Direktzahlungen und Konditionalität

Infotext. Direktzahlungen

Als wichtiges Instrument zur Sicherung tragfähiger landwirtschaftlicher Einkommen wird das System der Direktzahlungen in der GAP ab 2023 fortgeführt. Damit leistet die 1. Säule der GAP auch weiterhin einen zentralen Beitrag zur Aufrechterhaltung einer flächendeckenden und kleinstrukturierten landwirtschaftlichen Bewirtschaftung.

Da sich aber auch die 1. Säule der GAP mit umfangreichen gesellschaftlichen Ansprüchen konfrontiert sieht, werden die Direktzahlungen ab 2023 um sogenannte Öko-Regelungen ergänzt. Alle Informationen zu den relevanten Begriffsbestimmungen, den Interventionen und der neuen grünen Architektur der 1. Säule finden Sie hier.

Umsetzung der GAP ab 2023 in Österreich

Mindestanforderungen

In Österreich ist die Mindestanforderung für den Erhalt von Direktzahlungen eine Betriebsfläche von mindestens 1,5 ha beziehungsweise 150 €, wenn Begünstigte ausschließlich gekoppelte Zahlungen erhalten.

Begriffsbestimmungen

Alle österreichischen Begriffsbestimmungen im Detail können Sie dem Kapitel 4 des veröffentlichten GAP-Strategieplans entnehmen.

Aktiver Landwirt

Die Erfüllung der Anforderung „aktiver Landwirt“ ist die Grundlage für die Gewährung von flächen- und tierbezogenen Interventionen der 1. und 2. Säule. Als aktive Landwirtinnen und Landwirte gelten

  • natürliche Personen, die nach dem Bauern-Sozialversicherungsgesetz (BSVG, BGBl. Nr. 559/1978) im Rahmen der Unfallversicherung pflichtversichert sind
  • juristische Personen und Personengesellschaften mit gemäß Bewertungsgesetz (BGBl. Nr. 148/1955) festgestelltem landwirtschaftlichen Einheitswert
  • Begünstigte, die ihre Eigenschaft als „aktiver Landwirt“ anhand ihrer Steuererklärung oder damit gleichwertiger Unterlagen nachweisen können
  • Begünstigte, die für das vorangegangene Antragsjahr höchstens 5.000 € Direktzahlungen erhalten haben, gelten jedenfalls als „aktiver Landwirt“

Junglandwirt

Die Erfüllung der Anforderung „Junglandwirt“ ist die Grundlage für die Gewährung aller Zahlungen für Junglandwirtinnen und Junglandwirte. Es gelten folgende einheitliche Vorgaben in der 1. und 2. Säule:

  • Altershöchstgrenze von 40 Jahren bei erstmaliger Antragstellung
  • Die Junglandwirtin oder der Junglandwirt muss eine maßgebliche Einflussnahmemöglichkeit auf die „Leitung des Betriebs“ haben. Diese ist bei natürlichen Personen gegeben, wenn die Junglandwirtin oder der Junglandwirt den landwirtschaftlichen Betrieb führt.
  • Bei eingetragenen Personengesellschaften, juristischen Personen oder Personenvereinigungen muss die Junglandwirtin oder der Junglandwirt die langfristige und wirksame Kontrolle über die Betriebsführung des landwirtschaftlichen Betriebs ausüben, d.h. mehrheitsbeteiligt oder zumindest gleichberechtigt mit allen anderen Beteiligten sein.
  • Als fachliche Mindestqualifikation für die Bewirtschaftung des Betriebs ist eine geeignete Ausbildung auf zumindest Facharbeiterniveau Voraussetzung.

Interventionen im Rahmen der Direktzahlungen

Im Rahmen der Direktzahlungen gibt es sieben Interventionen sowie zusätzlich vier Öko-Regelungen (siehe Neue Umweltarchitektur).Insgesamt stehen für die Direktzahlungen rund 678 Mio. Euro zur Verfügung. Die Anteile der einzelnen Interventionen können Sie der Abbildung "Anteile an Direktzahlungs-Obergrenze" entnehmen.

Tortendiagramm Anteile an Direktzahlungsobergrenze
Foto: BMLRT

Einkommensgrundstützung für Nachhaltigkeit (Basiszahlung)

Ab dem Antragsjahr 2023 entfällt das bisherige System der Zahlungsansprüche. Die Basiszahlung wird für jede förderfähige Fläche in Form einer einheitlichen Prämie je Hektar gewährt, wobei diese differenziert für Heimgutflächen und Almweideflächen erfolgt (analog dem Verringerungskoeffizienten für Zahlungsansprüche für Almfutterflächen in der Periode 2015-2022).

  • Basiszahlung für Heimgutflächen: rund 208 €/ha (Acker-, Dauergrünland- und Dauerkulturflächen, ausgenommen Almweideflächen).
  • Basiszahlung für Almweideflächen: rund 41 €/ha

Die Basiszahlung je Betrieb ist mit 100.000 € begrenzt („Capping“). Lohnkosten können nicht angerechnet werden.

Ergänzende Umverteilungseinkommensstützung (Umverteilungszahlung)

In Österreich sind 10 % (67,8 Millionen €) der Direktzahlungs-Obergrenze sowie die durch Anwendung des Cappings freiwerdenden Mittel (rund 3 Millionen €) für die Umverteilung vorgesehen. Die Umverteilungszahlung ist eine zusätzliche Zahlung für alle Betriebe für die ersten 40 ha Heimgutfläche (ausgenommen Almweideflächen).

Die Umverteilungszahlung wird in zwei Stufen gewährt. In der 1. Stufe bis 20 ha ist die Prämie doppelt so hoch wie in der 2. Stufe:

  • 1. Stufe: bis 20 ha: rund 47 €/ha
  • 2. Stufe: > 20 bis 40 ha: rund 23 €/ha

Ergänzende Einkommensstützung für Junglandwirtinnen und Junglandwirte (Zahlung für Junglandwirtinnen und Junglandwirte)

Die Zahlung für Junglandwirtinnen und Junglandwirte (gemäß Begriffsbestimmung) in Form einer Top-up Zahlung wird fortgeführt. Für diese Intervention gibt es einen gemeinsamen Budgetrahmen mit der Niederlassungsprämie in der 2. Säule (mindestens 3 % der Direktzahlungsmittel). Die Zahlung für Junglandwirtinnen und Junglandwirte in Höhe von rund 66 €/ha wird für maximal 40 ha förderfähige Fläche und für maximal 5 Jahre gewährt.

Gekoppelte Einkommensstützungen für den Auftrieb von Kühen, sonstigen Rindern und Mutterschafen und –ziegen (Almauftriebsprämie)

Die Almauftriebsprämien für Kühe, sonstige Rinder und Mutterschafe und -ziegen werden fortgeführt. Diese tierbezogene Zahlung wird für den Auftrieb auf Almen im gesamten Bundesgebiet gewährt. Die Prämiensätze wurden deutlich erhöht:

  • Almauftriebsprämie für Kühe: rund 100 €/Kuh,
  • Almauftriebsprämie für Mutterschafe und -ziegen: rund 95 €/RGVE,
  • Almauftriebsprämie für Rinder ausgenommen Kühe: rund 50 €/RGVE

Neue Umweltarchitektur

Für die GAP ab 2023 wurden neun spezifische Ziele definiert. Ihr Erfolg wird an der Erreichung dieser Ziele gemessen. Drei der neun Ziele sind dem Schutz der Umwelt und des Klimas zugeordnet. Um die ambitionierten Zielsetzungen zu erreichen, bedarf es einem guten Mix unterschiedlicher Instrumente, wozu auch die 1. Säule einen entsprechenden Beitrag leisten muss.

Erweiterte Konditionalität

Angelehnt an das Cross Compliance System der Vorperiode sind von den Landwirtinnen und Landwirten bestimmte Grundanforderungen einzuhalten, um flächen- und tierbezogene Zahlungen vollständig zu beziehen. Diese Anforderungen stellen auch die Ausgangsbasis für alle freiwilligen Agrarumwelt- und -klimainterventionen dar. Die Erweiterte Konditionalität besteht aus zwei unterschiedlichen Elementen mit jeweils mehreren Anforderungen.

Eines dieser Elemente sind die Standards für einen „Guten Ökologischen und Landwirtschaftlichen Zustand der Flächen“ (GLÖZ). Diese umfassen bestimmte Mindestbedingungen an die landwirtschaftliche Bewirtschaftung von Flächen, welche in erster Linie auf den Schutz von Böden, Wasser und der Biodiversität abzielen. Ab 2023 sind von den Landwirtinnen und Landwirten 10 GLÖZ-Standards einzuhalten:

  • GLÖZ 1: Erhaltung des Dauergrünland-Verhältnisses auf nationaler Ebene
  • GLÖZ 2: Auf Moor- und Feuchtschwarzerdeböden sind bestimmte Bewirtschaftungsanforderungen einzuhalten
  • GLÖZ 3: Strohabbrennverbot auf Ackerflächen
  • GLÖZ 4: Anlage von Pufferstreifen entlang von Wasserläufen mit Schwerpunkt auf Gewässer mit stofflichen Belastungen
  • GLÖZ 5: Erosionsmindernde Maßnahmen ab 15 % Hangneigung auf Acker- und Dauerkulturflächen
  • GLÖZ 6: Mindestbodenbedeckung auf Acker- und Dauerkulturflächen ab 15 % Hangneigung zwischen 1.11. und 15.2.
  • GLÖZ 7: Anforderungen an die Anbaudiversifizierung (Mindestanzahl angebauter Kulturen) und die Fruchtfolge (bei Mais, Soja und Weizen)
  • GLÖZ 8: Mindestens 4 % Acker-Bracheflächen, Schutz von Landschaftselementen und Schnittverbot von Hecken und Bäumen zwischen 20.2. und 31.8.
  • GLÖZ 9: Verbot der Umwandlung oder des Umpflügens von Dauergrünland, das als ökologisch gefährdetes Dauergrünland in Natura-2000-Gebieten ausgewiesen ist
  • GLÖZ 10: Einhaltung der SDG-Empfehlungen hinsichtlich Phosphordüngung

Nähere Details zur Umsetzung der GLÖZ-Standards können der Übersicht entnommen werden.

Neben den GLÖZ-Standards enthält die Erweiterte Konditionalität das Element der Grundanforderungen an die Betriebsführung (GAB). Diese binden die Einhaltung bestimmter Anforderungen ausgewählter EU-Vorschriften entsprechend der nationalen Umsetzung an den Erhalt von GAP-Zahlungen. Folgende 11 EU-Vorschriften sind über die GAB an die GAP geknüpft:

  • GAB 1: Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60/EG)
  • GAB 2: Nitratrichtlinie (Richtlinie 91/676/EWG)
  • GAB 3: Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 2009/147/EG)
  • GAB 4: Fauna/Flora/Habitatrichtlinie (Richtlinie 92/43/EWG)
  • GAB 5: Lebensmittelsicherheit (Verordnung (EG) Nr. 178/2002)
  • GAB 6: Hormonanwendungsverbot (Richtlinie 96/22/EG)
  • GAB 7: Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln (Verordnung (EG) Nr. 1107/2009)
  • GAB 8: Nachhaltige Verwendung von Pestiziden (Richtlinie 2009/128/EG)
  • GAB 9: Tierschutz Kälber (Richtlinie 2008/119/EG)
  • GAB 10: Tierschutz Schweine (Richtlinie 2008/120/EG)
  • GAB 11: Tierschutz Nutztiere (Richtlinie 98/58/EG)

Soziale Konditionalität

Im Zuge der Covid-19-Pandemie sind die Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft stärker in den Fokus gerückt. Die Reaktion darauf erfolgte über die Einführung einer sogenannten Sozialen Konditionalität, durch welche die Einhaltung von bestimmten arbeitsrechtlichen Bestimmungen an den Erhalt flächen- und tierbezogener GAP-Zahlungen gebunden wird. Die Sanktionierung basiert ausschließlich auf Urteilen bzw. Bescheiden der zuständigen arbeitsrechtlichen Gerichte und Behörden. Zusätzliche Kontrollen durch die Zahlstelle sind nicht vorgesehen. Ergänzend wird das Thema Arbeitsrecht auch verstärkt in der landwirtschaftlichen Beratung integriert.

Regelungen für Umwelt und Klima (Öko-Regelungen)

Mit den Öko-Regelungen werden erstmals für die Landwirtinnen und Landwirte freiwillige Interventionen in Bezug auf Umwelt und Klima über Mittel der 1. Säule finanziert. Konkret sind dafür rund 15 % der Mittel für Direktzahlungen vorgesehen. Um eine breite Akzeptanz und Inanspruchnahme dieses neuen Instruments sicherzustellen, wurde bei der Auswahl geeigneter Interventionen auf folgende vier bewährte ÖPUL-Maßnahmen gesetzt:

  • Begrünung von Ackerflächen – Zwischenfruchtanbau
  • Begrünung von Ackerflächen – System Immergrün
  • Erosionsschutz Wein, Obst und Hopfen
  • Tierwohl Weide

Die Auszahlung der Prämie erfolgt je Hektar förderfähige Fläche beziehungsweise bei der Maßnahme Tierwohl Weide je Großvieheinheit. Die Details zur Maßnahmengestaltung können Sie dem Entwurf der Sonderrichtlinie ÖPUL entnehmen.

Download