Zahlen und Fakten zur österreichischen Raumentwicklung

Dorfplatz mit Menschen
Foto: BMLRT / Alexander Haiden

Einen Überblick über die österreichische Raumentwicklung geben einige Zahlen und Statistiken, die hier grafisch und textlich aufbereitet sind. Enthalten sind Daten zum Siedlungsraum der Bundesländer, zu Bevölkerungsstruktur und demographischen Wandel, zu Bodenverbrauch und vielem mehr.

Auszug aus der Broschüre "Zahlen und Fakten 2021" (2. Ausgabe, Redaktionsschluss: November 2021)

Die Raumentwicklungspolitik und die Raumordnung stimmen die unterschiedlichen, vielfach konkurrierenden sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und kulturellen Ansprüche der Gesellschaft an den gemeinsamen Lebensraum ab. Ziel ist die nachhaltige und ausgewogene Entwicklung des österreichischen Staatsgebiets. Im Bereich der gesamtstaatlichen Raumentwicklung und Raumordnung setzt das BMLRT fachliche Impulse. Diese betreffen vor allem die Umsetzung des Österreichischen Raumentwicklungskonzeptes (ÖREK) 2011 wie auch die Erarbeitung der für 2021 geplanten Neuauflage – das ÖREK 2030. Die Regionalpolitik zielt darauf ab, die Lebensqualität in allen Regionen stetig zu erhöhen und langfristig anzugleichen.

Das BMLRT ist für die Koordination im Bereich Regionalpolitik und Raumordnung zuständig. Dazu setzt das Ministerium geeignete Maßnahmen und koordiniert EU-Förderprogramme. Damit sollen den aktuellen Herausforderungen, wie post Corona, dem Klimawandel, dem demographischen Wandel, der Digitalisierung und dem verschärften internationalen Standortwettbewerb Rechnung getragen werden. Die Koordination erfolgt in enger Abstimmung mit allen Bundesministerien sowie den Ländern. Die Österreichische Raumordnungskonferenz (ÖROK), eine gemeinsame Organisation von Bund, Ländern sowie Städte- und Gemeindebund unterstützt das BMLRT bei seiner Koordinationsaufgabe.

Das BMLRT koordiniert in Kooperation mit der ÖROK die EU-Kohäsionspolitik in Österreich. Das ist insbesondere der Einsatz des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des EFRE-Regionalprogramms Österreich und der regionalen Kooperationsprogramme mit anderen EU-Mitgliedstaaten (INTERREG) im Zeitraum 2014–2020. Des Weiteren vertritt das BMLRT federführend die österreichischen Interessen in rechtlichen Fragen für die EU-Förderperiode 2021–2027.

Grafik  Dauersiedlungsraum der Bundesländer, Gebietsstand 2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Der Dauersiedlungsraum in Österreich

Unter dem Dauersiedlungsraum wird laut Statistik Austria der potentiell besiedelbare Raum verstanden, in welchem der Mensch lebt, arbeitet, seine Naturgrundlagen bewirtschaftet und sich erholt. Aufgrund des hohen alpinen Flächenanteils ist in Österreich die Abgrenzung eines Dauersiedlungsraums grundlegend für die Raumordnung. Der Dauersiedlungsraum ist der Raum, der nach Abzug von Wald, alpinem Grünland, Ödland und Gewässer noch übrigbleibt. Er umfasst den für die Landwirtschaft, Siedlung und Verkehrsanlagen verfügbaren Raum. Der Dauersiedlungsraum umfasst österreichweit im Jahr 2020 nur 39 % des Bundesgebiets, in Tirol entspricht er nur 12 % der Landesfläche, während er in Wien 77 % umfasst. Der Siedlungsraum, also der aktuell besiedelte Raum, umfasst im Jahr 2020 in Österreich 14 % des Bundesgebiets, in Tirol 7 % und in Wien 60 %. Österreich hat eine Landesfläche von 83.883 km². Die Bevölkerung pro km² Dauersiedlungsraum betrug im Jahr 2020 in Österreich im Durchschnitt 274 Personen/km².

Infolge des hohen alpinen Flächenanteils ist die Bevölkerungsdichte im Dauersiedlungsraum in den alpinen Tälern überdurchschnittlich hoch. Bildhaft ausgedrückt: „Im Tal ist’s eng, während es am Berg viel Platz gibt.“ Die Bevölkerung pro km² Dauersiedlungsraum betrug im Jahr 2020 in Österreich im Durchschnitt 274 Personen/km². In Vorarlberg waren es 703 Personen/km², in Tirol 482 Personen/km² und in Salzburg 374 Personen/km². Geringere Bevölkerungsdichten/km² Dauersiedlungsraum wiesen die Steiermark mit 238 Personen/km², Kärnten mit 229 Personen/km², Oberösterreich mit 219 Personen/km², Niederösterreich mit 145 Personen/km² und das Burgenland mit 119 Personen/km² auf. Wien zeigte mit 5.966 Personen/km² Dauersiedlungsraum eine für eine Großstadt signifikante Bevölkerungsdichte.

Grafik Bevölkerung 2000, 2020 und 2030 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Bevölkerung und demographischer Wandel

Die Bevölkerung Österreichs nimmt stetig zu. Um 1900 lebten in Österreich (innerhalb des heutigen Bundesgebiets) 6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Ende der 1950er Jahre waren es 7 Millionen, im Jahr 2000 schon 8 Millionen und im Jahr 2020 rund 8,9 Millionen. Für das Jahr 2030 prognostiziert die Statistik Austria eine Bevölkerung von rund 9,2 Millionen und bis 2080 rund 9,93 Millionen. Das Bevölkerungswachstum von 1995 bis 2019 liegt mit 11,5 % über dem Durchschnitt der EU-28 (6,6 %). Die Bevölkerungszunahme erfolgt aufgrund des Wanderungssaldos und des höheren Anteils an Geborenen gegenüber Verstorbenen. Es ist für das Jahr 2030 auch eine Vergrößerung des Bevölkerungsanteils der über 65-jährigen auf 23,2 % sowie eine Zunahme der Privathaushalte auf 4,2 Millionen und hier vor allem der Einpersonenhaushalte mit 1,6 Millionen von der Statistik Austria prognostiziert.

Städtischer und Ländlicher Raum

Politisch-administrativ ist Österreich in neun Bundesländer untergliedert, welche sich in 94 Politische Bezirke und zwar in 15 Statutarstädte und 79 Landbezirke gliedern. Auf unterster Verwaltungsebene gibt es 2.095 Gemeinden (Österreichischer Gemeindebund, Statistik Austria; Stand: 29.7.2021). Am 1. Jänner 2020 durchbrach die Bundeshauptstadt Wien die 1,9 Millionen Bevölkerungsmarke. Somit lebt rund ein Fünftel der Bevölkerung Österreichs in Wien. Zweitgrößte Stadt Österreichs ist Graz mit 291.000 Einwohnerinnen und Einwohner, dann folgen Linz mit 207.000, Salzburg mit 155.000, Innsbruck mit 132.000 und Klagenfurt mit 101.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die bevölkerungsmäßig kleinsten Gemeinden Österreichs waren mit Jahresanfang 2020 allesamt Gemeinden in ländlichen Gebieten wie Gramais (Tirol) mit 41, Tschanigraben (Burgenland) mit 65 und Namlos (Tirol) mit 73 Einwohnerinnen und Einwohner.

Bei der Einteilung der Landesfläche in städtische und ländliche Räume ist anzumerken, dass es derzeit keine einheitliche Definition für den „Ländlichen Raum“ gibt. Die Zuordnung zu „städtisch“ oder „ländlich“ basiert je nach Raumtypologisierung auf unterschiedlichen Bewertungskriterien und Abgrenzungen des Untersuchungsgebietes. Eine österreichische Raumtypologisierung ist die Urban-Rural-Typologie der Statistik Austria (siehe Grafik). Sie umfasst als Ergebnis 4 Hauptklassen: Urbane Zentren (Stadtregionen), Regionale Zentren, Ländlicher Raum im Umland von Zentren (Außenzone), Ländlicher Raum. Diese Hauptklassen werden einerseits anhand der Einwohnerzahl (Urbane Zentren) sowie anhand der Erreichbarkeit von urbanen und regionalen Zentren in zentral, intermediär sowie peripher in insgesamt 11 Klassen unterteilt. Als zusätzliches Kriterium wird die Bedeutung des Tourismus für alle Gemeinden ausgewertet und jene Gemeinden mit überdurchschnittlichem Tourismus können extra ausgewiesen werden.

Grafik Urban-Rural-Typologie inklusive Tourismuskriterium in Österreich - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Die Europäische Kommission arbeitet bei der Zuordnung zu „ländlich/städtisch“ mit den Raumtypologisierungen auf der „Urban-Rural-Typology“ auf NUTS-3-Ebene sowie dem „Degree of Urbanisation“ auf der Gemeindeebene. Die „Urban-Rural-Typology“ ist eine Typologisierung, basierend auf der NUTS-3-Ebene. Diese umfasst in Österreich die Zusammenfassung mehrerer politischer Bezirke in 35 NUTS-3-Regionen. Anhand der Urban-Rural-Typologie, die auf 1 km²-Zellanalysen der Bevölkerungsdichte basiert, erfolgt die Einteilung in die drei Kategorien: „überwiegend städtisch/predominantly urban“, „intermediär/intermediate“ und „überwiegend ländlich/predominantly rural“. Der „Degree of Urbanisation“ klassifiziert Gebietseinheiten auf „Local Administrative Units“, das ist in Österreich die Gemeindeebene. Alle österreichischen Gemeindegebiete werden nach dieser Typologisierung in drei Raumtypen unterteilt: in die „Städte“, die „Kleineren Städte und Vororte“ und in die „Ländlichen Gebiete“. Unter einer „Region“ versteht man in der Raumplanung eine Gebietseinheit, die von der Größe her zwischen einer Gemeinde und einem Bundesland liegt. Im Schwerpunkt „Meine Region – Heimat. Zukunft. Lebensraum.“ (siehe www.meine-regionen.at) beschäftigt sich das BMLRT mit den großen Herausforderungen der Regionen und setzt Schwerpunkte in den Bereichen Stärkung der regionalen Wirtschaft und Innovationsfähigkeit, Sichern der regionalen Daseinsvorsorge sowie Reduktion des Flächenverbrauchs.

Bodenverbrauch und Flächeninanspruchnahme

Böden bilden die Grundlage für Nahrungsproduktion, sauberes Trinkwasser, Naturräume und Siedlungsentwicklung. Durch die Vielzahl an unterschiedlichen Nutzungsansprüchen steht unsere Umwelt unter enormen Druck. Bevölkerungswachstum, Wohlstand, Mobilität und wirtschaftliche Aktivitäten: All das ist mit steigendem Bodenverbrauch verbunden. Wohnungen, Betriebsansiedlungen und Infrastruktureinrichtungen wie Einkaufszentren werden meist außerhalb oder an der Grenze bestehender Siedlungen, „auf der grünen Wiese“, gebaut. Negative Effekte, wie die Verödung von Ortskernen, Zersiedelung, leerstehende Wohnungen und brachliegende Betriebsstandorte in Ortszentren nehmen zu. Zerstreute Siedlungen verteuern die Infrastruktur der Gemeinden, da längere Wege den Aufwand von Wartung und Weiterentwicklung erhöhen. Insbesondere um Ballungszentren und in Regionen mit geringem Angebot an Dauersiedlungsraum wird durch hohe Nachfrage Bauland rasch teurer.

Grafik Flächeninanspruchnahme in Österreich - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Der steigende Bodenverbrauch geht überwiegend auf Kosten landwirtschaftlicher Flächen. Aufgrund von Umwidmungen von Agrarflächen und der zu ca. 40 % damit verbundenen Versiegelung der Böden mit Asphalt oder Beton, kommt es zu einem unwiederbringlichen Verlust an natürlich gewachsenen Böden für die Lebensmittel-, Futtermittel- und Saatgutproduktion. Diese Inanspruchnahme findet häufig in landwirtschaftlichen Gunstlagen statt, was langfristig die Eigenversorgung mit heimischen Lebensmitteln gefährdet. Der Schutz der endlichen Ressource Boden bildet somit das Grundgerüst für eine nachhaltige Entwicklung der Regionen und gleichzeitig die Chance, krisenfeste und lebenswerte Lebensräume zu sichern.

Die Aufgabe des Bodenschutzes bedarf einer Vielzahl an Akteurinnen und Akteure auf Bundes-, Länder-, Regionen-, Gemeinde- und Städteebene und kann nur durch Unterstützung aller mit einem abgestimmten und integrierten Vorgehen gelingen. Das BMLRT nimmt sich unter dem Themenschwerpunkt „Reduktion Flächenverbrauch/Bodenschutz“ um diese koordinierende Aufgabe an und setzt raumwirksame Maßnahmen im eigenen Wirkungsbereich um. Beispiele sind die vom BMLRT in Auftrag gegebenen Studien „Bodenverbrauch in Österreich“ sowie „Flächeninanspruchnahme durch Kompensationsmaßnahmen“. Die in Ausarbeitung befindliche Österreichische Bodenschutzstrategie knüpft an diese an und wird eine Strategie für das gemeinsame und umsetzungsorientierte Vorgehen aufzeigen. Im Jahr 2020 wurde eine Fläche von 41,84 km² (im 3-Jahresschnitt) in Anspruch genommen. Das konkrete Ziel ist es, den jährlichen Zuwachs bis 2030 auf netto 2,5 ha pro Tag bzw. 9 km² pro Jahr zu reduzieren.

Grafik Europäische Regionalfonds/Investitionen in Wachstum und Beschäftigung-Programm Österreich 2014-2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

EFRE/IWB-Programm Österreich 2014–2020

Der Europäische Regionalfonds (EFRE) unterstützt das Ziel „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung 2014–2020“ (IWB). Im Rahmen dieses Ziels stehen für das österreichweite „EFRE/IWB-Programm 2014–2020“ insgesamt 660 Millionen Euro für die Ko-Finanzierung von Projekten zur Verfügung. Enthalten sind in diesem Betrag auch die von der EU zusätzlich bereit gestellten 124 Millionen Euro EFRE-Mittel zur Folgenbekämpfung der COVID-Krise (REACT-EU). EFRE/IWB-Förderungen werden in Kombination mit privaten sowie national öffentlichen Mitteln des Bundes und der Länder vergeben. Das bisher genehmigte gesamte Investitionsvolumen beträgt rund 2,6 Milliarden Euro. Bis Ende Mai 2020 wurden insgesamt 1.459 Projekte mit einem EFRE-Volumen von 485,5 Millionen Euro genehmigt. Die EFRE/IWB-Mittel werden für die in der Tabelle angeführten Programm-Prioritäten beziehungsweise Maßnahmenbereiche eingesetzt.

Grafik Europäische territoriale Zusammenarbeit-Programme 2014-2020 - Grenzüberschreitende, bilaterale Kooperation - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

ETZ-Programme 2014-2020

Europäische territoriale Zusammenarbeit (ETZ), auch als INTERREG bezeichnet, ist ein EFRE-Ziel beziehungsweise Ziel der EU-Kohäsionspolitik 2014–2020. ETZ bietet einen Rahmen für die Umsetzung von gemeinsamen Projekten zwischen nationalen, regionalen und lokalen Akteurinnen und Akteuren aus verschiedenen Mitgliedstaaten. In der Periode der Europäischen Struktur- und Investitionsfonds 2014–2020 beteiligt sich Österreich im Rahmen des Ziels ETZ an insgesamt sieben „grenzüberschreitenden“ Programmen, drei „transnationalen“ Programmen sowie an EU-weiten Netzwerkprogrammen.

Grafik Europäische territoriale Zusammenarbeit-Programme 2014-2020 - transnational und Netzwerke - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen
Grafik LEADER in Österreich - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

LEADER in Österreich

LEADER ist ein Maßnahmenprogramm der Europäischen Union, das innovative Aktionen im ländlichen Raum fördert. Es wird aus mit Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) finanziert und dient dazu, die Regionen in ihrer eigenständigen Entwicklung zu unterstützen. Die Bevölkerung vor Ort wird dabei aktiv eingebunden. 77 Regionen wurden im Jahr 2015 in einem mehrstufigen Auswahlverfahren als LEADER Regionen in Österreich anerkannt. Dazu erarbeitete jede Region eine umfassende Lokale Entwicklungsstrategie (LES). Für die Umsetzung der Lokalen Entwicklungsstrategie ist die Lokale Aktionsgruppe (LAG) verantwortlich. Diese setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern lokaler öffentlicher Einrichtungen (wie Gemeinden, Verbände und Behörden), privater Gruppen (wie Vereine und Unternehmen) sowie aus Privatpersonen zusammen. In jeder LEADER Region unterstützt ein eigenes Management die Umsetzung der LES. Eine Übersicht über rund 800 Projekte der Periode LE 14–20 und eine Auswahl von Projekten der Periode LE 07–13 sind in der Projektdatenbank des Netzwerks Zukunftsraum Land unter www.zukunftsraumland.at/projekte abfragbar.

Grafik LEADER Regionen in Österreich - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen