2 Erfahrungsberichte

Ein Mitarbeiter des Ministeriums sitzt vor seinem Laptop bei der Telearbeit
Foto: BMLRT

Ein Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin des BMLRT teilen ihre Erfahrungen zur Telearbeit mit.

Telearbeit – Quo Vadis?
 

"Als Oberösterreicher habe ich über viele Jahre ein Pendlerdasein geführt, das ziemlich anstrengend war und mir auch erhebliche Kosten bescherte. Ein „normaler“ Tag bestand darin, mit dem Zug um 6.31 Uhr oder früher von Linz nach Wien zu reisen und abends oft erst nach 22.00 Uhr nach Hause zu kommen. Allein dieser Umstand - verbunden mit den entsprechenden Vor- und Nachlaufzeiten – ließ kaum ein Aktivität, kaum ein Leben außerhalb des Berufsalltags zu.


Angesichts der damit verbundenen auch mittel- und langfristigen Perspektive war ich daher hellauf begeistert, als es Ende 1999 hieß, dass in unserem Ministerium ein Pilotprojekt für Telearbeit gestartet werden würde. Anfang Februar 2000 war es dann soweit: ich durfte als einer von 5 „Piloten“ das erste Mal von zuhause arbeiten. Auch wenn damals die technischen Rahmenbedingungen im Vergleich zu heute sich als geradezu „altbacken“ gestalteten, war ich sehr froh, dass sich rechtzeitig vor der Geburt meiner Tochter diese doch erhebliche Erleichterung für unsere Familie einstellte. Und – das muss ich an dieser Stelle erwähnen - ich war auch dankbar und stolz in einem Ministerium zu arbeiten, das diese damals doch noch relative neue Form des Arbeitens einführte.


Was hat sich seither getan?

Nach nunmehr beinahe 13 Jahren ist Telearbeit zum Alltagsfall geworden. All die mit der Telearbeit erhofften Verbesserungen sind eingetroffen und sind ist zu einem fixen Bestandteil unseres Familienlebens geworden, ja unser Familienleben baut auf ihr auf: Für unsere Kinder bin ich genauso Spielpartner, Aufsichtsperson, Anlaufstelle usw. wie meine Frau.

Meine Frau und ich können beide, unserer Ausbildung entsprechend, einen adäquaten Beruf ausüben. Und wir sind auch beide in unserem sozialen Umfeld in Linz gut integriert, treffen unsere Freunde und Verwandten und können auch sonst unseren Freizeitaktivitäten nachgehen. Kurzum: meine Familie und ich hätten in vielerlei Hinsicht erhebliche Abstriche machen müssen, hätte es diese Arbeitsform in den vergangenen Jahren nicht gegeben - all das ist uns mit der Telearbeit erspart geblieben!


Diese positiven Aspekte für mich sind somit klar zu bilanzieren - aber wie sieht es mit meiner Arbeit, meinem Arbeitsumfeld aus?

Ich glaube auch darauf hat sich die Telearbeit positiv ausgewirkt. Als erste positive Auswirkung ist das Fehlen von Meetings an den Telearbeitstagen zu nennen: konzeptive Aufgaben erledige ich schneller und effektiver bei mir zuhause in dem doch wesentlich ruhigeren Umfeld! Und dieser Umstand hat zudem dazu geführt, dass ich meine persönliche Arbeitsorganisation bewusster strukturiere – auch das hat mir persönlich sehr geholfen.


In technischer Hinsicht hat sich die Telearbeitsform mittlerweile als völlig gleichwertige Arbeitsform etabliert. Abgesehen von der körperlichen Abwesenheit unterscheidet sich die Arbeitsverrichtung von zuhause durch nichts mehr von jener im Büro.

Wenn nicht auf dem Telefon-Display „externe Umleitung“ stehen würde, würde wohl niemand erkennen, ob ich in meinem Büro in Wien oder zuhause in Linz arbeite. Und die Kosten der Telearbeit dürften – wenn überhaupt – nur unwesentlich höher als bei den Büroarbeitsplätzen liegen – Mietkosten für die Büroarbeitsplätze, reduzierte Fehlzeiten aufgrund von Telearbeit nicht miteingerechnet!
 

Auch organisatorisch sollten die Vorteile überwiegen: Natürlich ist das Finden eines gemeinsamen Besprechungstermins mit TelearbeiterInnen eingeschränkt. Aber mit einer gewissen Vorlaufzeit und einer gewissen Flexibilität hat sich diese scheinbare Schwierigkeit als überwindbar herausgestellt. Und es dürfte sich bei den TelearbeiterInnen wie auch in den „Chefetagen“ verfestigt haben, dass in Zeiten immer rascheren Informationsverfügbarkeit und -bereitstellung mobiles Arbeiten zum Gebot der Stunde geworden ist. Die Gefahr von Aufsichtsdefiziten hat sich zum Glück als unbegründet erwiesen, im Gegenteil: Telearbeit baut auf eigenverantwortlichem Arbeiten auf und fördert dies auch. Insofern sollten Hierarchieebenen auch entlastet worden sein. Und - wie zuvor bereits angerissen - nicht zu unterschätzen ist auch, dass in Fällen des Pflegeurlaubs oder bei Krankenständen Telearbeit bis zu einem gewissen Grad die Ausfallszeiten reduzieren hilft.


Schon wieder eine Win-Win-Situation?

Ja, davon bin ich aufgrund meiner langjährigen Erfahrung felsenfest überzeugt. Und ich glaube, dass die Vorteile für ArbeitgeberInnen, ChefInnen und ArbeitnehmerInnen in einer immer schnelleren und dichteren Informationswelt, in Zeiten eines immer knapperen Arbeitsmarktes, (betriebs-)kostenintensiven Büroflächen usw. noch lange nicht ausgeschöpft sind.

Und noch ein weitere „Win“ ist anzuführen: Mittlerweile scheint sich – trotz aller Rebound-Effekte - die Meinung durchzusetzen, dass mobiles Arbeiten in ökologischer Hinsicht zu weniger Verkehr, zu einem Weniger an Energie- und Ressourcenbedarf für Büro- und Verkehrsflächen usw. führt und – last but not least - schließlich auch noch eine wichtigen Beitrag zur Entwicklung des ländlichen Raumes leisten kann!


Wohin führt all das, wohin soll uns das führen?

Alle Prognosen gehen davon aus, dass sich unsere Arbeitswelt immer stärker in Richtung „mobiles Arbeiten“ entwickeln wird. Die Technik und auch die sonstigen Rahmenbedingungen versetzen uns in die Lage, unsere Arbeitswelt effizienter, für ArbeitnehmerInnen attraktiver, sozial verträglicher und ressourcensparsamer zu gestalten!

Ich denke, dass es im Interesse aller im Ministerium, auch im Sinne des „first mover advantage“, gelegen sein muss, die damit verbundenen Vorteile so rasch wie möglich zu nützen!

So wie das Ministerium pionierhaft seinerzeit die damals relativ neue Errungenschaft des Teleworking einführte, würde es gerade unserem Ministeriums gut zu Gesicht stehen, wenn es auch beim Thema „mobiles Arbeiten“ als expeditiver Innovationsmotor mitwirkt und diese Entwicklung vorantreibt. Wie gesagt: Die Technik, die Rahmenbedingungen dafür stehen parat - der Nutzen ist zu groß, die Kosten sind zu gering (wenn nicht gar günstiger) als dass wir uns diese Chance entgehen lassen sollten!"


Meine Erfahrung als Telearbeiterin

"Die Telearbeit gewinnt in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Erfreulicherweise stellt das BMLRT als innovative Organisation eine Anzahl von Telearbeitsplätzen für die MitarbeiterInnen bereit.

Ich bin seit dem Jahr 2004 Telearbeiterin. Meine Arbeitszeiten im Büro und am Telearbeitsplatz sind mit der Abteilungsleitung fix vereinbart. Ich bin aber gerne bereit, diese Zeiten auch flexibel zu gestalten, je nach dem, welche Termine gerade anstehen, und Tele- bzw. Bürozeiten nach Bedarf zu tauschen.

Für mich waren folgende Gründe für die Telearbeit ausschlaggebend:

  • Verringerung der langen Fahrtzeiten: Nachdem sich mein Wohnsitz in Eisenstadt befindet, muss ich mit längeren Anfahrtszeiten ins Büro rechnen. Mit nur zwei Tagen Telearbeit spare ich mindestes 5- 6 Stunden Zeit pro Woche, die ich in inhaltliche Arbeit investieren kann.
     
  • Mehr Flexibilität in der Kinderbetreuung: Obwohl meine Kinder mittlerweile das Gymnasium besuchen, trägt die Telearbeit einen großen Anteil daran, den Spagat zwischen Haushalt und Beruf gut zu schaffen. Das bedeutet eine Verringerung des Stresses und eine gute work- life balance.

Meine Tätigkeiten als Personalentwicklerin lassen sich sehr gut einteilen und auch von zu Hause aus organisieren: administrative Tätigkeiten, Telefonate und Schreibarbeiten bearbeite ich konzentriert und effektiv am Telearbeitsplatz.

Besprechungen, interne und externe Termine werden vom Büro aus durchgeführt.

Die Tage im Büro sind darüber hinaus besonders auch für den informellen Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen sehr wichtig. Da sind natürlich alle Kolleginnen und Kollegen sehr gefordert, weil sie sich auf die Telearbeitszeiten einstellen müssen und eine genaue Planung und Organisation dabei wichtig ist.

Dank der Unterstützung durch meine Abteilungsleiterin, Kolleginnen und Kollegen sowie das fortschrittliche Angebot meiner Organisation zur Einrichtung eines Telearbeitsplatzes habe ich einen optimalen Weg gefunden, Arbeit und Familie zu organisieren und dies trägt erheblich zu meiner Arbeitszufriedenheit bei."