Begriffe einfach erklärt

Kartoffelfeld
Foto: BMLRT / Alexander Haiden

Telemetriesysteme, RTK-Korrektursignal und teilflächenspezifische Bewirtschaftung - wenn man beginnt, sich in das Thema digitalisierte Landwirtschaft einzulesen, ist man mit vielen neuen, zunächst verwirrenden Begriffen konfrontiert. Doch nach einer kurzen Erklärung sind viele dieser Begriffe gar nicht mehr so unverständlich und fremd.

Neue Arten der Bewirtschaftung

Die Digitalisierung in der Landwirtschaft baut auf vorhandenen Produktionsverfahren auf. Je nach Digitalisierungsgrad gibt es unterschiedliche Begriffe:

Precision (Livestock) Farming / Präzisionslandwirtschaft

Diese Begriffe beziehen sich auf das präzise und gezielte Arbeiten, das durch neue Technologien möglich wird. Technologien wie automatische Lenksysteme, Teilbreitenschaltungen und Systeme für die Dosierung und Ausbringung von Betriebsmitteln ermöglichen seit fast drei Jahrzehnten eine präzise und gezielte Bewirtschaftung der Felder. In der Tierhaltung macht der Einsatz von Sensoren und Aktoren es möglich, dass Futtermittel präziser zugeteilt werden, dass das Melken automatisiert wird und dass Tierwohl und Tiergesundheit besser überwacht werden können.

Smart Farming

Der Begriff „Smart Farming“ will aussagen, dass die Landwirtschaft durch eine gute Datennutzung nun klüger, gezielter und effizienter – also „smarter“ – agieren kann. „Smart Farming“ berücksichtigt beispielsweise Daten von sensorbasierten Echtzeitsystemen bei der Ausbringung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Dadurch kann vielfach auf aufwendige und kostenintensive Bodenproben verzichtet werden.

Landwirtschaft 4.0 / Digital Farming

Der Begriff „Landwirtschaft 4.0“ lehnt sich an die Bezeichnung „Industrie 4.0“ an. Ebenso wie das in der Industrie geschehen ist, werden auch in der Landwirtschaft durch die Digitalisierung die einzelnen Systeme miteinander vernetzt. So wird ein umfassendes Betriebsmanagement möglich.

Teilflächenspezifische Bewirtschaftung

Die teilflächenspezifische Bewirtschaftung ist ein Teilbereich der Präzisionslandwirtschaft. Ein Feld hat nicht an allen Stellen die gleichen Bedingungen (zum Beispiel die gleiche Bodenart oder denselben Nährstoff- oder Wassergehalt im Boden). Gewisse neue Technologien machen es möglich, über Sensoren solche Werte zu messen und dann gezielt die verschiedenen Feldteile entsprechend zu bearbeiten, zum Beispiel mehr oder weniger zu düngen oder zu bewässern.

Neue Technologien und Funktionen

Diese neuen Bewirtschaftungsmethoden werden erst durch digitale Technologien möglich. Obwohl es dazu endlos viele Fachbegriffe gibt, sind es einige Kernbegriffe, denen man immer wieder begegnet und die man verstehen muss, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt.

Telemetriesystem

Bei einem Telemetriesystem werden landwirtschaftliche Maschinen und Traktoren mit SIM-Karten ausgerüstet. Mit der Verbindung mit dem Internet ist ein Zugriff auf Maschinendaten, wie die Maschineneinstellung, der Standort oder auch von Fehlermeldungen möglich. Das bildet die Basis für vielfältige neue Funktionen.

Real-Time-Kinematic Signal / RTK-Signal / Korrektursignal

Real-Time-Kinematic-Signale, kurz RTK-Signale, werden eingesetzt, um die geografische Position einer landwirtschaftlichen Maschine genau zu bestimmen. Dabei sind mehrere GPS-Signale im Spiel: Der Traktor empfängt ein GPS-Signal, das allerdings nicht hundertprozentig exakt ist – etwa auf 20 Zentimeter genau. Um dieses Signal noch zu präzisieren, braucht es ein Korrektursignal. Dieses wird über Funk oder über Mobilfunknetz übertragen und es korrigiert das traktoreigene GPS-Signal. So kann eine Genauigkeit von etwa zwei Zentimetern gewährleistet werden. Diese Genauigkeit ist nötig, damit Positionen und Spurinformationen dauerhaft reproduzierbar sind.

Tractor Implement Management (TIM)

Ein Traktor wird mit verschiedenen Arbeitsgeräten wie Pflug oder Rundballenpresse verwendet. Typischerweise steuert der Traktor das Arbeitsgerät. Das Tractor Implement Management (TIM) macht es nun allerdings möglich, dass auch umgekehrt das Arbeitsgerät Funktionen des Traktors steuern kann. Das Arbeitsgerät kann verschiedene Umgebungsbedingungen erkennen – zum Beispiel einen erhöhten Zugwiderstand beim Pflügen – und diese Information kann automatisch an den Traktor weitergegeben werden, sodass dessen Funktionen sich ohne menschliches Zutun anpassen. Erkennt der Pflug beispielsweise, dass der Boden im aktuellen Teil des Feldes härter ist als zuvor, werden die Motorleistung des Traktors und der Druck der Steuerventile automatisch angepasst, sodass die Furche trotzdem sauber gezogen werden kann.

Parallelfahren

Beim Parallelfahren sorgen digitale Technologien dafür, dass landwirtschaftliche Maschinen und Fahrzeuge automatisch in exakt parallelen Spuren geführt werden. Dadurch werden zum einen Überlappungen und Fehlstellen reduziert, zum anderen ist das Parallelfahren eine wichtige Basisfunktion für alle Precision-Farming-Systeme. Viele andere digitale Bewirtschaftungsmethoden sind also nur durch das Parallelfahren möglich.