings entwickelte sich in der Nacht vom Freitag, dem 12. September auf Samstag eine großflächige Gewitterzelle, die von der Oststeiermark bis nach Jennersdorf im Burgenland reichte und für zwei bis drei Stunden hohe Niederschlagsintensitäten verursachte. Daraufhin stieg der Durchfluss an der mittleren Raab (Takern und Felbach) in der Nacht auf Samstag sehr steil an und erreichte Jährlichkeiten von HQ1-5, weiter unterhalb in Neumarkt/Raab sogar HQ5-10 (siehe Bild 5).

Im südlichen und mittleren Burgenland wurden am 13. September an vielen Messstellen der Pinka, Lafnitz, Strem Abflüsse der Jährlichkeit HQ1 überschritten. Anschließend verlagerte sich der Schwerpunkt des Hochwassergeschehens in das nördliche Burgenland. Am 14. September wurden an der Wulka Abflüsse der Jährlichkeit HQ5 beobachtet. Der Neusiedler See erreichte mit 115,84 m ü. Adria ein Niveau, welches in den vergangenen 40 Jahren in dieser Jahreszeit noch nie überschritten wurde.

In Niederösterreich wurden an einigen Messstellen im Wein- und Industrieviertel ab dem 13. September und zum Beispiel an der Pitten nochmals am 15. September Durchflüsse die Jährlichkeit HQ1 überschritten. An der Leitha steigen die Durchflüsse am 15. September noch an, werden aber voraussichtlich im Bereich HQ1-5 bleiben.

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