Neuregelung der Rot-Weiß-Rot-Karte

Hotelbesuch
Foto: BMLRT

Die Tourismusbranche braucht aufgrund des Fachkräftemangels dringend qualifizierte Arbeitskräfte. Die Verbesserungen der Rot-Weiß-Rot-Karte sind ein wichtiger Schritt. Qualifizierte und erfahrene Arbeitskräfte können künftig rascher und einfacher Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt bekommen und entsprechend entlohnt werden.
 

Arbeitsminister Martin Kocher hat am 28. April 2022 neue Regelungen zur Rot-Weiß-Rot-Karte vorgestellt. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger sieht darin einen wichtigen Schritt für die Tourismusbranche. Die Reform beinhaltet Verbesserungen, vor allem auch für Saisonarbeitskräfte und Fachkräfte in Mangelberufen.

Die Arbeitsmarktsituation ist eine der größten Herausforderungen der Tourismusbranche. Da unser Tourismus in den letzten Jahren stetig gewachsen ist, wurden auch schon vor der Corona-Pandemie Fachkräfte gesucht. Gerade qualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten sind für den touristischen Arbeitsmarkt von großer Bedeutung. Die neuen Regelungen zur Rot-Weiß-Rot-Karte sind ein wichtiger Schritt, um dem Fachkräftemangel im Tourismus entgegenzuwirken.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger

Wichtigste Neuregelungen der RWR-Karte für den Tourismus

Durch Änderungen im Ausländerbeschäftigungsgesetz (AuslBG) und Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz (NAG) wird der Zugang zum Arbeitsmarkt für Arbeitskräfte aus Drittstaaten erleichtert, sowie das Zulassungsverfahren durch Digitalisierung vereinfacht und beschleunigt.

Stammsaisonierregelung

  • Die seit 1. Jänner 2022 geltende Stammsaisonierregelung soll in ein flexibleres und dauerhaftes System übergeführt werden.
  • Saisonarbeitskräfte, die in den vorangegangenen fünf Kalenderjahren in zumindest drei Kalenderjahren im selben Wirtschaftszweig jeweils mindestens drei Monate im Rahmen von Kontingenten befristet beschäftigt waren und sich bei den regionalen Geschäftsstellen des Arbeitsmarktservice registrieren lassen, können unabhängig von Kontingenten Beschäftigungsbewilligungen erhalten.
  • Beispiel: Omar aus Ägypten hat 2018 und 2019 bereits in der Sommersaison in Kärnten gearbeitet und wird auch heuer wieder im gleichen Hotel arbeiten, immer im Rahmen des Saisonierkontingents. Wenn sich Omar beim AMS registrieren lässt, kann er auch in den nächsten Jahren regelmäßig in Österreich arbeiten - unabhängig von einem Kontingent.

Stammmitarbeiterregelung für langjährige Saisoniers

  • Künftig sollen jene Saisonarbeitskräfte, die bereits seit mehreren Jahren Saisonarbeit in einem Betrieb geleistet haben, ungeachtet ihres Alters und ihrer Qualifikation eine Rot-Weiß-Rot-Karte für eine Beschäftigung bei ihrem bisherigen Arbeitgeber erhalten.
  • Als Stammmitarbeiter gelten Saisonarbeitskräfte, die über zwei Kalenderjahre als registrierte Stammsaisoniers mindestens sieben Monate pro Kalenderjahr im selben Wirtschaftszwei beschäftigt waren.
  • Um als Stammmitarbeiter aufgenommen werden zu können, braucht es außerdem ausreichende Deutschkenntnisse (A2) sowie einen unbefristeten Arbeitsvertrag.
  • Beispiel: Adrijana aus Serbien arbeitet regelmäßig in Österreich - sowohl im Winter als auch im Sommer - und ist bereits zwei Jahre als Stammsaisonier registriert. Sie spricht gut Deutsch und ihr Gastronomiebetrieb bietet ihr eine Ganzjahresstelle an. Sie hat nun die Möglichkeit, ganzjährig in Österreich zu arbeiten.

Fachkräfte in Mangelberufen

  • Für den Nachweis einer Berufsausbildung im Mangelberuf werden künftig einheitlich 30 Punkte vergeben.
  • Die Punktevergabe erfolgt unabhängig davon, ob für den beantragten Beruf eine Lehrausbildung, der Abschluss einer berufsbildenden Schule oder ein Studium erforderlich ist.
  • Um das Kriterium der ausbildungsadäquaten Berufserfahrung besser berücksichtigen zu können, soll künftig die Vergabe von Punkten pro Halbjahr und nicht wie bisher pro Jahr erfolgen. Somit können zwei Punkte pro Jahr Berufserfahrung erreicht werden, wobei die Berufserfahrung in Österreich noch höher bewertet wird.
  • Beispiel: Zelmo aus Bosnien-Herzigowina: 27 Jahre, gelernter Koch, hat vier Jahre als Koch gearbeitet und spricht Deutsch. Bisher hat er die erforderliche Punkteanzahl für die Rot-Weiß-Rot-Karte nicht erreicht, mit der Reform erfüllt er nun die Kriterien.