Waldbrandjahr 2020 - Jahresbericht über Waldbrände in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika

Technischer Report 2020
Foto: Europäische Union

Das Joint Research Center der Europäischen Kommission hat die 21. Ausgabe ihres Jahresberichts über Waldbrände in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika für das Jahr 2020 vorgelegt. Darin enthalten ist auch ein Beitrag zur Waldbrandsaison 2020 in Österreich.

Nach dem bisher schlimmsten Jahr 2019 war 2020 ein weiteres Jahr, in dem Vegetationsbrände große Flächen in Europa verbrannten. Trotz der erhöhten Bereitschaft in den EU-Ländern waren 2020 in der EU rund 340.000 Hektar (ha) von Vegetationsfeuern betroffen - eine Fläche fast so groß wie das Burgenland.

Auch der Klimawandel macht sich jedes Jahr stärker bemerkbar. Ein deutlich zu beobachtender, zunehmender Trend zeigt eine höhere Brandgefahr, längere Brandsaisons und intensive, sich schnell ausbreitende "Megabrände", gegen die herkömmliche Brandbekämpfungsmittel wenig ausrichten können. Die Brände betreffen nicht mehr nur die südlichen Staaten, sondern stellen auch für Mittel- und Nordeuropa eine wachsende Bedrohung dar. Mehr als neun von zehn Bränden in der EU werden durch menschliches Handeln verursacht. Daher sind die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und Aufklärungskampagnen über die Brandgefahr der Schlüssel zur Verhütung von Katastrophen.

Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts

  • Der Bericht 2020 zeigt, dass Rumänien das am stärksten betroffene Land war, gefolgt von Portugal, Spanien und Italien, wie aus den nationalen Berichten hervorgeht;
  • Waldbrände haben Europas Natura-2000-Schutzgebiete stark in Mitleidenschaft gezogen: 136.331 ha - etwa 40 % der gesamten verbrannten Fläche im Jahr 2020 - sind etwas weniger als 2019, liegen aber über dem Durchschnitt der letzten 9 Jahre;
  • Wie im Jahr 2019 entfiel leider wieder fast die Hälfte der verbrannten Fläche in Natura 2000-Gebieten auf Rumänien, vor allem im Naturpark Donaudelta;
  • Im Jahr 2020 waren 20 EU-Mitgliedstaaten von Bränden mit einer Größe von mehr als 30 ha betroffen, wobei insgesamt 339.489 ha verbrannten, was leicht über der im Jahr 2019 verzeichneten Fläche liegt;
  • Auch in der Brandsaison 2020 kamen mehr Menschen ums Leben als 2019: Die nationale Berichterstattung aus Spanien verzeichnete sechs Todesopfer, darunter vier Feuerwehrleute;
  • Im Jahr 2020 wurde die Schnellkartierung des Copernicus-Notfallmanagementdienstes 17 Mal für die detaillierte Kartierung von Waldbränden aktiviert.
  • Das EU-Katastrophenschutzmechanismus wurde 2019 über rescEU mit einer Flotte von Löschflugzeugen aufgerüstet, wodurch seine Kapazität zur Unterstützung der Länder in dieser Brandsaison gestärkt wurde.

Die Waldbrandsaison 2020 war durch eine große Anzahl von Waldbränden in der ersten Jahreshälfte gekennzeichnet. Im Winter brannten Brände im Donaudelta und in den Pyrenäen, im Frühjahr vor allem in der Balkanregion. Im Sommer und Herbst waren vor allem die Mittelmeerländer, insbesondere Spanien und Portugal, betroffen, die im Jahr 2020 die meisten Brände in der EU verzeichneten. Die größten Waldbrände des Jahres ereigneten sich außerhalb der EU, in der Ukraine in der Nähe des verschütteten Kernreaktors von Tschernobyl.

European Forest Fire Information System EFFIS

Das Joint Research Center leistet mit der Entwicklung und dem Betrieb des European Forest Fire Information System EFFIS einen wichtigen Beitrag zur Verringerung des Risikos von Waldbränden in Europa und weltweit. EFFIS unterstützt die Mitgliedsländer bei der Überwachung von meteorologischen Parametern und Umweltbedingungen, die zu Waldbränden führen können. Das GIS-implementiere System prognostiziert die Brandgefahr bis zu 10 Tage im Voraus und überwacht aktive Brände durch Satellitenbilder.

Beitrag aus Österreich

Die Voraussetzung für akkurate Waldbrandanalysen und Bewertungen ist eine vollständige Erfassung aller bisherigen Brände. Österreich meldet jährlich die Zahlen der Waldbranddatenbank, welche von der Universität für Bodenkultur betrieben wird, an die Europäische Kommission. In Zukunft ist die Einrichtung eines Ereigniskatastermoduls zur automatisierten Erfassung von Waldbrandereignissen geplant, das die Datenakquise für die BOKU-Datenbank unterstützt.

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