Wintertagung im Zeichen der Kennzeichnungspflicht

Agrarische Wintertagung 2022
Foto: BMLRT / Paul Gruber

Dem Thema "Zukunft dank Herkunft? – Im Spannungsfeld zwischen globalen Märkten und regionaler Versorgung“ widmet sich die diesjährige, 69. Wintertagung des Ökosozialen Forums, die heute eröffnet wurde und noch bis 3. Februar mit rund 130 Expertinnen und Experten Bereiche wie GAP-Reform, Green Deal oder regionale Versorgung beleuchtet.

Die heimische Landwirtschaft steht vor anhaltenden Herausforderungen wie der anhaltenden Pandemie oder Trockenheit und Unwetter. Vor dem Hintergrund von GAP, Green Deal sowie internationalen Handelsabkommen und Konflikten steigen die Rohstoff- und Energiepreise, gleichzeitig stieg die Nachfrage nach regionalen Produkten enorm an.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger verwies zum Thema Herkunftskennzeichnung auf das bereits fertige Gesetz, das demnächst in Begutachtung gehen wird: "Die Konsumentinnen und Konsumenten wollen bei verarbeiteten Produkten sehen, woher die wertvollen Rohstoffe wie Fleisch, Eier und Milch stammen. Es wird künftig nicht mehr möglich sein, Inhaltsstoffe aus anderen Ländern zu verwenden und mit Österreich zu werben. Das muss auch auf EU-Ebene lückenlos umgesetzt werden, denn wenn man eine Strategie vom Acker bis zum Teller umsetzt und dann die Produkte nicht entsprechend kennzeichnet, führt sich das System ad absurdum.“

Stephan Pernkopf, Präsident des Ökosozialen Forums verwies darauf, dass der GAP-Strategieplan am Tisch liege. Er wünsche sich jedoch ein europäisches Umdenken für die nächsten Jahre: "Wenn der Green Deal dazu führt, dass die Lebensmittel-Produktion merklich sinkt, dann ist es der falsche Weg, der zu mehr Abhängigkeit, mehr CO2-Ausstoß und mehr Kondensstreifen am Himmel führen wird. Die Folge sind höhere Lebensmittelpreise für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Daher sollten wir Energie und Lebensmittel in Österreich und Europa produzieren.“

Elisabeth Köstinger hob die positiven Effekte der COVID-Pandemie für die Landwirtschaft hervor: "Durch die COVID-Pandemie hat ein Umdenken in der Gesellschaft stattgefunden. 2020 hatten wir mit plus 24 Prozent das historisch höchste Wachstum bei der Nachfrage nach regionalen Produkten aus Direktvermarktung. Die Konsumentinnen und Konsumenten fragen auch verstärkt Herkunft und Produktionsweise nach und machen sich Gedanken über die künftige Landwirtschaft." 

Um unfaire Handelspraktiken künftig zu verhindern, gilt seit 1. Jänner 2022 ein neues Gesetz, zudem wird ab 1. März eine Ombudsstelle für Betroffene eingerichtet. Ziel ist es, dass Handels- und Verarbeitungsbetriebe die Bäuerinnen und Bauern nicht mehr unter Druck bringen können.