Gesunde Bienen: Wieder mehr als 400.000 Bienenvölker

Bienen
Foto: BMLRT / Martina Siebenhandl

Gute Nachrichten von den Bienen: Es gibt wieder mehr Bienenvölker und mehr Imker in Österreich. Die Winterverluste haben sich auf niedrigem Niveau stabilisiert.

Die alljährliche Erhebung des Instituts für Biologie der Universität Graz zeigt, dass sich die Bienenwirtschaft in Österreich erholt. Erstmals seit den 1990er Jahren ist die Zahl der Bienenvölker wieder auf deutlich mehr als 400.000 angewachsen. Auch die Zahl der Bienenhalterinnen und Bienenhalter steigt wieder. Demnach wurden im Jahr 2020 von 31.923 Imkerinnen und Imkern 426.121 Bienenvölker betreut.

Graphik mit Balkendiagrammen zur Entwicklung der Bienenvölker von 2000-2020
Foto: BMLRT

Für Bundesministerin Elisabeth Köstinger ist diese Entwicklung sehr erfreulich: „Die Bienen-Bilanz zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gesunde Bienen sind für eine intakte Natur und für die Landwirtschaft in Österreich unverzichtbar.“ Eine wichtige Rolle spiele auch die Forschung, so die Ministerin: „Engagierte Imkerinnen und Imker sind die Voraussetzung dafür, dass die Zahl der Bienenvölker steigt. Mit praxisorientierter Forschung unterstützen wir sie dabei, die Bienenvölker gesund zu erhalten und Verluste zu reduzieren. Unsere Projekte liefern wichtige Erkenntnisse zum Schutz der Honigbiene.“

Die Experten führen die steigende Zahl der Bienenvölker unter anderem auf die Stabilisierung der Wintersterblichkeit zurück. Im Winter 2020/21 betrug diese 12,5 Prozent. Die verlorenen Völker werden üblicherweise im Laufe des Jahres wieder aufgebaut. Robert Brodschneider, Bienen-Experte an der Uni Graz, sieht die Imkerei im Aufwind: „Der Zulauf von Neuimkern hat in den letzten Jahren zu einem wahren Boom der Imkerei in Österreich geführt. Damit diese Entwicklung nachhaltig wirkt, weise ich auf die vielfältigen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Imkerei hin. Die Förderung weiterer Forschung zur Honigbiene in Österreich ist notwendig, um einen gesunde Bienenhaltung in Zeiten globalen Wandels zu ermöglichen.“

Forschung zum Schutz der Bienen

Die Bienengesundheit steht im Zentrum der umfangreichen Forschungsprojekte „Zukunft Biene 1 und 2“, die im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) und der Bundesländer von der Universität Graz in Zusammenarbeit mit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und der Veterinärmedizinischen Universität Wien durchgeführt werden.

Balkendiagramm mit der Wintersterblichkeit von Honigbienen
Foto: BMLRT

Im Fokus des Projekts „Zukunft Biene 1“, das 2018 abgeschlossen wurde, standen die Wintersterblichkeit sowie die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Bienengesundheit wie Varroamilbe, Viren und andere Krankheiten, Wetter, Ernährung, Betriebsweise der Imker und Umweltchemikalien. Die Forschungsergebnisse sind ermutigend. Der Gesundheitszustand der untersuchten Völker war überwiegend positiv. Festgestellt wurde ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Winterverlusten und der Belastung durch die Varroamilbe, die als Parasit an Honigbienen und deren Brut lebt.

Weitere Einflussfaktoren sind klimatische Bedingungen, die umliegende Vegetation und das Königinnenalter. Laboruntersuchungen zeigten die bedeutsame und sehr spezielle Funktion des Immunsystems der Honigbiene im Zusammenwirken mit Umweltchemikalien. Neben den genannten Faktoren war auch die Erfahrung der Imkerinnen und Imker für das Überleben der Bienenvölker von Bedeutung.

Fazit: Die Bienengesundheit unterliegt vielen verschiedenen Einflüssen. Dazu gehören klimatische Bedingungen und die umliegende Vegetation genauso wie die Landwirtschaft und die Arbeit der Imker.

 „Zukunft Biene 1“ wurde vom BMLRT, den Bundesländern und Biene Österreich (über die Sonderrichtlinie Imkereiförderung) finanziert. Inklusive der Eigenleistungen der Universität Graz und der AGES wurden knapp 2,5 Millionen Euro investiert.

Aufbauend auf den Ergebnissen wurden in Abstimmung mit den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowieVertreterinnen und Vertretern der Imker die Schwerpunkte für das Nachfolgeprojekt „Zukunft Biene 2“ festgelegt. Da die Varroamilbe in Kombination mit Virenerkrankungen den größten Einfluss auf die Bienengesundheit hat, konzentriert sich „Zukunft Biene 2“ auf die Wintersterblichkeit, die Rolle von Bienenviren und die Virendiagnose. Das Projekt untergliedert sich in 3 Module die von der AGES, der Universität Graz und der Veterinärmedizinischen Universität Wien durchgeführt werden. Die dabei untersuchten Themenbereiche sind: Virenmonitoring, Völkerverluste sowie Virendiagnostik und –prophylaxe.

Balkendiagramm mit Anzahl der BienenhalterInnen in Österreich und Entwicklung von 2000-2020

Bienenhaltung in Österreich

Der Schwerpunkt der österreichischen Bienenhaltung liegt in den Bundesländern Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark. Berufsimkerinnen und Berufsimker mit mehr als 150 Bienenvölkern gibt es nur wenige. Knapp 99 Prozent sind Nebenerwerbs- und Freizeitimker mit durchschnittlich 11 Völkern. Die Imkerinnen und Imker sind in Bienenzuchtverbänden organisiert. Als Dachorganisation fungiert der Verein „Biene Österreich“.

Bienen-Fakten

  • In Österreich gibt es derzeit knapp 32.000 Bienenhalterinnen und Bienenhalter.
  • Sie betreuen rund 426.000 Bienenvölker.
  • 99 Prozent sind Nebenerwerbs- und Freizeitimker mit durchschnittlich 11 Völkern.
  • Die meisten Bienenvölker gibt es in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark.
  • Ein Bienenvolk besteht aus 20.000 bis 50.000 Bienen.
  • 12,5 Prozent der Bienenvölker überlebten den vergangenen Winter nicht.
  • Die höchsten Winterverluste gab es im Winter 2014/15 mit 28,4 Prozent; im darauffolgenden Winter 2015/16 waren es nur 8,1 Prozent.
  • Ein Bienenvolk produziert 20 bis 25 Kilogramm Honig pro Jahr.
  • Im Wirtschaftsjahr 2018/19 lag die Honigproduktion bei rund 4000 Tonnen.
  • Die heimische Honig-Produktion deckt ca. 46% des Bedarfs.
  • Der Pro-Kopf-Verbrauch lag bei rund 1 Kilogramm.