Oktober 2021: Größter Waldbrand des Jahres in Österreich in Hirschwang an der Rax

Größter Waldbrand des Jahres in Österreich in Hirschwang an der Rax
Foto: BMLRT / Dragan TATIC

Am 25. Oktober 2021 vormittags entzündete sich der Schutzwald am nordseitigen Eingang zum Höllental an der Rax in Niederösterreich. Mit enormem Aufwand wird versucht der Ausbreitung der Flammen Einhalt zu gebieten. Die vorherrschenden Witterungsverhältnisse mit drehenden Winden und das steile Gelände stellen die Einsatzkräfte vor besonders große Herausforderungen.

Waldbrände in Österreich

In der Österreich stellen Waldbrände bis dato keine große Gefahr für Menschenleben und Infrastruktur dar. Die Anzahl der Brandereignisse pro Jahr in Österreich schwankt zwischen 100 und 300. Waldbrände verbrennen in Österreich typischerweise Flächen bis zu 1 Hektar - größere Brände in Österreich sind derzeit noch selten. Die häufigste Brandursache ist auf menschliches Handeln zurückzuführen – in Österreich werden nämlich ca. 85% der Waldbrände durch den Menschen ausgelöst. 

In 2020 gab es 234 Waldbrände in Österreich mit einer gesamten Brandfläche von 61 Hektar. 45 Brände davon in Niederösterreich mit einer gesamten Brandfläche von 48 Hektar. 

Durch den Klimawandel und mehr Besucherinnen/ Besucher, die den Wald in ihrer Freizeit aufsuchen, wird die Waldbrandgefahr in naher Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit zunehmen.

Waldbrand in Neunkirchen

Die Gemeinde Reichenau an der Rax war in den Jahren 2016 und 2019 schon von Waldbränden betroffen. Damals konnte durch rasches Eingreifen der lokalen Feuerwehren eine größere Ausbreitung der Brandherde verhindert werden.

Aufgrund der trockenen Verhältnisse in der Region und dem starken Einfluss des Windes hat sich der derzeitige Waldbrand trotz des schlagkräftigen Angriffes der Einsatzkräfte unkontrolliert ausgebreitet. Der im Jahr 2020 gegründete Sonderdienst „Flur- und Waldbrandbekämpfung“ des Landesfeuerwehrverbandes Niederösterreich ist mit zahlreichen extra geschulten Einsatzkräften am Einsatzort und bekämpft die Flammen mit Spezialwerkzeugen. Unterstützt werden die Bodentruppen von mehreren Hubschraubern des österreichischen Bundesheeres und des Innenministeriums.

Schutzwald betroffen

Auf der betroffenen Fläche befindet sich gemäß des Waldentwicklungsplanes (WEP) zum Großteil Wald mit der Leitfunktion "Schutzfunktion". Durch Waldbrände wird die Schutzfunktion des Waldes verringert, die Anfälligkeit für andere Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag und Muren erhöht und es entstehen hohe Kosten für die Wiederbewaldung. Aus Erfahrungen bei den Ereignissen 2014 in Absam (Tirol) und 2018 in Hallstatt (Oberösterreich) ist vorherzusehen, dass aufgrund des enormen Ausmaßes des Waldbrandes auch in Hirschwang/Rax mit erheblichen Sekundärschäden (z.B.: Käfer) zu rechnen sein wird.

An diesem ausgeprägten, schwer begehbaren Schutzwaldstandort in Hirschwang an der Rax kann das BMLRT nach Maßgabe der technischen Möglichkeiten mit der Ausarbeitung eines Flächenwirtschaftlichen Projektes (FWP) durch die Wildbach- und Lawinenverbauung die Wiederherstellung nach dem Waldbrand unterstützen. In ein derartiges Projekt könnte der Bund mit der Übernahme von bis zu 60 % der Gesamtkosten investieren.

Vorbeugende Maßnahmen 

Um sich auf die steigende Bedrohung durch Waldbrände vorzubereiten, hat das BMLRT sich zum Ziel gesetzt ein integriertes Waldbrandmanagement in Österreich zu etablieren. Dazu wird eine Strategie zur Minimierung von Gefährdungen aus Waldbränden - das "Aktionsprogramm Waldbrand - Brennpunkt Wald" -  erarbeitet, die nationale Risikoanalyse weiterentwickelt und Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch auf nationaler und internationaler Ebene vorangetrieben.

Eine wichtige Schlüsselkomponente dazu ist die Sensibilisierung und Risikokommunikation rund um das Thema Waldbrand. Zur Umsetzung dieser Maßnahmen stehen unter anderem 9 Millionen Euro aus dem Waldfonds zur Verfügung. 

Die Ziele der Maßnahme 6 im Waldfonds sind:

  • Vorbeugung von Waldbränden durch Präventionsmaßnahmen, Reduktion von Kosten der Waldbrandbekämpfung.
  • Vorbeugung von Folgerisiken durch Erosion, Lawinen, Hochwasser, Steinschlag und Schädlingskalamitäten.
  • Generelle Vorsorge für ein klimabedingt steigendes Waldbrandrisiko im Alpenraum.
  • Schutz des Siedlungs- und Wirtschaftsraums gegen das Übergreifen von Waldbränden