2. Dialogveranstaltung in Elixhausen zum Thema: Gemeinsam Bodenverbrauch reduzieren

Dialogveranstaltung "Bodenschutz"
Foto: BMLRT / Paul Gruber

Nach dem Kick-Off am 1.10. in Gleisdorf sowie der 1. Dialogveranstaltung am 3.11. zur „Sicherung der Regionalen Daseinsvorsorge“ fand am 5.11. die 2. Dialogveranstaltung zur „Reduktion des Bodenverbrauchs“ in der HBLA Ursprung statt. Gemeinsam mit Bundesministerin Köstinger wurden Herausforderungen, Chancen und Best-Practice Beispiele mit Vertreter/innen verschiedener Fachrichtungen diskutiert.

Boden als zentrale Ressource unserer Regionen

Die Lebensqualität in unseren Regionen steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Zustand und Erhalt unserer Böden. Sie erfüllen zahlreiche für uns wichtige Funktionen wie beispielsweise das Zurückhalten von Niederschlagswasser, das Filtern von Schadstoffen, das Speichern von CO2 sowie die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln. Darüber hinaus prägen sie die vielfältigen Landschaften und tragen somit zur Identitätsstiftung bei.

„Gesunde Böden sind die Grundlage für lebenswerte Regionen. Sie schützen vor Hochwässern und Hitzeinseln, speichern CO2, versorgen uns mit regionalen Lebensmitteln und prägen unser einzigartiges Landschaftsbild.“

Dialogveranstaltung "Bodenschutz"
Foto: BMLRT / Paul Gruber

Jedoch werden noch immer rund 11,5 Hektar pro Tag für Siedlungs- und Verkehrsflächen in Anspruch genommen. Dies entspricht für das Jahr 2020 einer Neuinanspruchnahme von 39 km², womit österreichweit nun insgesamt 5.768 km² für diese Zwecke in Anspruch genommen werden, was 18 Prozent des Dauersiedlungsraumes von Österreich entspricht.

Zusammenarbeit als wesentlicher Erfolgsfaktor

„Die Eindämmung der Flächeninanspruchnahme und der Bodenversiegelung sind ein Gebot der Stunde, denn wir erreichen das Ziel nur, wenn wir alle an einem Strang ziehen“, so Regionenministerin Elisabeth Köstinger. Ein erster großer Meilenstein konnte bereits am 20. Oktober im Rahmen der Österreichischen Raumordnungskonferenz erreicht werden: So haben sich auf Initiative von Frau Bundesministerin Elisabeth Köstinger Bund, Länder, Städte und Gemeinden auf die Erarbeitung der „1. Bodenstrategie für Österreich“ binnen eines Jahres geeinigt.

„Die Eindämmung der Flächeninanspruchnahme und der Bodenversiegelung sind ein Gebot der Stunde. Denn wir erreichen das Ziel nur, wenn wir alle an einem Strang ziehen.

Aus diesem Grund lud Bundesministerin Elisabeth Köstinger Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen Fachrichtungen und aus der Bevölkerung nach Elixhausen in Salzburg ein, um mit ihr gemeinsam Herausforderungen, Chancen und Best-Practice Beispiele zu diskutieren und gemeinsam Ideen und Handlungsvorschläge auszuarbeiten.

Eröffnung

Die Leiterin der Sektion "Tourismus und Regionalpolitik", Ulrike Rauch-Keschmann, sowie der Leiter der Abteilung "Koordination Regionalpolitik und Raumordnung", Georg Schadt, betonten in ihren Reden eingangs die hohe Relevanz des Bodens für lebenswerte Regionen sowie die zeitliche Notwendigkeit einer nachhaltigen Raumordnung. Dazu sei es wichtig, in einen gemeinsamen Austausch zu treten und Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen und Regionen mitzunehmen, um darauf aufbauend an den richtigen Stellschrauben zu drehen.

Lassen Sie uns gemeinsam an diesen Zielen arbeiten, denn nur, wenn wir zusammenarbeiten und unsere Kräfte bündeln können wir sie zum Nutzen aller Menschen in unserem Land erreichen!

Herr Dipl.-Ing. Helmut Hiess (Rosinak&Partner) führte die Teilnehmenden in seiner Keynote durch eine Zeitreise der Österreichischen Raumentwicklung und zeigte anschaulich auf, dass wir inmitten eines weitreichenden Transformationsprozesses weg von erdölbasierten hin zu erneuerbaren Produktionsfaktoren stehen, der folglich der Ressource Boden wieder erneut einen Wert beimessen wird. Kurzum: Durch die Klima- und Biodiversitätskrise werden wieder vermehrt flächenintensive Nutzungen z. B. für die Biomasse- und Energieproduktion benötigt, was folglich wieder zu Nutzungskonkurrenzen führen wird, die durch das Einläuten des fossilen Zeitalters aufgelöst wurden. Darauf aufbauend zeigt ein Blick in die Zukunft mittels verschiedener Szenarien deutlich auf, dass eine Reduktion auf 2,5 Hektar bis 2030 ein Gebot der Stunde sei. Dies sei ein sehr ambitioniertes Bundesziel, doch, so Helmut Hiess, ein durchaus realisierbares Ziel. Dazu brauche es jedoch Mut und Zusammenarbeit.

Dialogveranstaltung "Bodenschutz"
Foto: BMLRT / Paul Gruber

„Es braucht Mut! Es braucht Zusammenarbeit. Es geht“.

Arbeitsformate und Fragestellungen

Beim sogenannten Themen-Marktplatz stellten eingangs Expertinnen und Experten verschiedene raumrelevante Themen vor und boten allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit zum Austausch und zur Diskussion:

  • ÖREK 2030 - Umsetzungspakt „Bodenstrategie für Österreich“ (BMLRT, Rosinak&Partner)
  • „Boden g’scheit nutzen“ - Baukultur in ländlichen Räumen (Verein LandLuft)
  • Stärkung von Orts- und Stadtkernen im Rahmen des GAP-Strategieplans 23-27 (BMLRT)
  • Zwischenergebnisse der Studie „Leerstand mit Aussicht“ (Technische Universität Wien)
  • Potentiale nutzen – Brachflächenrecycling (Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie)
  • Überörtliche Raumplanung/Raumordnung (Amt der Salzburger Landesregierung, Amt der Tiroler Landesregierung)
Dialogveranstaltung "Bodenschutz"
Foto: BMLRT / Paul Gruber

Um darauf aufbauend konkrete Ziele und Maßnahmen ableiten zu können, wurde im Rahmen themenspezifischer Arbeitsgruppen intensiver an folgenden Themen gearbeitet:

  • Innenentwicklung vor Außenentwicklung, aber wie?
  • Zweitwohnsitze: Flächeneffiziente Lösungen gesucht!
  • Reduktion der Flächeninanspruchnahme durch den Schutz des Außenbereiches?
  • Bewusstsein schaffen als Grundlage
Dialogveranstaltung "Bodenschutz"
Foto: BMLRT / Paul Gruber

Nach diesen beiden Arbeitsformaten wurden die erarbeiteten Inhalte nochmals kurz vorgestellt und gemeinsam mit Frau Bundesministerin Elisabeth Köstinger und Herrn Landesrat Josef Schwaiger nach Prioritäten bewertet.

Hohe Zustimmung fanden dabei die von Herrn Hermann Öggl vom Amt der Tiroler Landesregierung vorgestellten Landwirtschaftlichen Vorsorgeflächen, welche in Regionalprogrammen per Verordnung festgelegt sind. Somit werden großflächige und landesweit bzw. regional bedeutsame Bereiche der landwirtschaftlichen Produktion vor Verbauung geschützt. Aktuell sind bereits 20 Prozent des Tiroler Dauersiedlungsraumes als landwirtschaftliche Vorsorgeflächen ausgewiesen.

Als zentrales Thema wurde auch eine breite Bewusstseinsbildung genannt. Grundsätzlich herrscht Konsens darüber, dass es bereits eine Vielzahl an gelungenen Beispielen in den Gemeinden sowie in der kommunalen Zusammenarbeit gibt, doch bedarf es weiterer, zielgruppenspezifischer Maßnahmen, um in allen Bereichen ein Mainstreaming zum Thema Bodenschutz zu erreichen. Wie so ein konkreter Beitrag dazu aussehen kann, zeigte die HLBLA-Ursprung, landwirtschaftliche Fachschulen in Salzburg sowie das Architekturzentrum Wien (AzW) unmittelbar vor. Denn ab dem 05. November ist die Ausstellung „Boden für Alle“ vom AzW in der HLBLA-Ursprung aufgebaut und dient dadurch der Weiterbildung im agrarischen Bildungswesen und darüber hinaus.

Abschließend bedankte sich Frau Bundesministerin Elisabeth Köstinger für das große Interesse und die guten Ideen bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und machte deutlich, dass wir alle vor großen Herausforderungen stehen. Ein Blick auf engagierte Vorreiterinnen und Vorreiter wie beispielsweise das Land Salzburg zeigen jedoch auf, dass das Erreichen dieser ambitionierten Ziele möglich ist.

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