Schwerpunkte der slowenischen EU Präsidentschaft 2021 - Tourismus

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Am 1. Juli 2021 übernahm Slowenien zum zweiten Mal die EU Ratspräsidentschaft. Für die kommenden sechs Monate setzt Slowenien seine Schwerpunkte auf wirtschaftliche Erholung, Resilienz gegenüber zukünftigen Krisen und den Ausbau einer strategischen Autonomie der EU. Auch die Konferenz zur Zukunft Europas und eine europäische Zukunft der Westbalkanländer werden eine wichtige Rolle einnehmen.

Slowenien übernimmt zum zweiten Mal den Vorsitz in der EU

Die slowenische Ratspräsidentschaft ist von den Herausforderungen und Folgen der COVID-19 Pandemie geprägt. Unter dem Motto „Gemeinsam. Widerstandsfähig. Europa“ richtet Slowenien seine Aktivitäten vorrangig auf wirtschaftliche Erholung, Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Krisen sowie auf den Ausbau einer strategischen Autonomie der EU. Die Präsidentschaft hat vier Prioritäten festgelegt, anhand derer Fortschritte in der EU erzielt werden sollen:

  • Resilienz und Aufbau der EU. Strategische Autonomie der EU.
  • Konferenz zur Zukunft Europas.
  • Eine Union, die die europäische Lebensweise, Rechtsstaatlichkeit und gleiche Maßstäbe für alle fördert.
  • Eine glaubwürdige und sichere EU. Eine Union, die auch die Sicherheit und Stabilität in der Nachbarschaft gewährleisten kann.

Widerstandsfähigkeit und eine wirksame Bewältigung von Krisensituationen, wie die COVID-19 Krise, aber auch Sicherheitsrisiken und andere Katastrophen gehören zu den zentralen Anliegen der slowenischen Präsidentschaft im Rahmen der ersten Priorität „Resilienz, Aufbau und strategische Autonomie“. Dabei sollen in der Krise erworbene Erfahrungen zu allen relevanten EU Bereichen ausgetauscht und Strategien für die Zukunft gefunden werden.

Slowenien ist der Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft unter Berücksichtigung des ökologischen und digitalen Wandels der Wirtschaften sowie demografischer Herausforderungen ein großes Anliegen. Um dies zu erreichen wird sich der Vorsitz für eine effektive Umsetzung der Instrumente „Next Generation EU“ und der „Aufbau- und Resilienzfazilität“ einsetzen, um in weiterer Folge eine rasche Verabschiedung nationaler Pläne zu ermöglichen. Im Zusammenhang mit dem grünen Wandel wird Slowenien Bemühungen zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2050 und der Umsetzung des Treibhausgas-Reduktionsziels von mindestens 55 Prozent unterstützen. Eine Grundlage liefert dazu das „Fit for 55“ Paket der Europäischen Kommission.

Mit dem Aufbau der Europäischen Gesundheitsunion und der Schaffung einer neuen europäischen Behörde für Krisenvorsorge und –reaktion (HERA) wird der Vorsitz einen Beitrag zu nachhaltigen, widerstandsfähigen Gesundheitssystemen leisten.

Im Bereich der ersten Priorität ist die Erhöhung der europäischen Cybersicherheit ein weiteres prioritäres Thema. Dabei ist die Eingliederung der Cybersicherheit in die umfassende Krisenreaktion vorgesehen. Über den Sicherheitsaspekt innerhalb der EU hinaus unterstützt der Vorsitz den Ausbau von Cyber-Fähigkeiten am Westbalkan.  Anfang September ist dazu eine hochrangige Konferenz am Rande des Strategischen Forums in Bled geplant.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die strategische Unabhängigkeit der EU in den Bereichen Gesundheit, Industrie, Energie und Lebensmittelversorgung. Slowenien setzt sich für nachhaltige europäische Wertschöpfungsketten und einen besseren Zugang für europäische Unternehmen zu globalen Wertschöpfungs- und Lieferketten ein. Ohne eine offene Handelspolitik in Frage zu stellen wird sich auch der neue Vorsitz mit unfairen Handelspraktiken in Lebensmittelversorgungsketten auseinandersetzen. Die strategische Bedeutung der Lebensmittelversorgung wird Hand in Hand mit der Betrachtung der Landwirtschaft als zuverlässigem, nachhaltigem und widerstandsfähigem Lebensmittelversorger gehen.

Im Bereich der zweiten Priorität „Konferenz zur Zukunft Europas“ wird Slowenien im nächsten halben Jahr weitere europaweite Debatten über die Erwartungen der EU Bürgerinnen und Bürger zur Zukunft der EU begleiten. Anfang September wird sich das 16. Strategische Forum in Bled dem Thema widmen.

Im Rahmen des dritten Schwerpunktes zur europäischen Lebensweise, Rechtsstaatlichkeit und zu gleichen Maßstäben für alle wird sich die Ratspräsidentschaft vorrangig für eine Stärkung der Rechtsstaatlichkeit als gemeinsamem europäischen Wert einsetzen. Neben einer allgemeinen Förderung einer Kultur der Rechtsstaatlichkeit sollen weitere Diskussionen über die Lage in einzelnen Mitgliedstaaten stattfinden.

In der vierten Priorität „glaubwürdige und sichere Union“ wird es allen voran um die europäische Zukunft der Länder des Westbalkan und die glaubwürdige Fortsetzung der EU-Beitrittsverhandlungen gehen. Der Vorsitz plant, die Westbalkanländer bei der wirtschaftlichen Erholung, nachhaltigen Entwicklung, beim grünen und digitalen Wandel und bei Themen wie Konnektivität und Cyber-Resilienz zu unterstützen und diesen zugleich eine Perspektive auf einen EU-Beitritt zu verschaffen. Fortschritte erhofft sich die Ratspräsidentschaft vom EU-Westbalkan-Gipfeltreffen im Oktober in Slowenien. Der Vorsitz wird sich des Weiteren für eine Stärkung der transatlantischen Beziehungen einsetzen.

Prioritäten im Tourismus

Im Bereich des Tourismus stehen unter dem slowenischen Vorsitz Wiederaufbau, Resilienz und der grüne und digitale Übergang im Fokus.

Im Rahmen der aktualisierten Industriestrategie, die das Ziel eines widerstandsfähigeren Binnenmarktes verfolgt, soll bis Jahresende 2021 ein Weg des Übergangs (Transition Pathway) für den Tourismus fertiggestellt werden, der aufzeigen soll, wie der Sektor resilienter, nachhaltiger und innovativer beziehungsweise digitaler gestaltet werden kann. Darauf aufbauend soll von der Europäischen Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und den betroffenen Stakeholdern eine EU Agenda für Tourismus 2030/2050 erarbeitet werden, zu der bereits erste Vorarbeiten im Europäischen Tourismuskonvent am 12. Oktober 2020 geleistet wurden. Der slowenische Vorsitz plant, diese Aktivitäten – unter anderem durch die Behandlung in der Ratsarbeitsgruppe – aktiv zu begleiten.

Unter Berücksichtigung der im Mai 2021 angenommenen Schlussfolgerungen des Rates zum Tourismus wird das Augenmerk des slowenischen Vorsitzes weiters auf den Themen Innovation und Destinationsentwicklung (Mobilität und Dekarbonisierung), KMU sowie auf den regionalen und lokalen Kreativwirtschaften liegen. Ebenso sollen im Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie die Bereiche Wiederherstellung des freien Personenverkehrs, sichere grenzüberschreitende Mobilität und sichere Tourismusdienstleistungen adressiert werden.

Am 16. und 17. November finden in Slowenien ein informelles Ministerinnen- und Ministertreffen sowie das Europäische Tourismus-Forum statt.

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