CLISP

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Foto: CLISP

Durch den Klimawandel wächst vor allem im Alpenraum das Risiko von Naturgefahren. Raumplanung kommt daher eine immer bedeutendere Rolle zu.

CLISP – Climate Change Adaptation by Spatial Planning in the Alpine Space.

Neue Partnerschaft im Alpenraum

Im Rahmen des INTERREG IVB - Alpine Space Programmes wurde von Juni 2008 bis September 2011 dieses Projekt mit 14 Partnern durchgeführt.

Österreichische Projektpartner waren neben dem Leadpartner Umweltbundesamt, das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW), Forstsektion, Abt. IV / 4 bzw. das BFW (Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft) sowie die  Raumplanungsabteilungen der Bundesländer Steiermark, Salzburg und Oberösterreich. Weitere Partner waren Abteilungen von raumplanungsrelevanten Ministerien bzw. Institutionen aus Deutschland, Italien, Slowenien, Schweiz und Liechtenstein.

Klimawandel im Alpenraum

Durch den Klimawandel wächst vor allem im Alpenraum das Risiko von Naturgefahren. Siedlungen, infrastrukturelle Einrichtungen und Menschen werden dadurch bedroht und die Interessenskonflikte zwischen Schutzmaßnahmen und Landnutzungen nehmen zu. Die Raumplanung wird in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle einnehmen.

Einen Überblick über die Problematik zeigt das CLISP_Projekt-Video.
 

Der Fokus von CLISP lag somit auf den raumplanerischen Herausforderungen im Zuge des Klimawandels. Die Ergebnisse aus CLISP sollen zur nachhaltigen Anpassung an den Klimawandel beitragen, wobei die Entwicklung von klimabeständigen Lösungen für die Raumplanung im Vordergrund stand. Das BMLFUW, Sektion Forst (Abt. IV/4) war für das Arbeitspaket 6 - Risikokommunikation und -steuerung („Risk Governance und Risk Communication“) zuständig und hat das BFW mit der Durchführung der Aufgaben beauftragt.


Anhand dieses Projektes wurden im Arbeitspaket 4 – Vulnerabilitätsprüfung („Vulnerability Assessment“)  regionale „Schwachstellen“ der räumlichen Entwicklung gegenüber dem Klimawandel anhand von Modellregionen beurteilt. Als Beitrag zu einer nachhaltigen, an den Klimawandel angepassten („climate proof“) und belastbaren räumlichen Entwicklung im Alpenraum wurden vordringliche Adaptionserfordernisse im Bereich der Raumplanung untersucht und allgemeine Raumplanungsstrategien für die praktische Umsetzung herausgearbeitet. Schwerpunkt dieses Projektes war auch der transnationale, nationale und regionale Wissensaustausch und die Koordination zwischen den einzelnen Fachdisziplinen und der Öffentlichkeit.

Projektziele

Ziele dieser Arbeit waren einerseits das Bewusstsein und die Sensibilität aller politischen Entscheidungsträger, Planungs- und anderen Behörden sowie der Öffentlichkeit im alpinen Raum gegenüber dieser Thematik zu stärken, andererseits Ergebnisse und Erfahrungen an den gesamten alpinen Raum sowie an alle Europäische Gebirgsregionen weiterzuleiten.

Ergebnisse des Arbeitspaketes 5 (WP 5)

Arbeitspaket 5 (Workpackage 5) – geleitet durch das Bundesamt für Raumentwicklung ARE in der Schweiz

„Klimawandelfitness“ der derzeitigen Raumplanung („Spatial Planning Fitness“)


Im Zuge eines Partnertreffens in Ljubljana im März 2010 wurden erste Ergebnisse aus einer Umfrage über die Tauglichkeit der vorhandenen Raumplanungssysteme im Alpenraum im Hinblick auf den Klimawandel - „climate change fitness“ - präsentiert.

Die Studie zeigt verschiedene Stärken und Schwächen, Potentiale und Lücken, die Ausgangspunkte für verbesserte Raumplanungssysteme darstellen können, auf. Innerhalb des politischen Rahmens kann festgestellt werden, dass Adaptionen im Hinblick auf den Klimawandel hauptsächlich dann vorgenommen werden, wenn diese explizit in nationalen Klimaaktionsplänen (in der Schweiz, in Slowenien und Österreich in Vorbereitung, in Deutschland bereits gesetzlich verankert) aufscheinen.

Auf subnationaler Ebene gibt es nur wenige Beispiele, wo die Raumplanung als Adaptionsinstrument betrachtet wird: Klimaprogramm Bayern 2020, Raumentwicklungsprogramm in Bozen und die übersektorale Arbeitsgruppe „Klimaschutz“ im Land Salzburg, die derzeit an einer regionalen Adaptionsstrategie arbeitet.

Auf sektoraler Ebene sind die nationale und regionale Adaptionsstrategie  in Slowenien im Bereich Land- und Forstwirtschaft und das Österreichische Forstprogramm 2005 erwähnenswert.

Die größten Probleme werden in den mangelnden politischen Zielen auf EU und nationaler Ebene und in der fehlenden Bereitschaft, vorhandene Planungssysteme zu adaptieren, gesehen. Der gesetzliche und instrumentelle Rahmen zeigt, dass nur sehr wenige die Themen Klimawandel und Adaptionen beinhalten, und wenn doch, dann auch nur ohne gesetzliche Bindung.

Klimaadaptionsstrategien erfolgreich einsetzen

Für eine erfolgreiche Implementierung von Adaptionsmaßnahmen wird ein erhöhtes Bewusstsein und Kooperationen innerhalb der Raum- und sektoralen Planung als notwendig erachtet.  Außerdem sollte das Potential der informellen Instrumente mehr Beachtung in der Umsetzung finden. Ein weiteres Problem stellt die mangelnde Wissensbasis, verstärkt durch Unsicherheiten über die tatsächlichen Auswirkungen des Klimawandels (v.a. auf regionaler Ebene), dar und die fehlenden Human- und Finanzressourcen.

Ein spezieller Schwerpunkt für Verbesserungsvorschläge von Seiten des CLISP-Projektes wird in der Etablierung und Integrierung von Adaptionsmaßnahmen in vorhandenen sektorübergreifenden Planungsinstrumenten und -strukturen (z.B. Strategische Umweltprüfung)  liegen.

Für Raumplaner wurde ein Leitfaden entwickelt, der die Sensibilisierung der Raumplanung gegenüber des Klimawandels, die „climate change fitness“ und die Ausarbeitung von nationalen und regionalen Adaptionsstrategien forcieren soll. Darin werden auch positive Beispiele von klimawandel-angepasster („climate-proof“) Raumplanung im Alpenraum aufgezeigt.

Ergebnisse des Arbeitspaketes 6 (WP 6)
 

Arbeitspaket 6 (Workpackage 6)  – geleitet durch die Abt. IV/4  der Forstsektion des BMLFUWs: Risikokommunikation und -steuerung („Risk Communication & Governance“).

Die Folgen des Klimawandels betreffen eine Vielzahl von Sektoren auf allen Planungsebenen und somit bedarf es integraler Risikomanagementstrategien, um eine effektive Steuerung zu gewährleisten. Der Raumplanung wird auf dem Gebiet der Klimaanpassung oft eine Schlüsselrolle zugewiesen. In den letzten Jahren wurden Governance Konzepte in verschiedenen politischen Bereichen eingeführt und die Prinzipien sollen auch im Bereich des Risk Governance verfolgt werden.

Das umfassende Konzept des Risk Governance inkludiert die Risikobewertung, das Risikomanagement und die Risikokommunikation, wobei alle Akteure (vom Politiker bis zum Entscheidungsträger vor Ort) und Fachplanungen, welche von dem spezifischen Risiko betroffen sind, in den Prozess mit eingebunden werden sollen.

Um ein erfolgreiches Risk Governance zu installieren, müssen die bestehenden Risikomanagementsysteme bekannt sein, um dann, durch den Klimawandel erforderte, verbesserte risikobezogene Entscheidungsprozesse in der Raumplanung einzuführen.

In WP 6 wurden existierende Risikomanagement Strukturen in den Modellregionen erfasst sowie das Bewusstsein für klimarelevante Fragestellungen durch Dialoge mit regionalen und lokalen Betroffenen (Entscheidungsträgern, Bevölkerung etc.) gestärkt. Basierend auf den Resultaten wurde ein „Leitfaden zur Risikosteuerung in der Raumplanung“ (“Guidance Paper for Risk Governance in Spatial Planning”) ausgearbeitet.

Die Arbeit in den Modellregionen hat gezeigt, dass das Wissen über Folgen des Klimawandels lokal teils sehr gering ist und die Verbindung zur Raumplanung nur von Experten erkannt wird. Generell wird der Übergang von einer reinen Gefahrenabwehr zur Durchführung von nachhaltigen Anpassungsstrategien als wichtige Aufgabe gesehen. Hierbei könnte die Raumplanung ihrer wichtigen Rolle gerecht werden, da dort viele Informationsströme verschiedener Fachplanungen zusammenlaufen.

Als ein Ergebnis des Projektes CLISP wird die Forderung erhoben, keine neuen Planungsinstrumente zu schaffen, sondern Aspekte des Klimawandels in bestehende Entscheidungsprozesse zu integrieren. Hierbei ist die intersektorale Zusammenarbeit von hoher Bedeutung. Partizipation ist als eines der  „Good Risk Governance“-Prinzipien ein wichtiges Element und sollte in Zukunft verstärkt gefördert werden.

Zwischen den Akteuren muss eine bessere Kommunikation sowohl von möglichen Anpassungs- als auch Vermeidungsstrategien erfolgen, als dies heute der Fall ist. Es werden klare Vorgaben von den Fachplanungen gefordert, welche dann in die Raumplanung integriert werden können. Dieses bedarf einer guten Zusammenarbeit zwischen Raumplanung und Fachplanungen sowie Fachplanungen untereinander. Zusätzlich muss die Bewusstseinsbildung auf Ebene der Entscheidungsträger stärker fokussiert werden.

Um die Entscheidungen hinsichtlich der Bewertung von Risiken auf lokaler Ebene zu unterstützen wurde mit dem „Fitness-Konzept der derzeitigen Steuerung hinsichtlich des Klimawandels in Berggebieten“ („CCmountain Fitness Guidance Tool“) ein Instrument entwickelt, welches eine objektive Beurteilung des lokalen Risikos zulässt. Darüber hinaus wurde ein Kommunikationstool (CDT – „Communication and Decision Support Tool“) getestet, welches dazu beitragen soll, die Sprache zwischen allen Akteuren zu harmonisieren. Eine prozessbasierte Kommunikation zwischen Fachleuten verschiedener Disziplinen soll helfen, dass Entscheidungen auf breiter Ebene akzeptiert werden.

Letzteres Instrument ist eine Entwicklung aus dem  Alpine Space Projekt „AdaptAlp“ und wird, basierend auf den Erfahrungen aus CLISP in „Paramount“ weiterentwickelt.

Ergebnisse des Arbeitspaketes 7 (WP 7)

Arbeitspaket 7 (Workpackage 7) – geleitet durch das Büro Stadtland, Wien:

Transnationale Strategie für eine klimataugliche Raumplanung („Transnational Strategy for Climate Proof Spatial Planning“).

WP 7 beinhaltet die Erarbeitung einer „Transnational Strategy for Climate Proof Spatial Planning“ (TPS), die neben den Ergebnissen aus dem Projekt CLISP im engeren Sinn auch auf die Raumordnungs- und Klimapolitik auf europäischer Ebene und in den Alpenraumländern sowie zu vorliegenden relevanten Forschungsergebnissen aus anderen Projekten Bezug nimmt.

Diese Strategie soll den Rahmen für geeignete Adaptionsmaßnahmen (untergliedert in sogenannte „Aktionsfelder“ -  „fields of action“) im Hinblick auf den Klimawandel - unter Berücksichtigung einer transnationalen Sichtweise und der jeweiligen Kompetenzbereiche innerhalb der Planungssysteme im Alpenraum - bilden.

Basierend auf wissenschaftlich fundierten Forschungsergebnissen aus dem Projekt CLISP ist dieses Strategiepapier hauptsächlich an Politiker und politische Akteure in der Raumplanung im Alpenraum gerichtet, um die notwendigen Handlungsfelder und Fördermaßnahmen im Bereich der Raumplanung für die zukünftige Entwicklung aufzuzeigen.

Ergebnisse des Arbeitspaketes 8 (WP 8)

Arbeitspaket 8 (Workpackage 8) – geleitet durch das Umweltbundesamt, Wien:

Klimawandel-Cluster („Climate Change Cluster“).

Im Zuge des Projektes CLISP  entwickelte der Lead Partner Umweltbundesamt eine Plattform – „Climate Change Cluster“ - für alle Lead Partner von Alpine Space Projekten, die sich mit der Klimawandelproblematik auseinandersetzen, das sind:

AdaptAlp

AlpWaterScarce

ALP FFIRS

ClimAlpTour

MANFRED

PARAMOUNT

PermaNET

SILMAS

Dadurch soll der Wissenstransfer und Informationsaustausch verbessert, die verschiedenen Projektergebnisse bzw. daraus abgeleitete Empfehlungen harmonisiert und eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt werden. Das Endprodukt ist ein Cluster Poster und eine Broschüre, die sowohl Entscheidungsträger als auch Stakeholder ansprechen sollen.

Clisp: Facts and Figures.

Project title: Climate Change Adaption by Spatial Planning in the Alpine Space

Project code: 9/1/3/A

Programme: Alpine Space Programme 2007-2013

Priority 3: Environment and Risk Prevention

Projektpartner: 14
ERDF partners: 11 (1 lead partner, 10 project partners)
Non-ERDF partners: 3



Mitwirkende Länder: 6 (AT, DE, IT, SI, LI, CH)

Projektzeitraum: 01.09.2008 - 31.08.2011

Projektbudget:   € 2.522.990
ERDF budget: € 1.650.712
 

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