Neuen Ansätzen eine Chance geben!

Wien - Strategiepräsentation des Netzwerks Kulinarik am 10.05.2019 mit Frau Bundesministerin Elisabeth Köstinger
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Mit Herbst 2019 wurde in insgesamt 14 Expertinnen- und Expertengruppen mit der Diskussion und Erarbeitung von Förderungsmaßnahmen (Interventionen) im Rahmen des zukünftigen GAP-Strategieplans gestartet. Mag.a Katharina Maierhofer gibt einen Einblick in die Arbeitsweise und die behandelten Themen ihrer Gruppe.

Mit Herbst 2019 wurde in insgesamt 14 Expertinnen- und Expertengruppen mit der Diskussion und Erarbeitung von Förderungsmaßnahmen (Interventionen) im Rahmen des zukünftigen GAP-Strategieplans gestartet. Unter der Leitung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus sind rund 200 Personen aus der Bundes- und Landesverwaltung, den Wirtschafts- und Sozialpartnern sowie Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in diesen Prozess eingebunden.

Mag.a Katharina Maierhofer, Leiterin der Expertinnen- und Expertengruppe für „Kooperationen im land- und fortwirtschaftlichen Umfeld“ gibt im nachfolgenden Interview einen Einblick in ihre Arbeitsgruppe.

Sehr geehrte Frau Maierhofer,

Mit welchem Thema beschäftigen Sie sich in Ihrer Expertinnen- und Expertengruppe und wie setzt sich diese zusammen?

KM: Mit einem Wort: Kooperationen. So kurz und bündig die Frage vordergründig zu beantworten ist, so vielschichtig zeigt sich das Themenfeld im Detail. Ganz konkret wird Zusammenschlüssen von mindestens zwei Akteuren – so gibt es der Verordnungsentwurf unter Artikel 71 vor – ermöglicht, Projekte umzusetzen. Wir bauen in der bis zu 25-köpfigen Gruppe auf die Expertise der Länder, der Wirtschafts- und Sozialpartner, der abzuwickelnden Stellen sowie auf die langjährige Erfahrung hausinterner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf. Der Fokus in dieser Gruppe liegt vorrangig auf den Bedürfnissen der Land- und Forstwirtschaft, ich bin aber bemüht, auch außerhalb dieses Rahmens zu blicken und den außerlandwirtschaftlichen Bereich ebenfalls „mitzudenken“. Dazu tausche ich mich regelmäßig mit dem verantwortlichen Leiter der Arbeitsgruppe für „Außerlandwirtschaftliche Interventionen“ aus, deren Anliegen am Ende des Tages auch in der Intervention „Zusammenschlüsse“ Berücksichtigung finden sollen.

Können Sie uns etwas Näheres zum Stand der Arbeiten im Zusammenhang mit der Konzeption von Interventionen für den GAP-Strategieplan berichten? Gibt es grundlegende Neuerungen im Vergleich zur laufenden Periode?

KM: Ja, wir wollen mutiger werden und neuen offenen Ansätzen eine Chance geben. Der Grundsatz lautet: Weniger ist mehr (!) und das in jeglicher Hinsicht. Es muss für beide Seiten – für die Förderungswerberinnen und -werber, aber auch für die abzuwickelnden Stellen – einfacher und klarer werden. Wir sind um maximal mögliche Flexibilität bei der Projektumsetzung bemüht, bei gleichzeitigem Anspruch, Abläufe in der Abwicklung so weit wie möglich zu standardisieren. Zielgerichtete und ergebnisorientierte aber auch ambitionierte Vorhaben sollen zur Erreichung der Ziele der Gemeinsamen Agrarpolitik beitragen.

Was heißt das nun konkret: wir gehen weg von vielen Einzelmaßnahmen mit unterschiedlichsten Vorgaben und reduzieren auf das Wesentliche mit dem Ziel, inhaltlich möglichst offen zu bleiben, um flexibel auf Bedürfnisse und Erfordernisse reagieren zu können. Mit gezielten Aufrufen von Kooperationsprojekten zu bestimmten Themenschwerpunkten wird eine strategische Steuerung und ein gezielter Einsatz der Budgetmittel möglich.

Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Stand der Arbeiten in Ihrer Arbeitsgruppe? Welche Hürden gilt es aus Ihrer Sicht noch zu überwinden beziehungsweise welche Erfolge konnten Sie bereits erzielen?

KM: Trotz des breiten Spektrums an Inhalten, die wir zu diskutieren haben, kommen wir gut voran. Die Arbeitsgruppe ist motiviert und diszipliniert - also die besten Voraussetzungen für ein erfolgsversprechendes Ergebnis. Die Projektinhalte und die zu berücksichtigenden Voraussetzungen von Kooperationsprojekten können derart vielfältig sein, dass die Herausforderung mit Sicherheit darin besteht, einen 360-Grad-Blick einzunehmen und mit mehreren „Brillen“ auf das Mögliche und Notwendige zu blicken. In Wahrheit stehen wir mit unseren Arbeiten noch am Beginn, auch wenn wir uns in grundlegenden Bedingungen vielfach schon einig sind; aber wie heißt es so schön – der „Teufel steckt im Detail“. Insbesondere die Abwicklungsfragen werden uns noch spannende Diskussionen bereiten.

Wie konnten Sie die Arbeit in der Arbeitsgruppe aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen neu organisieren bzw. fortführen? Was funktioniert aus ihrer Sicht gut/weniger gut?

KM: Wir haben recht bald auf Videokonferenzen umgestellt und unsere Arbeiten fortgesetzt. Die ursprünglich ab März geplanten eineinhalbtägigen Sitzungen habe ich in kleinere Häppchen zu je drei Stunden aufgeteilt und die „Sitzungsfrequenz“ erhöht. Die Umstellung ging problemlos, es zeigte sich, dass dieses Format in Bezug auf die Arbeitsweise sehr effektiv ist. Die Diskussionsbeiträge sind kompakt und auf den Punkt gebracht. Die Sitzungsteilnehmerinnen und -teilnehmer nutzen ergänzend auch die Möglichkeit, via Chat Kommentare und Vorschläge abzugeben, wodurch trotz der Kürze alle die Möglichkeit bekommen, Stellung zu beziehen. Das Online-Format bietet gerade für Großgruppen viele Vorteile: die größere zeitliche Flexibilität durch die nicht erforderliche Anreise wirkt sich sehr positiv auf die gemeinsame Terminfindung aus, es muss keine Rücksicht auf die Verfügbarkeit von Sitzungssälen genommen werden und in der Arbeitsweise zeigt sich die Gruppe deutlich konzentrierter, fokussierter und disziplinierter – kurz gesagt: ziel- und ergebnisorientiert!

So wichtig der zwischenmenschliche persönliche Austausch ist, so klar zeigt sich aber auch, dass die Bewältigung so mancher komplexen Fragestellungen effizienter und schneller über Online-Tools erfolgen kann. Insofern möchte ich dieses Format auch in Zukunft gezielt einsetzen und weiterhin nutzen.

Welche Erfahrungen können wir Ihrer Meinung nach aus der Corona-Krise für die Zukunft und den GAP-Strategieplan mitnehmen?

KM: Ich nehme jedenfalls mit, dass sich der Mensch sehr schnell auf neue Situationen einstellen kann, sehr anpassungsfähig ist und wir es durchaus wagen können, mutiger und aufgeschlossener gegenüber Neuem in die Zukunft zu gehen. Die Krise zeigt umso mehr, wie wichtig es ist, mehr Handlungsspielräume zu schaffen, um auch besser auf Unerwartetes reagieren zu können. Genau darum bemühen wir uns auch in der Ausgestaltung des GAP-Strategieplans und geben neuen Ansätzen eine Chance!

Zur Person: Mag.a Katharina Maierhofer ist Mitarbeiterin der Abteilung II/8 - Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung und dort für die Bereiche Lebensmittelqualität/Qualitäts-und Herkunftssicherung, Ernährung sowie Wertschöpfung im Zusammenhang mit regionaler Kulinarik verantwortlich. Sie leitet zudem die Expertinnen- und Expertengruppe „Kooperationen im land- und fortwirtschaftlichen Umfeld“ im Rahmen des nationalen GAP-Strategieplan-Erstellungsprozesses.