Zahlen und Fakten zum österreichischen Tourismus

Landschaft
Foto: BMLRT / Martina Siebenhandl

Der Tourismussektor hat in Österreich einen besonders hohen Stellenwert – für die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt, die Städte und den gesamten ländlichen Raum. Einen guten Überblick geben diese grafisch und textlich aufbereiteten Zahlen und Fakten.

Auszug aus der Broschüre "Zahlen und Fakten 2021" (2. Ausgabe, Redaktionsschluss: November 2021)

Der Tourismussektor hat in Österreich einen besonders hohen Stellenwert – für die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt, die Städte und den gesamten ländlichen Raum. Keine andere Branche ist in allen Regionen des Landes so verwurzelt und sorgt bis in die entlegensten Täler für Wertschöpfung und Lebensqualität.

In den vergangenen Jahren hat sich Österreich zu einem der beliebtesten Urlaubsziele weltweit entwickelt. Das Land hat viel zu bieten – wie zum Beispiel den schönsten Teil der Alpen, glasklare Seen, einzigartiges historisches Erbe und lebenswerte Städte. Die engagierten Gastgeberinnen und Gastgeber empfangen Besucherinnen und Besucher mit Professionalität, Authentizität und der typischen österreichischen Gastfreundschaft. Der Tourismus in Österreich war bis 2019 eine Erfolgsgeschichte – eine wichtige Konjunkturstütze und Beschäftigungsmotor. Als eine der erfolgreichsten Tourismusdestinationen der Welt wurde Österreichs Tourismus von der COVID-19- Pandemie jedoch besonders hart getroffen – nicht zuletzt aufgrund des hohen Anteil von rund 70 % an ausländischen Gästen. Durch die COVID-19-Pandemie ist der internationale Reiseverkehr weitgehend zum Erliegen gekommen, ab Frühjahr 2020 kam es zu Reisebeschränkungen, zu einem Rückgang des Flug- und Reiseverkehrs und zu Reisewarnungen. Die internationale Pandemiesituation und die nationalen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung führten zu Betriebsschließungen in Österreich und damit zu einem Rückgang der Ankünfte, der Nächtigungen und des Umsatzes. Die Ankünfte sind auf das Niveau vor der Jahrtausendwende gesunken, die Nächtigungen sogar auf das Niveau der frühen 1970er-Jahre. Durch die coronabedingten Lockdowns ist es im Jahr 2020 auch zu einem starken Einbruch der Beschäftigung und gleichzeitig zu einem hohen Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Kernbereichen Beherbergung und Gastronomie gekommen. Im Jahresdurchschnitt 2020 waren 71.298 (+70,9 % gegenüber 2019) Personen aus dem Beherbergungs-und Gaststättenwesen arbeitslos gemeldet. Die kurz- und langfristigen Auswirkungen auf die Tourismusbranche sind dramatisch und derzeit noch nicht abschätzbar.

Grafik Touristischer Konsum in Österreich im Jahr 2019 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Tourismus und die SDGs

Österreich hat sich im Jahr 2015 verpflichtet, die Globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals oder SDGs) der Vereinten Nationen umzusetzen. Mit dem Projekt ‚Tourismus und die SDGs‘ schafft das BMLRT Bewusstsein in der Branche, bereitet Information praxisorientiert auf und regt dazu an, im Tourismus gemeinsam soziale und ökologische Verantwortung zu übernehmen. Zudem werden Forschungsarbeiten zu einer breiten Themenvielfalt erarbeitet. Diese werden von Studierenden sowie Schülerinnen und Schülern österreichischer Ausbildungseinrichtungen mit Tourismusschwerpunkt zum Download angeboten. Nähere Informationen unter Tourismus und die SDGs

Grafik Plan T - Masterplan für Tourismus - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Plan T – Masterplan für Tourismus

Die letzte Gesamtstrategie für den österreichischen Tourismus liegt bereits fast zehn Jahre zurück. Seither haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Darum hat das Ministerium unter Federführung der Tourismusministerin eine neue strategische Grundlage für die Zukunft des heimischen Tourismus erarbeitet. Der im März 2019 präsentierte Masterplan für Tourismus skizziert Wege, Ideen und Grundlagen mit denen sich die Erfolgsgeschichte des Tourismusstandorts Österreich in vielen weiteren Kapiteln fortschreiben lässt. Hunderte Menschen aus Tourismus und Freizeitwirtschaft waren am Entstehungsprozess beteiligt. Gerade bei einer Querschnittsmaterie wie dem Tourismus ist es entscheidend, dass sämtliche Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche an einem Strang ziehen – daher wurden auch wichtige Stakeholder außerhalb der Tourismusbranche gezielt angesprochen. Gerade in der Krise zeigt sich, wie zukunftsweisend der Plan T und die darin definierten Handlungsfelder sind – sie geben auch in diesen schwierigen Zeiten Orientierung. Die nachhaltige Weiterentwicklung des Tourismusstandortes Österreich – und zwar in ökologischer, ökonomischer und soziokultureller Dimension – ist auch weiterhin das Grundprinzip für einen langfristigen Erfolg.

Grafik Entwicklung der Nächtigungen 2011-2020 Kalenderjahr - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Entwicklung der Nächtigungen in den Kalenderjahren 2011–2020

Die Nachfrage nach touristischen Dienstleistungen nahm bis zum Ausbruch der Coronakrise in Österreich stetig zu. Nach dem Rekordjahr 2019 führte die COVID-19-Pandemie jedoch zu erheblichen Einbußen für den Tourismus in Österreich im Kalenderjahr 2020: Die Zahl der Gästeankünfte schrumpfte um 45,8 % auf rund 25,0 Millionen, jene der Übernachtungen um 35,9 % auf circa 97,9 Millionen – damit entsprach das Niveau bei Ankünften jenem vor der Jahrtausendwende, das Nächtigungsvolumen jenem der frühen 1970er-Jahre. Durch das verstärkte Ausbleiben internationaler Gäste (Ankünfte –52,7 %, Nächtigungen –41,2 %) aufgrund von Reisebeschränkungen und -verboten (Lockdowns, eingeschränkter beziehungsweise teilweise stillgelegter Flugverkehr) verschob sich die insgesamt stark dezimierte Nachfrage deutlich in Richtung inländischer Touristinnen und Touristen (Ankünfte –30,6 %, Nächtigungen –20,9 %), deren Marktanteil sich bei Ankünften von 31,0 % (2019) auf aktuell knapp zwei Fünftel (39,7 %) erhöhte, bei Übernachtungen von gut einem Viertel (26,2 %) auf rund ein Drittel (32,3 %).

Grafik Verteilung der Nächtigungen im Kalenderjahr 2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Verteilung der Nächtigungen im Kalenderjahr 2020 nach Bundesländern

Der insgesamt deutliche Rückgang der Nächtigungen im Jahr 2020 war in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während Bundesländer wie Kärnten (–17,0 %), die Steiermark (–24,6 %) und das Burgenland (–27,3 %) vergleichsweise geringe Nächtigungsverluste verbuchten, betrug der Einbruch bei den Nächtigungen in der Bundeshauptstadt Wien 73,9 %. Lediglich in Kärnten war im Vergleich zum Vorjahr eine positive Entwicklung bei inländischen Gästen zu beobachten: Hier gab es bei den Nächtigungen ein Plus von 5,4 %. In den tourismusstärksten Bundesländern Tirol (–33,5 %) und Salzburg (–32,3 %) wurden jeweils rund ein Drittel weniger Nächtigungen registriert als im Rekordjahr 2019.

Grafik Nächtigungsziffern nach Unterkunftsarten 2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Nächtigungsziffern nach Unterkunftsarten 2020

Im Jahr 2020 standen rund 1,14 Millionen Betten in 68.402 gewerblichen und privaten Beherbergungsbetrieben für in und ausländische Gäste zur Verfügung. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Bettenbestand leicht um 0,9 %. Die beliebteste Art der Unterkunft waren traditionell Hotels mit 55,6 Millionen Nächtigungen, auch wenn im Pandemiejahr 2020 gerade in dieser Unterkunftskategorie die stärksten Rückgänge mit –41,6 % verzeichnet werden mussten. Am relativ besten durch das touristische Krisenjahr kamen gewerbliche und private Ferienwohnungen mit Rückgängen von –22,6 % bzw. –23,6 %.

Grafik Saisonentwicklung der Saisonen nach Nächtigungen 1995-2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Entwicklung der Saisonen nach Nächtigungen 1995–2020

Die Zahl der Nächtigungen hat sich im langfristigen Verlauf angeglichen. 1980 war der Unterschied zwischen Sommer und Winter noch sehr stark ausgeprägt, Österreich galt als klassische Sommerfrische-Destination. Massive Investitionen in den Wintertourismus, Skipisten, Seilbahnen und moderne Hotelbetriebe haben in den letzten Jahrzehnten zu einem stärkeren Wachstum im Winter geführt. Heute ist Winterurlaub längst nicht mehr auf Skifahren fokussiert, die Bandbreite der Angebote reicht von Winterwandern bis zu Wellness und Erlebnissen im Schnee. In den letzten Jahren wird verstärkt auch in die Nebensaisonen investiert, Saisonverlängerung und Ganzjahrestourismus sind das erklärte Ziel einer nachhaltigen Tourismusdestination. Kultur, Gesundheit sowie vor allem auch Kulinarik sind Themen, mit denen Österreich auch in den Nebensaisonen punkten kann. Aufgrund der COVID-19-Krise und den damit verbundenen Reisebeschränkungen und Betretungsverboten mussten starke Rückgänge der Nächtigungen verzeichnet werden. Während im Sommer zumindest in den Monaten Juni bis Oktober eine starke Nachfrage von inländischen Personen festzustellen war, wurden im Winter höhere Rückgänge durch teilweisen Totalausfall verbucht.

Grafik Arbeitsmarkt Tourismus - Verteilung der Erwerbstätigen nach Branchen 2019 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Arbeitsmarkt Tourismus – Verteilung der Erwerbstätigen nach Branchen im Jahr 2019

Arbeit im Tourismus unterscheidet sich wesentlich von der Arbeit in anderen Branchen. Die Nachfrage nach touristischen Dienstleistungen schwankt im Zeitverlauf – Mittag und Abend, Wochenende und Saison. Dadurch ergeben sich branchenspezifische Herausforderungen, die eine differenzierte Betrachtung des touristischen Arbeitsmarkts erfordern. Im Jahr 2019 bestanden in Österreich laut TSA (Tourismus-Satellitenkonto) - Beschäftigungsmodul rund 253.700 Beschäftigungsverhältnisse bzw. waren über 200.100 Vollzeitäquivalente (+2,3 %) in charakteristischen Tourismusindustrien beschäftigt. Das entspricht 5,1 % aller Erwerbstätigen. Der überwiegende Teil der Tourismusbeschäftigten entfiel auf die Kernbereiche Beherbergung (38,9 %) und Gastronomie (29,4 %). In den vergangenen Jahren entwickelte sich der Tourismus zu einem verlässlichen Jobmotor mit Standortgarantie und schuf wichtige Arbeitsplätze in allen Regionen. Tourismus ist damit unverzichtbar für Wohlstand und Chancengleichheit, ob in prosperierenden Stadtregionen oder in peripheren ländlich geprägten Regionen.

Grafik Die Top zehn Herkunftsländer im österreichischen Tourismus 2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Die Top 10 Herkunftsländer im österreichischen Tourismus im Jahr 2020 (nach Nächtigungen)

Der Tourismus in Österreich ist traditionell von drei großen Herkunftsmärkten abhängig: Deutschland, Österreich selbst und den Niederlanden. Aufgrund der COVID-19-Krise und den damit verbundenen Reisebeschränkungen hat die Bedeutung des inländischen Tourismus im Jahr 2020 noch zugenommen. Von den insgesamt rund 97,9 Millionen Nächtigungen 2020 in Österreich entfielen 66,3 Millionen (67,7 %) auf Gäste aus dem Ausland; gegenüber 2019 sank der Marktanteil dieses Segmentes um 6,1 Prozentpunkte. Das internationale Nächtigungsaufkommen in heimischen Beherbergungsbetrieben stammte 2020 zu 89,2 % aus nur zehn Herkunftsmärkten (alle in Europa, darunter fünf Nachbarn Österreichs: Deutschland, Schweiz, Tschechien, Ungarn und Italien). Unter diesen Top-10-Märkten war Deutschland mit einem Gewicht an den Auslandsnächtigungen von 58,1 % der bedeutendste Markt (2019: 50,3 %). Die Plätze 2 und 3 belegten wie 2019 die Niederlande und die Schweiz. Dänemark schaffte es 2020 mit Platz 9 anstelle der USA (2019 noch auf Rang 10) neu ins Ranking.

Grafik Die zwölf österreichischen Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur-Welterbestätten - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Die 12 österreichischen UNESCO Welterbestätten

Österreich hat zwölf UNESCO Welterbestätten, die große Attraktivität als Tourismus-Ziele genießen und Stadtlandschaften und Kulturregionen umfassen. Jede Welterbe- Stätte wird von einem Management betreut, um die Stätte auch für zukünftige Generationen in ihrer Schönheit und Authentizität (bei Kulturstätten) beziehungsweise Integrität (bei Naturstätten) zu erhalten. Am 18. Dezember 1992 ratifizierte die Republik Österreich das UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des Kultur und Naturerbes der Welt. Mit der Unterzeichnung verpflichtete sich Österreich, die innerhalb seiner Grenzen gelegenen Kultur- und Naturerbestätten mit außergewöhnlichem universellem Wert zu schützen und zu erhalten. Dafür tragen das Kulturministerium (BMKÖS), das Umweltministerium (BMK) sowie gleichermaßen Bund, Länder und Gemeinden die Verantwortung. Zum Weltkulturerbe gehören Baudenkmäler, Stadtensembles und Kulturlandschaften. Das Weltnaturerbe umfasst Naturerscheinungen sowie Regionen und Orte, die den natürlichen Reichtum der Erde sowie ihre biologische und geologische Vergangenheit zeigen. Die von der UNESCO geführte Welterbeliste umfasst 1.154 Stätten aus 167 Ländern. Österreich ist mit 12 Welterbestätten vertreten. Die Welterbestätten haben große Bedeutung für den Tourismus. Die historischen Zentren von Wien, Salzburg und Graz, der Park und das Schloss Schönbrunn, die Wachau sowie Hallstatt und das Salzkammergut zählen zu den international beliebtesten Tourismuszielen in Österreich. Mehr zu den UNESCO-Welterbestätten unter www.unesco.at.