Schneebergland Jungrind

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Die Aufzucht von Schneebergland Jungrind ist das Ergebnis von Traditionellem Wissen um die Zucht und extensive Viehhaltung über Jahrhunderte hinweg in der Region Schneebergland, Niederösterreich.

Registernummer: 112

Offenlegungsdatum

Die Rinderhaltung in der Region geht vermutlich auf Ende des 12. Jahrhunderts zurück.

Titel

Schneebergland Jungrind

Kurzdarstellung oder Behauptung

Die Aufzucht von Schneebergland Jungrind ist das Ergebnis von Traditionellem Wissen um die Zucht und extensive Viehhaltung über Jahrhunderte hinweg in der Region Schneebergland, Niederösterreich.
Das Fleisch des Schneebergland Jungrindes zeichnet sich besonders durch seinen exzellenten Geschmack, seine zarte Marmorierung, die hellrote Farbe sowie eine besondere Zartheit, bedingt durch die spezielle Reifung, aus.
Schneebergland Jungrind ist eine Kreuzung aus heimischen Fleckvieh und französischen Charolais-Rindern beziehungsweise einer Kreuzung aus heimischem Fleckvieh und der Rasse Limousin.
Die Schneebergland Jungrinder stammen aus Mutterkuhhaltung und werden ausschließlich in der Region Schneebergland geboren, aufgezogen und geschlachtet.
Die umweltbewusste und bodenschonende Bewirtschaftung der Höfe und Almen trägt wesentlich zur nachhaltigen Aufrechterhaltung der alpinen Landschaft in der Region bei.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Rindfleisch, Frischfleisch

Name der Region

Schneebergland, Niederösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Johann Steiner
Verein „Beef-Ring Schneebergland – Bucklige Welt“

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

42 Mitglieder im Verein Schneebergland-Beef

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Bereits im 5. Jahrtausend vor Christus wurden die natürlichen Weideflächen oberhalb der Waldgrenze in Österreich genutzt.
Im 7. Jahrhundert nach Christus begann die alpine Weidewirtschaft und wurde in Folge weiterentwickelt.

Im Mittelalter, spätestens an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert, führte der steigende Bedarf an Grund und Boden zur Entstehung von ganzjährig bewohnten Siedlungen in höheren Gebieten.

In den Jahren um 1700 wurden zahlreiche Almgebiete an Adelige, Bauern und Unternehmer zur Nutzung als Weiden, Jagdgebiete und zur Forstwirtschaft verkauft.
Im 17. und 18. Jahrhundert waren zahlreiche Almen von Rindern beweidet, so auch die Region Schneebergland.

Rinderhaltung in der Region:
Der Beginn der Rinderhaltung in der Region rund um die Bucklige Welt (Niederösterreich) dürfte unmittelbar mit der Rodung der Landschaft durch das Adelsgeschlecht Zigersberger (Ende 12. Jahrhundert/ Anfang 13. Jahrhundert) einhergehen.

Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde vermehrt mit dem Auf- und Ausbau der Mutterkuhhaltung in ganz Österreich begonnen.

Die ersten Kreuzungen des heutigen „Schneebergland Jungrinds“ gehen auf einen Züchter aus Kirschschlag in der Region Bucklige Welt ab etwa 1985 zurück.

1992 wurde die Erzeugungs- und Vermarktungsgemeinschaft „Beef-Ring Schneebergland – Bucklige Welt“ mit heute 42 Mitgliedern gegründet und die Wort/Bild-Marke „Schneebergland“ (Dachmarke) beim Österreichischen Patentamt eingetragen.

2009 wurde der Verein in „Genussregion Schneebergland Jungrind“ umbenannt.

Gebiet/Region:

Im Kontext mit Genuss Region Schneebergland Jungrind umfasst das Produktionsgebiet die Bezirke Neunkirchen und Wiener Neustadt im südliche Teil des Bundeslandes Niederösterreich.

Das Produktionsgebiet liegt rund um den Schneeberg (2.076 Meter), dem höchsten Berg Niederösterreichs, und umfasst die Hügel der Buckligen Welt, das Wechselgebiet bis hin zur Hohen Wand und das Schneebergland.
Der Schneeberg liegt in den Niederösterreichisch-Steirischen Kalkalpen.

Die Weideflächen des Schneebergland Jungrindes befinden sich auf einer Seehöhe von 400 bis zu 1200 Meter.

Boden- und Klimaverhältnisse:
Die Böden bestehen aus Kalk- und Dolomiten sowie aus tertiärem Schotter.
Klimatisch gesehen liegt die Region Schneebergland im Übergangsgebiet vom humiden, niederschlagsreichen Randalpenklima zum pannonisch beeinflussten, niederschlagsärmeren Alpenostrandklima mit entsprechend ausgeprägtem Niederschlagsgradienten in West-Ost-Richtung.

Das Wechselgebiet, ein Mittelgebirge an der Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark, fungiert als Wetterscheide, was sich durch einen deutlich höheren Niederschlag, sowohl im Sommer als auch im Winter, äußert.

Die Sommer sind für gewöhnlich mild, die Winter sind kalt und schneereich.
Die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 1000 Millimeter.

Die regionalen Boden- und Klimabedingungen ergeben eine Bergflora, die durch eine Vielfalt an alpinen Pflanzen gekennzeichnet ist.
Die spezielle Artenvielfalt an Gräsern und Kräutern in Futter und Heu liefert die Basis für den einzigartigen Geschmack des Schneebergland Jungrindes.

Die extensive Weidehaltung der Rinder trägt zur Stabilität der Vegetationsdecke sowie zur Verbesserung des Wasserspeichervermögens des Bodens bei.

Schneebergland Jungrind:

Schneebergland Jungrind entstammt ausschließlich aus Mutterkuhhaltung. Daraus ergibt sich, dass das Schneebergland Jungrind in ein und demselben Betrieb in der Region Schneebergland geboren und aufgezogen wird.

Als Muttertiere dürfen ausschließlich kombinierte Zweinutzungsrassen, nämlich das Fleckvieh und Kombinationen daraus, verwendet werden. Die Kreuzung der Muttertiere ist nur mit den männlichen Rassen Charolais und Limousin erlaubt. Sowohl Mutter- als auch Vatertiere werden in der Region geboren.

Rassenbeschreibung:
Das Fleckvieh ist die in der Mutterkuhhaltung in Österreich am häufigsten eingesetzte Rasse. Die Kennzeichen des Fleckviehs sind ein weißer Kopf, was auch bei Kreuzungen in der F1 – Generation dominant vererbt wird. Der Rumpf ist einfarbig bis gescheckt bei hellgelber bis dunkelroter Farbe, die Unterbeine sind immer weiß. Kühe erreichen eine Widerristhöhe von etwa 140 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 650 bis 800 Kilogramm. Stiere erreichen 150 Zentimeter bei bis zu 1300 Kilogramm Lebendgewicht. Die Vorteile des Zweinutzungsrindes sind die gute Milchleistung, gute Mutterkuheigenschaften sowie die Eignung als Mutterrasse in der Gebrauchskreuzung mit Fleischrassentiere.

Die großrahmigen Charolais stammen ursprünglich aus Frankreich und besitzen eine weiße Farbe. Diese Rasse ist ein Garant für höchste tägliche Gewichtszunahmen, wobei auf Grund der Spätreife auf hohe Endgewichte gemästet werden kann, da diese Rasse kaum verfettet.

Die rotbraune bis rötlich-gelbe französische Rasse Limousin ist etwas kleiner und frühreifer als die Charolais und bringt etwas geringere Tageszunahmen in der Mast.

Erzeugungsverfahren:

Zucht/Mast:
Die Haltung der Tiere ist so zu gestalten, dass in jeder Lebensphase ein optimales Wohlbefinden sichergestellt wird.

Im Winter wachsen die Kälber im Laufstall (Ställe mit Freilauf) neben der Mutter auf, im Sommer befinden sich die Tiere frei grasend auf Almen und Wiesen in der Region. Jedem Rind steht dabei eine Weidefläche von rund 1,5 Hektar zur Verfügung.
Die Tiere sind gut an die Klima- und Bodenverhältnisse angepasst.

Die Besamung der weiblichen Tiere erfolgt auf natürlichem Wege.
Während der Abkalbung werden die männlichen Tiere nicht von der Herde abgetrennt.

Die Abkalbungszeit umfasst das ganze Jahr, jedoch erfolgt eine vermehrte Abkalbung in den Frühjahrsmonaten. Die Tiere werden unmittelbar nach der Geburt auf die Weide gebracht und verbleiben dort bis zur Schlachtung mit circa 10 bis 12 Monaten.

Fütterung:
Die Kälber werden von der Geburt bis zur Schlachtung von der Mutterkuh gesäugt und erhalten als Zusatzfutter ausschließlich Weide beziehungsweise Heu.
Das Futter der erwachsenen Tiere kommt ausschließlich von den eigenen Weiden.

Die Verwendung von Mastfutter ist sowohl für Mutterkuh als auch Jungtiere verboten. Schneebergland-Beef wird ohne Soja und daher mit Sicherheit absolut gentechnikfrei hergestellt.
Insbesondere werden sie nicht mir Futtermitteln gefüttert, die nach der neuen EU–Kennzeichnungsverordnung 1829/2003 kennzeichnungspflichtig sind.
Die Haltung auf Spaltböden ist verboten.

Transport und Schlachtung:
Jährlich werden rund 1.000 Tiere geschlachtet, etwa 600 davon gehen zu einem Großabnehmer und damit in den Fleischfachhandel, der Rest wird selbst vermarktet.
Die Schlachtung der Tiere erfolgt stressfrei in der Region am EU Schlachthof Höller in Zöbern. Anschließend werden die Tiere sofort in die Zentrale der Firma Radatz in Wien-Erdberg beziehungsweise zu 2 lokalen Fleischereien geliefert und fachmännisch zerlegt.

Reifung:
Die Fleischreifung erfolgt sowohl am Schlachthof Höller in Zöbern als auch bei der Firma Radatz.
Durch ein spezielles, patentiertes Reifungs-System („Genuss-Plus-Reifung“) wird das Fleisch besonders zart. Dabei werden alle Fleischteile eines Tieres in einem Behälter dicht aneinander geschlichtet, mit einer Platte beschwert und 21 Tage bei 0 bis 2 Grad Celsius gelagert. In dieser Zeit lockert sich die Struktur auf natürliche Weise, die Fettmarmorierung und der Saft jedes Stückes bleiben voll erhalten.

Fleischbeschreibung:
Fleisch vom Schneebergland Jungrind stammt von 10 bis 12 Monate alten Tieren, die zu diesem Zeitpunkt etwa 280 bis 350 Kilogramm wiegen (Schlachtgewicht 180 bis 240 Kilogramm).
Das Fleisch stammt ausschließlich von Rindern, die in der Region Schneeberg/Bucklige Welt geboren und aufgezogen wurden.

Das Fleisch vom Schneebergland Jungrind zeichnet sich durch feine Marmorierung aufgrund von intramuskulären Fetteinlagerungen aus. Es hat eine glatte, feine Textur und eine rosa bis hellrote Farbe. Diese Eigenschaften sind zusammen mit einer optimalen Fleischreifung verantwortlich für den exzellenten Geschmack, die Saftigkeit und Zartheit des Fleisches nach der Zubereitung. Das Fleisch weist ein einzigartiges Aroma und einen einzigartigen Geschmack auf, welche in direktem Zusammenhang mit der aufgenommenen lokalen alpinen Flora stehen.

Der Geschmack ist besonders aromatisch und würzig. Das Fleisch ist sehr, mager zart, feinfasrig und bekömmlich.
Schneebergland Jungrind erreicht in der EUROP-Klassifizierung die Fleischklassen „E“, „U“ und „R“. Klasse 1 und 2 im Fettgehalt.

Ernährung:
Das Fleisch der Bergrinder ist besonders hochwertig. Es weist einen hohen Anteil an gesunden, essentiellen Makro- (hochwertiges Eiweiß) und Mikro-Nährstoffen (Vitamine B1, B6 und B12, Eisen, Selen, Zink) sowie einen hohen Gehalt an konjugierten Linolsäuren auf.
Das Rindfleisch aus der Region Schneebergland wirkt sich erwiesenermaßen positiv auf Cholesterinspiegel und Leistungsfähigkeit aus.

Ursprungsnachweis:
Schneebergland Jungrind ist identifiziert durch offizielle Ohrmarken, gemäß der österreichischen Tierkennzeichnungs- und Registrierungsverordnung 2007, und ist in einer Datenbank registriert.
Die Rückverfolgbarkeit sowohl der Rinder als auch des Rinderbauernhofes wird am Verkaufsort durch das „bos” System der AMA (Agrar Markt Austria) sichergestellt. Das „bos“ Symbol ist Kennzeichen für Rindfleisch und garantiert die volle Rückverfolgbarkeit von der Geburt des Tieres an bis zum angerichteten Fleisch.

Qualitätskontrolle:

Lebende Rinder und Rinderhälften werden von Veterinären aufgrund gesetzlicher Bestimmungen kontrolliert.
Die herausragende Qualität des Schneebergland Jungrindes ist das Ergebnis strenger, kontrollierter Richtlinien in Produktion (Zucht, Fütterung, naturgemäße Haltung, stressfreie Schlachtung), Verarbeitung und Vermarktung des Fleisches.
Durch den Ab-Hof-Verkauf kann sich der Konsument direkt von der streng kontrollierten Qualität überzeugen.
Zur Herstellung von Wurst aus dem Fleisch des Schneebergland Jungrindes werden die Zutaten vom Fleischstück übers Wasser bis zu den Gewürzen in Eigenkontrolle überprüft und von außen durch Amtsveterinäre und Lebensmittelchemiker permanent kontrolliert.

Vermarktung:

Die Vermarktung des Schneebergland Jungrindes erfolgt über den Großabnehmer Firma Radatz AG sowie über 2 lokale Fleischereien.
Darüber hinaus erfolgt die Vermarktung über rund 40 Selbstvermarkter sowie  Ab-Hof beziehungsweise durch Zulieferung.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen

  • Besondere Boden- und Klimaverhältnisse ermöglichen in der Region Schneebergland eine extensive Rinderweidehaltung auf alpinen Weiden.
  • Traditionelle, charakteristische Haltungssysteme: Extensivhaltung der Herden und die Nutzung von Almenweiden während der Vegetationszeit.
  • Ausgeprägte Bodenständigkeit: Ernährung der Rinder durch Muttermilch, alpine Weidegräser und Kräuter und reinem, frischem Quellwasser aus dem Almengebiet.
  • Dank dieser Weidehaltung kann Rinderfleisch mit charakteristischer Zusammensetzung und Marmorierung erzeugt werden. Das Fleisch besitzt ein einzigartiges Aroma und Geschmack, die in direkter Beziehung zur aufgenommenen lokalen alpinen Flora stehen.
  • Die Aufzucht von Schneebergland Jungrind ist das Ergebnis Traditionellen Wissens, das von Generation zu Generation weitergegeben wird: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Tierhaltung (Anpassung der Haltung der Herde an die Gegebenheiten der Umwelt, historische Auswahl von Lokalrassen, Know-how der Hirten, Art der Rinderfleischproduktion, Verbesserung des Erbguts), Know-how der Schlachter (Tiertransport, Erfahrung bei Schlachtung und Zerlegung, spezielles Fleischreifungssystem) und die Erfahrung der Erzeugerorganisation (Verband Schneebergland-Beef) und Vermarkter.

Verwertung:

Das Fleisch des Schneebergland Jungrindes ist sehr mager und eignet sich besonders zum Grillen und Braten. Als Spezialität gelten die Fleischteile Rostbraten, Beiried oder Schulterscherzl sowie magerer Rindersaftschinken.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Region, Niederösterreich, Schneeberg, Schneebergland, Rind, Jungrind, Schneebergland Jungrind

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 23. Februar 2009.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Johann Steiner
Verein „Beef-Ring Schneebergland – Bucklige Welt“
Klingfurt 1
2802 Bromberg
Telefon: +43 2627 48404
E-Mail: steiner.almhof@aon.at

Autoren

Mag.a Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Weiterführende Informationen