UN Food Systems Pre-Summit: auf dem Weg zu einem gerechteren globalen Ernährungssystem

Enblem für den Pre-Summit

Zur Vorbereitung und Themenschärfung des für September 2021 in New York anberaumten UN Food Systems Summits fand vom 26.-28. Juli bereits ein Pre-Summit in Rom (teils virtuell) statt.
 

Es ist nicht mehr lang bis zum Jahre 2030. Bis dahin sollte die Weltgemeinschaft die sich selbst gesetzten Ziele der Agenda 2030, die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele, erreicht haben, darunter SDG 2, die völlige Beseitigung des weltweiten Hungers. Wahrscheinlich war dies der maßgebende Gedanke, der UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Welternährungstag 2019 (16. Oktober) bewog, für September 2021 einen Food Systems Summit einzuberufen. Die Tatsache, dass sich die Lage durch Covid-19 und dem Klimawandel seither noch verschärft hat, bestätigt die Richtigkeit der Entscheidung.

Ausgehend von dieser Ankündigung wurde ein Team unter der Leitung der stellvertretenden UN Generalsekretärin Dr. Amina Mohammed und der Sonderbeauftragten Dr. Agnes Kalibata beauftragt, einen weltweiten Prozess anzustoßen, in dem sich höchst partizipativ ca.  35.000 Menschen quer über alle Bevölkerungs- und Berufsgruppen – auch solchen nicht mit der Landwirtschaft Befassten – in Form von nationalen Dialogen in 145 Ländern mit vielversprechenden Problemlösungsmodellen beschäftigten. Diese Inklusivität ist ein Kernpunkt: die Mitarbeit von Indigenen, der Jugend als Träger der Zukunft, von Frauen, des Privatsektors war und ist ausdrücklich erwünscht. Der Pre- Summit in Rom und der eigentliche Food Systems Summit in New York sollen „Peoples Summit“ werden. Unterstützt wurde das Team durch einen wissenschaftlichen Beirat unter der Leitung von Joachim von Braun, einem Advisory Board und einer in Rom aus den Ständigen Vertretern bestehenden Group of Friends.

Zur Vorbereitung des UN-Food Systems Summits fand nun auf Einladung Italiens – dem Sitzstaat der drei sich mit Ernährung und Landwirtschaft sich beschäftigenden UN-Institutionen FAO, WFP und IFAD – ein sogenannter Pre-Summit vom 26.-28. Juli – coronabedingt in hybrider, also teils virtueller Form – statt. 500 Personen aus 108 Ländern durften persönlich in den Räumlichkeiten der FAO teilnehmen, darunter 62 Minister und Ministerinnen sowie für die Europäische Union Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski. 20.000 Menschen verfolgten weltweit online die Veranstaltungen, die sich mit Unterernährung, Fehlernährung und Mangelernährung, der Beseitigung von Nahrungsmittelverlusten und Nahrungsmittelabfällen, den wechselseitigen Auswirkungen des Landwirtschaft auf den Klimawandel und umgekehrt sowie dem Verlust der Biodiversität beschäftigten. Laut den Begrüßungsworten von UN-Generalsekretär Antonio Guterres ist die Landwirtschaft in ihrer jetzigen Form zu einem Drittel an den Treibhausgasemissionen und zu bis zu 80% am Verlust der Biodiversität beteiligt. Ein weiter so ist somit nicht möglich, es braucht weltweite Lösungen in Form neuer innovativer Ideen, in Form von Partnerschaften und Koalitionen zu einzelnen Themenbereichen wie der school meals coalition (Förderung von Schulmahlzeiten in Entwicklungsländern mit dem Ziel, der Jugend sowohl Nahrung als auch grundlegende Bildung in einem anzubieten) oder der Koalition zu Agroökologie. Ebenso klar wurde, dass sich die weltweite Landwirtschaft nicht über einen Kamm scheren lässt. Es gibt kein „one size fits all“, maßgeschneiderte Lösungen müssen her, der Weg dazu ist die Vorstellung von best practise Beispielen und dem Dialog der Gemeinschaften untereinander. Eine Folge der Vorbereitung ist laut Dr. Kalibata das Denken in Ernährungssystemen. Die Probleme, vor denen die Weltgemeinschaft steht, erfordern einen holistischen Ansatz, eine Abkehr vom Silodenken und mehr Zusammenarbeit auf allen Ebenen.

Viele Ausschnitte des Pre-Summits lassen sich on demand nachschauen. Alle Links zu den Videos finden Sie am Ende des Artikels. 

Wie geht es weiter? Was erwartet man sich vom eigentlichen Food Systems Summit im September?

Auch über den Sommer gehen die Vorbereitungsarbeiten für einen erfolgreichen UN Food Systems Summit weiter. Der UN-Generalsekretär wird im Herbst ein Statement of Action  mit einer Vision eines adaptierten Ernährungssystems vorlegen, das die Weltgemeinschaft verabschieden wird. Gleichzeitig erhofft man sich zahlreiche Beispiele für Änderungen in den Ernährungssystemen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene und ein möglichst breites Commitment von Regierungen, der Zivilgesellschaft, des Privatsektors, der Jugend, den Städten und sonstigen Stakeholdern. Klar ist, dass die Entwicklung auch nicht im September mit dem Gipfel abgeschlossen ist; der Rahmen für den post-summit Prozess ist beim Gipfel abzustecken, damit letztlich durch die erstarkte weltweite politische Dynamik die Erreichung der Agenda 2030 Ziele wahrscheinlich wird.

UN FSS Pre-Summit opening video

Weiterführende Informationen