Comeback-Plan für den heimischen Tourismus

Präsentation Comeback-Plan für den Tourismus
Foto: BMLRT / Christian Lendl

Im April 2021 hat Tourismusministerin Elisabeth Köstinger den Prozess „Auf geht´s – zum Comeback des heimischen Tourismus“ gestartet. In vier Comeback-Talks wurden Maßnahmen beraten, um den heimischen Tourismus langfristig zu stärken. Die Ergebnisse der Comeback-Talks haben Tourismusministerin Elisabeth Köstunger und Bundeskanzler Sebastian Kurz am 8. Juli in Wien vorgestellt.
 

Der Prozess ‚Auf geht’s – zum Comeback des heimischen Tourismus‘ wurde gestartet, um der der Branche Mut zu machen, sie aus der Krise zu holen und den Tourismus langfristig zu stärken! Keine andere Branche trägt so viel Innovationskraft, Leidenschaft und Liebe zur Gastfreundschaft in sich wie unser Tourismus.

Der Comeback-Plan enthält  folgende Schwerpunkte:

  • Modernisierung des touristischen Arbeitsmarktes
  • Stärkung von Eigenkapital und neue Finanzierungsperspektiven
  • Reiseverhalten der Zukunft und
  • Kooperation zwischen Tourismus und Regionen

Modernisierung des touristischen Arbeitsmarkts

Die Pandemie führte zu einem starken Einbruch der Beschäftigung.

  • Die Kurzarbeit war das wirksamste Instrument, um die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt einzudämmen. Die inzwischen umgesetzte Verlängerung der Corona-Kurzarbeit für besonders betroffene Branchen war einer der wichtigsten Teile des Comeback-Prozesses.
    • Es gibt nun eine Nachfolgeregelung, mit der für besonders betroffene Betriebe die Kurzarbeit bis Jahresende verlängert wird.
    • Zudem wurde ein Übergangsmodell bis Mitte 2022 mit reduzierter Förderhöhe geschaffen.
  • Die Verlängerung des Neustartbonus sorgt dafür, dass Betriebe entweder ihr Stammpersonal erleichtert wiederaufnehmen oder neue Kräfte finden können.
  • Inzwischen müssen die Branchen allerdings wieder um Fachkräfte kämpfen - es gibt einen Rekordwert von über 109.000 offene Stellen, davon 16.000 im Tourismus. Daher hat das Arbeitsministerium kürzlich dem AMS neue Zielvorgaben gestellt
    • Zumutbare Beschäftigungsmöglichkeiten sollen nicht so leicht abgelehnt werden.
    • Insbesondere im Tourismus gilt der Grundsatz „Vermittlung vor Qualifizierung“. Ausnahmen davon müssen gut begründet sein.
  • Tourismusministerin Elisabeth Köstinger setzt sich angesichts des Fachkräftemangels für eine entschlossene Reform des touristischen Arbeitsmarktes ein. Arbeitsminister Martin Kocher hat Unterstützung zur Reform im Rahmen des Comeback-Prozesses angekündigt.

Stärkung Eigenkapital und neue Finanzierungsperspektiven

Eine im Rahmen des Comeback-Prozesses von „Eco Austria“ durchgeführte Studie zeigt, wie erfolgreich Österreich im internationalen Vergleich seine Tourismusbranche durch die COVID-19-Krise gebracht hat. ECO Austria schätzt die Auszahlungen von Hilfen an Tourismusbetriebe auf mindestens 1,9% des BIP; in Deutschland etwa 1,13%, in Kroatien 1,33% und in der Schweiz 0,36%. Eco Austria hat sich auch dem Thema Resilienz gewidmet und Handlungsempfehlungen für die Zukunft abgegeben.

  • Neben der Weiterführung treffsicherer Unterstützungen für besonders betroffene Bereiche, wie beispielsweise den Städtetourismus und der Veranstalter- sowie Reisebranche, geht es auch darum, für zukünftige Krisen besser aufgestellt zu sein.
  • Nach einer intensiven Zeit der Krisenbewältigung fokussieren wir nun auf die Zukunft und erarbeiten gegenwärtig neue Förderungsrichtlinien für die gewerbliche Tourismusförderung des Bundes.
  • Die Themen Resilienz und Nachhaltigkeit sind dabei für unsere familien- und inhabergeführten KMUbesonders wichtig - hier wird auch ein Fokus auf das Zusammenspiel mit den Regionen gesetzt

Reiseverhalten und Regionen

Die Pandemie hat das Reiseverhalten unserer Gäste verändert, dies zeigt auch die gestiegene Sensibilität gegenüber Gesundheits- und Sicherheitsfragen, aber auch das geänderte Bewusstsein für Qualitätstourismus und den Umgang mit der Natur.

Durch das Ausbleiben internationaler Gäste hat sich der Fokus – vorerst – auf Nahmärkte verschoben. Aber auch Fernreisen werden eher früher als später wieder möglich sein und dafür müssen wir rechtzeitig und weltweit Lust auf Urlaub in Österreich machen.

Daher braucht es einen starken Auftritt Österreichs im Ausland.

  • Um die Folgen der Pandemie für die Tourismuswirtschaft zu lindern, wurde der ÖW ein zusätzliches Budget von 40 Mio. Euro für die intensivere Bearbeitung wichtiger Herkunftsmärkte und des Inlandsmarktes zur Verfügung gestellt.
  • Von Juni bis Oktober 2020 setzte die ÖW für diesen Zeitraum im In- und Ausland Maßnahmen mit beachtlichem Erfolg: Im Zeitraum Juni bis Oktober wurden 21,6 Mio. Inlandsnächtigungen verzeichnet, eine Zunahme um 6,2% und damit ein Rekordwert für die Periode Juni – Oktober.

Analyse der Widerstandsfähigkeit des Tourismus

  • Die COVID-19 Pandemie hat Österreich durch den hohen Tourismusanteil besonders hart getroffen. Alleine die Reiseexporte sind für 5,2 % des österreichischen BIP verantwortlich, in der EU sind es 2,7 %, in Deutschland nur 1,1%.
  • Während die Pandemie zu einem Quasi-Totalausfall in der Wintersaison geführt hat, war die Entwicklung im vergangenen Sommer 2020 relativ gut.
  • Das WIFO hat in einer Studie für das BMF analysiert, welche Gemeinden vergangenen Sommer besonders gut durch die Krise gekommen sind und welche gemeinsamen Eigenschaften diese aufweisen.
  • Die Auswertungen zeigen, dass vor allem im Süden Österreichs gelegene Tourismusregionen wie etwa das Südburgenland, die Nockberge, die Südweststeiermark oder Südkärnten rund um Seen im Sommer 2020 von einer höheren Nachfrage nach Urlaub im eigenen Land profitieren konnten und sogar trotz Pandemie Nächtigungszuwächse verzeichnen konnten.
  • Am stärksten waren die Rückgänge in Wien (-81%), Niederösterreich (-36%), Salzburg (-30%) sowie Tirol (-29,7%) und Oberösterreich (-29,5%). In Kärnten (-11 %) und im Burgenland (-12,4 %) waren die Einbußen deutlich geringer.
  • Aber nicht nur Seengebiete erwiesen sich als krisenbeständiger, auch einige westliche Regionen konnten durch Wanderurlaubsangebote bei deutschen Gästen punkten.
  • Dem gegenüber steht der Städtetourismus, der mit besonders hohen Nächtigungseinbrüchen konfrontiert war – v.a. auch aufgrund der hohen Abhängigkeit internationaler Gäste.
  • Wir haben im Mai eine Studie zu den Öffnungseffekten bekommen. Darin wurde eine positive Entwicklung der betroffenen Bereiche, insbesondere von Beherbergung und Gastronomie, und eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau bis zum Ende des Sommers prognostiziert.
  • Vergleicht man die Prognosedaten mit den realisierten Daten sehen wir, dass der Aufholprozess deutlich schneller läuft. Statt einer BIP-Lücke von knapp 2 % (Beitrag zum Gesamt-BIP) Ende Juni im Tourismusbereich stehen wir aktuell bei unter 1 % BIP-Lücke.
  • Die Tourismusbetriebe bewerten die Lage vorsichtig: Eine Mehrheit von 35 Prozent stellt sich darauf ein, das Vorkrisenniveau in ein bis drei Jahren zu erreichen.
  • Weitere 27 Prozent erwarten eine Erholung im nächsten Jahr.
  • Als größte Herausforderung sehen 67 Prozent der befragten Tourismusbetriebe die Bereiche Kapital und Finanzierung. Dementsprechend sollten wirtschaftspolitische Unterstützungsmaßnahmen bei einer Verbesserung der Eigenkapitalquote und Hilfestellungen zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen ansetzen.
  • Als eine der größten Herausforderungen wird der Fachkräftemangel genannt. 15 Prozent der Arbeitskräfte sind in andere Branchen abgewandert, sodass Tourismusbetrieben derzeit das Personal für die Öffnung fehlt.
  • Auch Reisebeschränkungen und Reisewarnungen setzen den Tourismusbetrieben zu, wie aus einer aktuellen Umfrage hervorgeht.